Der Mensch als Klimaveränderer
Mehr Menschen, mehr Flugzeuge, mehr Globalisierung, mehr Treibhausgase. Der Mensch trägt maßgeblich zur Erwärmung der Erde bei. Welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.Einführung
Der Mensch – das ist wissenschaftlich bewiesen – hat Einfluss auf die Erwärmung der Erde. Diesen Klimawandel nennt man anthropogenen Klimawandel, also vom Menschen beeinflusst. Maßgeblich ist dabei der vom Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre schuld. Die den Klimawandel am meisten forcierenden Gase sind Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O). Der Anstieg der oben genannten Gase steht im engen Zusammenhang mit der vor etwa 200 Jahren beginnenden Industrialisierung und den damit verbundenen wirtschaftlichen Veränderungen sowie der Nachfrage nach Energie und Ressourcen. Blickt man zurück in die vorindustrielle Zeit, war die Konzentration dieser Gase in der Atmosphäre wesentlich geringer. So lag der Anteil von Kohlendioxid bei 280ppm (parts per million), bis 2006 stieg die Konzentration auf 380ppm an. Der Anteil am anthropogenen Klimawandel liegt dabei etwa bei 55 Prozent.
Der Anstieg der Konzentration von CO2 (und anderer Treibhausgase) in der Atmosphäre verstärkt den natürlichen Treibhauseffekt, bei dem vereinfacht ausgedrückt einfallende Sonnenstrahlen absorbiert und in Wärme umgewandelt werden. Erhöht sich der CO2-Wert und der anderer Treibhausgase in der Erdatmosphäre, desto höher fällt die Absorption der einfallenden Sonneneinstrahlung aus. Gleichzeitig wird die Wärmeabstrahlung ins Weltall vermindert. Die Folge: Die Temperaturen auf der Erde steigen.
Die vom Menschen ausgehenden Ursachen des Klimawandels
Doch welche menschlichen Aktivitäten sind es genau, die Treibhausgase in die Atmosphäre freisetzen? Und welche Faktoren sind hauptverantwortlich, dass sich unser Klima verändert? Um diese Fragen zu beantworten, muss man mehrere Faktoren betrachten. Zu den wichtigsten gehören: der Verbrauch von Ressourcen und fossilen Energieträgern, die demographische Entwicklung, fortschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft und der technologische Fortschritt.
| Quellgruppe | 2006 / in % |
| Insgesamt | 100,0 |
| 1. Energie | 81,47 |
| A. Verbrennung fossiler Brennstoffe | 80,30 |
| Energiewirtschaft | 36,83 |
| Verarbeitendes Gewerbe | 10,19 |
| Verkehr | 16,12 |
| Übrige Feuerungsanlagen | 17,1 |
| davon Gewerbe, Handel, Dienstleistung | 4,59 |
| davon Haushalte | 11,77 |
| Militär und weitere kleine Quellen | 0,16 |
| B. Diffuse Emissionen aus Brennstoffen | 1,17 |
| 2. Industrieprozesse | 10,76 |
| 3. Lösemittel und andere Produktverwendung | 0,12 |
| 4. Landwirtschaft | 6,32 |
| 5. Landnutzung, -sänderung und Forstwirtschaft (nur N2O) | 0,04 |
| 6. Abfall | 1,29 |
| Quelle: UBA | |
Mehr Ressourcen- und Energieverbrauch, mehr CO2-Emissionen
Der Hauptverursacher der zur Erderwärmung beiträgt, ist der hohe und weiter steigende Verbrauch von Ressourcen und fossilen Energieträgern, die für alle menschlichen Aktivitäten benötigt werden. Bei der Energiegewinnung werden überwiegend fossile Energieträger, wie beispielsweise Erdöl, Erdgas und Kohle, verbrannt. Dadurch werden Treibhausgase freigesetzt. Der Anteil der fossilen Energieträger beträgt derzeit weltweit etwa 80 Prozent des Primärenergieverbrauchs. Jeder dieser Energieträger trägt somit durch die Verbrennung zur Erhöhung der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bei. Bei der Braunkohle zum Beispiel werden bei jedem verbrannten Kilogramm etwa drei Kilogramm CO2 freigesetzt. Ähnlich hoch ist die CO2-Freisetzung im Verkehr und in der Landwirtschaft. Jeder Liter Benzin, der verbrannt wird, erzeugt ca. 2,3 Kilogramm CO2. Bei der Herstellung von Nahrungsmitteln wird durch den Einsatz von Dünger Lachgas und bei der Viehzucht durch Verdauungsprozesse Methan an die Atmosphäre abgegeben. Die Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) geht davon aus, dass die Viehzucht für 18 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich ist. Ein weiterer Aspekt: die zunehmende Rodung von Waldflächen für den landwirtschaftlichen Anbau oder die Viehzucht. Im Zusammenhang mit dem Klimawandel haben Wälder jedoch einen hohen Stellenwert. Sie tragen grundsätzlich zur CO2-Speicherung und zur Senkung bei. Wälder entziehen der Atmosphäre große Mengen an Kohlendioxid und speichern es. Jedoch durch die Verrottung und Verbrennung von Bäumen wird der von ihnen gespeicherte Kohlenstoff in Form von Kohlendioxid wieder freigesetzt. Wachsende Wälder und neu angepflanzte Bäume dagegen entziehen der Atmosphäre mehr Kohlendioxid als sie an die Atmosphäre abgeben. Wälder sind somit ein wichtiges Element, um die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre zu senken.
Demographische Entwicklung
Im Jahr 1800 lebten etwa eine Milliarde Menschen auf unserem Planeten. Bis 1925 verdoppelte sich die Anzahl der Weltbevölkerung auf zwei Milliarden. Dieses rasche Bevölkerungswachstum hängt mit der industriellen Revolution zusammen. Durch den Einsatz von neuen Maschinen konnte die Agrarproduktion gesteigert werden und die Qualität der Nahrungsmittel nahm zu. 1960 zählte man bereits drei Milliarden, 1974 vier Milliarden Menschen und zur Jahrtausendwende betrug die Zahl der Weltbevölkerung sechs Milliarden. Laut den Prognosen der Vereinten Nationen werden bis zum Jahr 2050 neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Das heißt: Pro Jahr kommen weitere 78 Millionen Menschen dazu. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung nicht nur immens wächst, sondern dass auch die Bedürfnisse nach Konsum und der Wunsch nach Wohlstand steigen. Immer mehr Menschen verdienen mehr Geld. Sie bezeichnet man als "neue Konsumenten" oder "globale Konsumentenklasse". In China zum Beispiel soll bis 2025 eine Mittelschicht von mehr als 600 Mio. Verbrauchern heranwachsen. Deren Kaufkraft wird auf 2,3 Billionen US-Dollar geschätzt. Neben China verfügt auch in Brasilien, Russland und Indien (zusammen mit China als BRIC-Staaten bezeichnet) ein stetig zunehmender Teil der Bevölkerung über steigenden Wohlstand. In aller Regel werden westliche Konsum- und Lebensstile in diesen Ländern übernommen – damit einher geht der Kauf von Elektro- und Haushaltsgeräten und als direkte Folge zunehmender Stromverbrauch. Diese Entwicklung führt dazu, dass der Bedarf an Ressourcen und Energie sowohl bei der Produktion als auch bei der Nutzung weiter steigt. Und das heißt auch: Die damit in Verbindung stehenden Umwelt- und Klimabelastungen nehmen zu, und die Konzentration der Treibhausgase steigt.
Fortschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft
Die heutige Weltwirtschaft ist durch die Zunahme der weltweiten Handelsverflechtungen und wirtschaftlichen Interaktionen geprägt. Seit den 1950er Jahren steigt die Bedeutung des Außenhandels und der Weltwarenproduktion. So hat der Warenexport von 1950 bis 2004 um den Faktor 27,5 und die Weltwarenproduktion um den Faktor 7,8 zugenommen. Das gesamte Exportvolumen der Weltwirtschaft wird von 10.000 Mrd. ausgehend vom Jahr 2005 bis 2015 auf 17.700 Mrd. US-Dollar ansteigen. Transnationale Unternehmen sowie Privatpersonen verzeichnen heute Gewinne und Privatbesitz in der Höhe des Bruttoinlandsprodukts ganzer Nationen. Bis zum Jahr 2030 wird das Bruttoinlandsprodukt der Welt nach Prognosen um etwa 130 Prozent wachsen. Diese Prozesse werden heute allgemein unter dem Begriff Globalisierung zusammengefasst. Durch die Globalisierung steigt die Nachfrage nach Ressourcen und Energie, die zum Anstieg der Treibhausgase beitragen.
Die Zunahme der Handelsverflechtungen wurde begünstigt, indem die Infrastruktur verbessert wurde und neue Mobilitätsformen hinzukamen. Während früher Wege zu Fuß oder per Kutsche zurückgelegt wurden, ist das Fortbewegungsmittel des 21. Jahrhunderts im Personenverkehr das Flugzeug. In den nächsten Jahren wird sich dieser Trend sogar noch verstärken. Der Anteil des Flugverkehrs am gesamten anthropogenen Treibhauseffekt wird aktuell auf etwa neun Prozent geschätzt, die Tendenz ist stark steigend. Die Auswirkungen der Schadstoffe, die ein Flugzeug ausstößt, sind aufgrund der Flughöhen im Durchschnitt dreimal höher als die Abgase, die durch den Verkehr am Boden verursacht werden. Noch ist allerdings der Pkw-Verkehr der größte Klimaerwärmer. Innerhalb von acht Jahren von 1995 bis 2003 nahm weltweit die Anzahl der Pkws von 740 Milliarden auf 820 Milliarden zu, d.h. immer mehr Haushalte verfügen über ein Auto. In den Schwellenländern sind Autos ein Gewinn für die individuelle Fortbewegung und zudem wichtige Statussymbole für den neuen Wohlstand einer wachsenden Mittelschicht. Weltweit steigt aber nicht nur die Anzahl der Pkws, sondern auch die Anzahl der Wege, die damit mobil zurückgelegt werden, etwa zur Arbeit, aber auch für Freizeitaktivitäten. Schattenseite dieser Entwicklung sind die ansteigenden CO2-Emissionen.
Technologien und Innovationen
Mit Hilfe des technischen Fortschritts und Innovationen in allen Wirtschafts- und Lebensbereichen konnte in vielen Regionen und Ländern heute materieller Wohlstand erzielt und die Lebensbedingungen verbessert werden. Der Preis dieser Fortschritte waren immer auch steigende Umweltbelastungen. Viele Technologien wurden entwickelt, um die Arbeitsproduktivität zu steigern; Umweltschutz hatte insbesondere während der Frühphase der voranschreitenden Technologisierung und Industrialisierung eine untergeordnete Bedeutung. Auch heute werden während der meisten Produktions- und Prozessphasen kaum Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. Statt einer ressourceneffizienten Herstellung und Nutzung dominiert eine zum Teil sehr aufwendige Produktion unter hoher Ressourcen- und Energieaufwendung. Gleichzeitig werden die Phasen der Produktnutzung immer kürzer. Daraus resultiert die Bezeichnung der "Wegwerfgesellschaft" für die heutige Konsumgesellschaft. Kurz: Es werden Produkte mit hohem Energieaufwand hergestellt, aber nur geringe Zeit genutzt. Hoher Aufwand steht einer niedrigen Lebensdauer gegenüber.
Der technische Fortschritt und die Entwicklung von Innovationen haben jedoch nicht nur Nachteile. Sie bergen zudem viele Möglichkeiten, Umweltprobleme zu vermindern und zu lösen und damit dem Klimawandel vorzubeugen. So hat man beispielsweise Potenziale aufgedeckt, wie sich mit effizienten Techniken Energie sparen und mit erneuerbaren Energien (z.B. Windkraft, Sonnenenergie, Erdwärme) gewinnen lässt. Diese Potenziale werden bislang nur zu einem geringen Teil ausgeschöpft.
Fazit
Der Mensch ist für die derzeitige Klimaerwärmung und den damit in Zusammenhang stehenden Auswirkungen verantwortlich. Forscher und Wissenschaftler sehen jedoch mit Hilfe von Vorsorgestrategien und -maßnahmen sowie durch effiziente und nachhaltige Produktions- und Lebensstile die Chance, die Konsequenzen des Klimawandels abzuschwächen und das Klimaproblem zu lösen.
Literatur
Meyer, Bernd (2008): Wie muss die Wirtschaft umgebaut werden? Perspektiven einer nachhaltigeren Entwicklung, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
Münz, Rainer und Reiterer, Albert F. (2007): Wie schnell wächst die Zahl der Menschen? Weltbevölkerung und weltweite Migration, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
Steinfeld, H. et al. (2006): Livestock´s long shadow. Rom »www.virtualcentre.org«
Wager, Hermann-Josef (2007): Was sind die Energien des 21. Jahrhunderts? Der Wettlauf um die Lagerstätten, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main
weitere Inhalte:
- Bauen und Wohnen im 21. Jahrhundert
- Die Bedeutung der Meere im Klimawandel
- Energieverbrauch pro Kopf
- Gemeinsam Emissionen senken
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