Eisberg vor Grönland

Das Wetter der Zukunft

Auswirkungen des Klimawandels auf das Ökosystem und den Menschen


10.7.2008
Verheerende Hurrikane, Hochwasser, Waldbrände und viel zu heiße Sommer: Immer mehr Meldungen über Naturkatastrophen lassen das Schlimmste für die Zukunft befürchten. Noch gibt es keinen endgültigen Nachweis, dass Wetterextreme mit dem Klimawandel zusammenhängen. Wahrscheinlich ist es allerdings.

Helfer sitzen in einem Rettungsboot in der überfluteten Stadt Meißen bei Dresden, Ost-Deutschland. Nach tagelangem sintflutartigen Regen, überschwemmte die Elbe einen großen Teil der Region. Mindestens elf Menschen kamen bei der Flut ums Leben.Ein Zukunftsszenario? Ein Beispiel für mögliche Klimaauswirkungen war das Hochwasser der Elbe 2002, hier in Meissen nahe Dresden. (© AP)

Einführung



Hurrikane, Hochwasser, Dürreperioden und Hitzewellen. So lauten einige der prognostizierten Folgen des Klimawandels. Bereits in den letzten Jahren konnten vereinzelt Wetterextreme beobachtet werden, wie beispielsweise der Hitzesommer 2003. In diesem Sommer wurde an der Station Karlsruhe an 16 Tagen Temperaturen von über 36 Grad Celsius gemessen. In Europa starben etwa 30.000 Menschen in Folge der großen Hitze.

Ein weiteres Beispiel für Wetterextreme ist der Hurrikan Katrina aus dem Jahr 2005. Zunächst wurde Katrina als gemäßigter Hurrikan der Stufe 1 bewertet, jedoch mit zunehmenden Windgeschwindigkeiten auf 280 km/h wurde Katrina zu einem Hurrikan der Stufe 5 (mit der Kategorie fünf werden die heftigsten tropischen Wirbelstürme bezeichnet) mit einer massiven Zerstörungskraft.

Wetterextreme und Klimawandel



Bisher gibt es noch keinen endgültigen Nachweis, dass der globale Klimawandel in einem Zusammenhang mit dem verstärkten Auftreten von extremen Wetterereignissen steht. So kann die Hitzewelle von 2003 ebenso aus natürlichen Klimaschwankungen heraus entstanden sein. Erst wenn solche Ereignisse verstärkt auftreten und über einen längeren Zeitraum beobachtet werden, kann von einer signifikanten statistischen Häufung gesprochen werden, die wiederum als Beleg für klimatische Veränderungen dienen kann. Die Abbildung 1 zeigt eine deutliche Zunahme dieser Ereignisse in dem Zeitraum von 1985 bis 2000 mit zum Teil massiven Auswirkungen. Es wird aber auch deutlich, dass es immer wieder einzelne Jahre mit extremen Katastrophen gegebenen hat, wie beispielsweise im Jahr 1976.

Die Zunahme von Großkatastrophen weltweit (1950-2004). Quelle: Germanwatch 2008: 25Die Zunahme von Großkatastrophen weltweit (1950-2004). Quelle: Germanwatch 2008: 25
Die verschiedenen Wetterextreme, deren Entstehung und deren Zusammenhang mit dem Klimawandel sind jedoch grundsätzlich zu unterscheiden. Wenn die Durchschnitts- temperatur steigt, kann daraus sowohl eine regionale Zunahme von Starkregen als auch Trockenheit und Dürre resultieren. Anders ist dies bei Stürmen, deren Entstehung noch mit anderen Faktoren, z.B. dem Luftdruck, zusammenhängt.

Überblick über Wetterextreme im Zusammenhang mit Klimaveränderungen und deren Folgen



Was gibt es für Wetterextreme, wie entstehen sie, mit welcher Häufigkeit und Folgen und welche Regionen sind besonders betroffen? Einen Überblick gibt die folgende Auflistung:

Tropische Wirbelstürme (Hurrikane, Taifune, Tropenstürme)

Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gibt es Aufzeichnungen über die Anzahl der tropischen Wirbelstürme im atlantischen Raum. Der Rekord lag einst im Jahr 1887 mit 17 Stürmen. Ab den 1930er Jahren zeigt sich eine steigende Tendenz der Anzahl an Wirbelstürmen. Mit 21 Wirbelstürmen wurde 1933 ein neuer Rekord erreicht, der erst wieder im Jahr 2005 mit 28 Wirbelstürmen gebrochen wurde. Zusätzlich zu der steigenden Zahl an Hurrikanen wird auch eine zunehmende Intensität beobachtet, insbesondere von Hurrikanen der Kategorie drei bis fünf. Für die Entstehung von solchen Stürmen sind bestimmte Voraussetzungen notwendig. Eine wichtige ist die Meerestemperatur, die bei über 26,5 Grad Celsius liegen muss. Für den Sommer 2005 wurden Meeresoberflächentemperaturen ermittelt, die um bis zu zwei Grad Celsius höher waren als im langjährigen Mittel. Zwar ist dies noch kein Beweis dafür, dass die Erderwärmung zur Intensivierung der tropischen Wirbelstürme über dem Atlantik beiträgt, jedoch konnten im Pazifischen und Indischen Ozean ähnliche Temperaturveränderungen beobachtet werden. Ein Zusammenhang ist also plausibel.

Menschliche Eingriffe können nicht die Ursache eines einzelnen Sturms sein. Nach jüngsten Erkenntnissen lässt sich jedoch die Zunahme der Intensität und Zerstörungskraft auf die Erderwärmung zurückführen. Die Länder Mittelamerikas und die Westkaribik gehören bereits heute zu den hauptbetroffenen Regionen.

Kipp-Elemente des Klimasystems und ihre Folgen
Quelle: GermanwatchKipp-Elemente des Klimasystems und ihre Folgen Quelle: Germanwatch (© germanwatch )
Niederschlagsextreme

Hohe Niederschlags- intensitäten sind ein weiteres Wetterextrem. Globale Modellrechnungen zeigen, dass in den meisten Regionen der Erde mit nur wenigen Ausnahmen die Niederschlagsmengen steigen werden. Die Hauptregionen werden Nordeuropa, Nordasien und der Nordwesten Nordamerikas sein. Dabei gibt es große Unterschiede je nach Region, Jahreszeit und Intensität. Gleichzeitig kann es je nach Region zu jahreszeitlichen Verschiebungen kommen, da sich die Niederschlagsintensitäten im Jahresverlauf anders ausprägen. Starkregen kann zu Ernteverlusten und zu Infrastrukturschäden führen. Insbesondere hochwassergefährdete Gebiete und Regionen, mit geringen Wasserabflussmöglichkeiten sind betroffen.

Für Europa werden mehr Starkregen, Überschwemmungen und Hochwasser prognostiziert, gleichzeitig können im Norden durch mehr Niederschläge und höhere Temperaturen bessere Ernteergebnisse erzielt werden.

Überschwemmungen

In Deutschland kann es aus unterschiedlichen Gründen zu Überschwemmungen kommen, beispielsweise aufgrund von jahreszeitlichen Ausprägungen wie der Eisschmelze im Frühjahr und zusätzlich wegen der Begradigung von Flüssen. Die klimatischen Veränderungen tragen dazu bei, dass in den europäischen Gebirgen die Gletscher schneller schmelzen, und dadurch die Flüsse mehr Wasser führen und über die Ufer treten. Die Elbflut von 2002 ist sowohl ein Beispiel für natürliche Prozesse, kann aber auch aufgrund der Ausmaße ein Vorbote für klimatische Veränderungen sein.

Global gesehen wird auf Grund der schmelzenden arktischen Schelfeisgebiete und des grönländischen Eisschildes der Meeresspiegel ansteigen (die IPCC-Szenarien gehen je nach Annahmen von 0,5 bis 1,2 Meter aus). Viele Länder mit tief gelegenen Küsten und küstennahe Gebiete werden betroffen sein. Weite Landstriche der Niederlande, Floridas, Vietnams, Bangladeshs sowie viele Inselstaaten könnten überschwemmt werden. Dies würde wirtschaftliche und soziale Folgen haben: Landwirtschaftlich genutzte Flächen gingen verloren und die Bewohner flüchteten in andere Regionen, Länder oder Erdteile.

Hitzewellen / extreme Dürreereignisse

Es ist zu erwarten, dass durch die steigende Durchschnittstemperatur die Anzahl der heißen Tage und warmen Nächte im Jahr zunehmen wird. Nach Simulationen werden die Abweichungen der Sommertemperaturen in Mittel- und Südeuropa vom durchschnittlichen Mittelwert um mehrere Grad zunehmen und Ende des Jahrhunderts bei sieben Grad Celsius liegen. Temperaturen wie im Rekordsommer 2003 werden laut dieser Simulationen in wenigen Jahrzehnten nicht ungewöhnlich sein. Folgen der Hitzewellen sind für den Menschen beispielsweise gesundheitliche Beeinträchtigungen, Zunahme der hitzebedingten Todesfälle und die Zunahme von Krankheitserregern (z.B. Insekten, die nur in warmen Regionen überleben). Gleichzeitig wird zur Kühlung mehr Energie benötigt. Würde dann die benötigte Energie aus fossilen Energieträgern gewonnen, beschleunigte sich obendrein der Treibhauseffekt. Hitzewellen können darüber hinaus auch die Arbeitsproduktivität und die landwirtschaftliche Produktion je nach Region deutlich schwächen sowie zu einer Zunahme von Waldbränden führen. Im Jahr 2007 war besonders Griechenland von Waldbränden betroffen. Dort wurden Höchsttemperaturen von 46 Grad Celsius gemessen. In der Zukunft werden bereits heute besonders aride (trockene) Regionen am meisten unter Hitzewellen und dem daraus resultierenden Wassermangel leiden.

Im engen Zusammenhang mit Hitzewellen stehen die Ausbreitung von ariden Regionen und die Zunahme von Dürren. Im Vergleich zum Starkregen lässt sich jedoch bei Dürren weniger deutlich eine Verbindung zum Klimawandel herleiten. Extreme Dürreereignisse der 1930er, 1950er und am Ende der 1980er Jahre stellen laut der paläoklimatischen Forschung für die letzten 2000 Jahre keine Besonderheit dar. Die Untersuchungen von Baumringen, Fossilien und Sedimente zeigen, dass in gewisser Regelmäßigkeit in der Vergangenheit immer mal wieder Dürren auftraten.

Jüngere Untersuchungen zeigen jedoch auch, dass beispielsweise in der Sahelzone die durchschnittliche Niederschlagsmenge in dem Zeitraum von 1970 bis 1990 um 20 bis zu 49 Prozent abgenommen hat. Ähnlich dramatisch sieht die Entwicklung in der Küstenregion Süd-Spaniens aus. Die Zahl der Niederschlagstage ging von 1964 bis 1993 um 50 Prozent zurück. Die Konsequenzen waren Dürre und Waldbrände. Innerhalb der letzten drei Jahrzehnte nahm die Zahl der Waldbrände um durchschnittlich 16 pro Jahr zu. Der Anteil der sehr trockenen Gebiete an der globalen Landoberfläche hat sich ab 1980 bis 2000 auf 30 Prozent erhöht. Noch 1950 bis 1980 lag der Anteil bei ca. sieben bis 15 Prozent. Der aus der Dürre resultierende Wassermangel sowie die Ernteverluste und Hungerskatastrophen stellen die gravierendsten Folgen dar. Darüber hinaus werden bestimmte Pflanzen- und Tierarten durch die veränderten klimatischen Gegebenheiten bedroht sein.

Fazit



Wetterextreme sind mit großen Opferzahlen und hohen Kosten für die Schadensbeseitigung verbunden. Die Wiederaufbaukosten nach dem Hurrikan Katrina werden auf ca. 200 Milliarden US-Dollar geschätzt. Die Dauer des Wiederaufbaus konnte auch Monate später noch nicht abgesehen werden.

Je stärker sich die klimatischen Veränderungen aufgrund der steigenden Durchschnittstemperatur abzeichnen werden, desto mehr werden auch die Wetterextreme und deren Folgen zunehmen. Es setzt eine Art sich selbstverstärkender Kreislauf ein, da z.B. Wälder durch Waldbrände als CO2-Senken verlorengehen und durch die Schneeschmelze die Albedo abnimmt und die Temperatur weiter steigt.

Literatur



Latif, Mojib (2007): Bringen wir das Klima aus dem Takt? Hintergründe und Prognosen, Fischer Taschbuch Verlag, Frankfurt am Main

Germanwatch (2008): Globaler Klimawandel: Ursachen, Folgen, Handlungsmöglichkeiten.


 

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