Politiken für einen klimaschonenden Konsum
Die privaten Haushalte können ihre Treibhausgasemissionen erheblich verringern. Um bewusst klimafreundlich zu konsumieren, benötigen sie jedoch Unterstützung. Wo setzt die Politik an? Mit welchen Instrumenten fördert sie beim Privatverbraucher Konsummuster, die weniger Emissionen verursachen?
Wer seinen alten Kühlschrank gegen einen neuen eintauscht, kann nicht nur Energie sparen, sondern trägt auch zur Schonung des Klimas bei. (© AP)Einführung
Wer seinen alten Kühlschrank gegen einen neuen eintauscht, kann nicht nur Energie sparen, sondern trägt auch zur Schonung des Klimas bei.(Foto: AP)Private Haushalte tragen durch zunehmende Nachfrage nach ressourcen- und energieintensiven Gütern und Dienstleistungen dazu bei, dass die Treibhausgas-Emissionen hoch sind und weiter steigen. Nach Berechnungen des Umweltbundes- amtes lag ihr Anteil an den CO2-Emissionen in Deutschland 2004 bei fast 23 Prozent (Umweltökonomische Gesamtrechnungen). Nach einer Studie des Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) können die Verbraucher(innen) rund zwei Drittel ihrer Treibhausgas-Emissionen beeinflussen - über sparsamen Energieverbrauch, die Nutzung sauberer Energien, aber auch über die Kaufentscheidung und die Auswahl von Dienstleistungen. In der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie "Perspektiven für Deutschland" der Bundesregierung heißt es hierzu: "Allerdings ist ein solches Verbraucherverhalten kein Selbstläufer, sondern an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. Die wichtigste Voraussetzung ist eine klare und verständliche Information über die Eigenschaften des Produkts und seine Herstellung. "
Welche Rahmenbedingungen schafft die Politik, um klimafreundliche Konsummuster zu fördern? Welche Initiativen und Programme, welche Maßnahmen und Instrumente können auf der Nachfrageseite – also beim Verbraucher – helfen, die Treibhausgasemissionen zu senken?
Verschiedene Ansätze der Politik
Viele Politiken in Deutschland, die auf klimafreundlichen Konsum abzielen, haben ihren Ursprung auf EU-Ebene. Richtlinien, die von der Europäischen Union vorgegeben werden, setzt die Bundesregierung in nationale Gesetzgebung um, wie beim EU-Label für energiesparende Haushaltsgeräte und dem staatlichen Bio-Siegel für Produkte aus ökologischer Landwirtschaft. Laut Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung "brauchen wir eine aktive und aktivierende Verbraucherpolitik. Dies bedeutet transparente und verbindliche Standards für die Kennzeichnung der Produkte."
Am häufigsten setzt die Politik auf Information und Beratung. So stehen dem Verbraucher eine Reihe von Best Practice-Datenbanken und Internetportalen mit Energiespartipps zur Verfügung.
Eine weitere Möglichkeit sind marktwirtschaftliche Instrumente wie der Emissionshandel, der im Bereich der Industrie auf europäischer Ebene praktiziert wird. Beim privaten Konsum gibt es hierzu aber allenfalls Vorüberlegungen.
Gesetzliche Mindeststandards für Produkte stehen als angebotsseitiges Instrument, das auf die Hersteller fokussiert, nicht im Zentrum dieses Beitrags.
Energieeffizienz-Label
Nach Angaben der Initiative "EnergieEffizienz" der Deutschen Energie-Agentur gibt ein 4-Personen-Haushalt im Durchschnitt pro Jahr 900 Euro für den Stromverbrauch aus. Allein mit neuen effizienten Haushaltsgeräten, könnten diese Kosten um ca. 70 Euro gesenkt werden.
Nach einer Richtlinie der Europäischen Union müssen die meisten Haushaltsgroßgeräte seit 1998 mit dem EU-Energie-Label ausgezeichnet werden. Seit 2002 ist die deutsche Energie-Agentur (dena) als nationale Informations- und Koordinationsstelle für die Umsetzung der Richtlinie, die im Energieverbrauchskennzeichnungsgesetz (EnVKG) festgeschrieben ist, zuständig
Das europaweit einheitliche Etikett bietet Informationen über Energieverbrauch und je nach Gerät über zusätzliche Eigenschaften wie Leistung, Wasserverbrauch oder Lautstärke. Die Geräte sind in verschiedene Energieeffizienzklassen eingeteilt - von A (niedriger Energieverbrauch) bis G (sehr hoher Verbrauch). Das Label gilt in Deutschland für Kühl- und Gefriergeräte, Waschmaschinen, Wäschetrockner, Geschirrspüler, Elektrobacköfen und Raumklimageräte. Vorgesehen ist, auch Heizungspumpen, Wärmepumpen und Ölkessel mit in die Regelung aufzunehmen. Für Kühl- und Gefriergeräte gelten seit März 2004 die zwei neuen Energieeffizienzklassen A+ und A++, mit denen Produkte gekennzeichnet werden, die besonders wenig Strom verbrauchen.
Energy Star ist ein internationales freiwilliges Kennzeichnungs- programm, das zuerst 1992 in den USA eingeführt wurde und an dem die EU mittlerweile teilnimmt. Das "Energy Star"-Gütezeichen informiert über die Einhaltung einer Norm für energieeffiziente Bürogeräte (Computer, Monitore und bildgebende Geräte). Eine Datenbank stellt Modelle mit dem jeweils niedrigsten Stromverbrauch sowie die Normen für die verschiedenen Kategorien von Geräten vor. Es werden Hintergrundinformationen z.B. über den sparsamsten Betriebsmodus gegeben sowie weitere Vorteile energieeffizienter Geräte aufgezeigt.
Der Blaue Engel
Das Umweltzeichen "Der Blaue Engel" wurde 1978 durch das Bundesministerium des Innern und den für Umweltschutz zuständigen Ministerien der Länder ins Leben gerufen. Es zeichnet seither umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen nach definierten Kriterien aus. Es wird vom RAL Deutsches Institut für Gütesicherung und Kennzeichnung, der Jury Umweltzeichen, dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit und dem Umweltbundesamt vergeben. Bei einigen Produktgruppen besitzt eine Auszeichnung mit dem Blauen Engel auch Klimarelevanz, zum Beispiel bei Baustoffen und Tapeten aus Altglas und Altpapier, bei Computer und Bürogeräten sowie Produkten aus Recyclingpapier. Besonders Holzprodukte aus nachhaltiger Forstwirtschaft können eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen, da besonders eine nachhaltige Nutzung tropischer Wälder die Brandrodung oder Verfeuerung von Holz als Energieträger unattraktiver machen würde.
In Zukunft soll der Beitrag eines Produkts oder einer Dienstleistung zum Klimaschutz durch die eindeutige Botschaft "Schützt das Klima" im Logo herausgehoben werden.
Landwirtschaft und Ernährung - ein wichtiger Faktor für das Klima
Die Landwirtschaft trägt in erheblichem Maß zur Emission von Treibhausgasen bei - in Deutschland zu etwa 13 Prozent – genauso viel wie der Straßenverkehr. Durch einen Umstieg auf ökologische Bewirtschaftung könnten die Emissionen deutlich gesenkt werden, z.B. durch den Verzicht auf mineralischen, stickstoffhaltigen Dünger. Bei dessen Verwendung entsteht Lachgas, das 300 Mal klimawirksamer als CO2 ist.
Das Bio-Siegel
Seit 2001 gilt das staatliche Bio-Siegel, das inhaltsgleich mit dem damals bereits bestehenden EU-Kennzeichen ist. Erzeuger, Verarbeiter und Händler dürfen damit ihre Produkte kennzeichnen, wenn diese nach den EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau produziert und kontrolliert wurden. Zu den Kriterien gehören der Verzicht auf chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel, auf mineralischen Dünger und ein verminderter Energieverbrauch.
Das Bio-Siegel wird von einigen Bundesländern bzw. Regionen zusätzlich mit einer Garantie für regionale Erzeugung versehen. Es bürgt damit zusätzlich für einen verringerten Transportaufwand.
2001 startete das Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Ziele sind eine verbesserte Vermarktung von Bio-Produkten, die Entwicklung neuer Technologien sowie Aufklärung von Erzeugern, Händlern und Verbrauchern. Am Ende soll ein gleichgewichtiges Wachstum von Angebot und Nachfrage stehen.
Im Jahr 2007 wurden 5,1 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet, 2001 waren es noch unter 4 Prozent. (Daten: BMELV, Umweltökonomische Gesamtrechnungen) Ziel der Bundesregierung ist ein Anteil von 20 Prozent. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln steigt indes deutlich stärker an – der Einzelhandel verbuchte alleine 2006 einen Anstieg um ca. 16 Prozent.
Ratgeber und Information
Euro Topten
Die Europäische Kommission hat eine Reihe von Richtlinien ausgegeben, um Maßnahmen zur Energieeffzienz in nationale Gesetzgebungen zu integrieren. Das Programm "Intelligent Energy Europe" (IEE) lief 2007 an und soll Marktbarrieren für energieeffiziente Produkte im Wohnungs- und Dienstleistungssektor abbauen helfen.
Im Rahmen von "Intelligent Energy-Europe" wurde das "Euro Topten" Projekt gestartet, an dem mittlerweile etwa 20 Partner beteiligt sind. Auf nationalen Top Ten-Webseiten werden die besten Produkte aus verschiedenen Bereichen des privaten Konsums vorgestellt – ermittelt nach den Kriterien Energieeffizienz, Umwelt- und Gesundheitsverträglichkeit und Qualität.
In Deutschland gibt es zwei Partner von Euro-Topten – im Bereich der Haushaltsprodukte "Eco Top Ten", das vom Öko-Institus und dem Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) durchgeführt wird. Mehrere Bundesministerien förderten das Projekt bis 2007, seither wird es von der Bundesstiftung Umwelt unterstützt. "Eco Top Ten" bewertet Produkte des privaten Konsums im Hinblick auf Ökologie, Qualität und Preis. Die Umweltkriterien stützen sich auf bestehende Produktsiegel, zum Beispiel auf den Blauen Engel, das Bio-Siegel für Lebensmittel, die Strom-Label "ok-Power" oder "Grüner Strom-Label".
Der zweite Partner von "Euro Top Ten" in Deutschland "Office-Topten" soll Verbrauchern als Auswahlhilfe für die energieeffizientesten Bürogeräte dienen, wobei die Kriterien sich am Energy Star-Programm orientieren.
Weitere Angebote
Konsumenten können ihre C02-Bilanz erheblich beeinflussen (Grafik: Wuppertal Institut 2006) (© Grafik: Wuppertal Institut 2006
)Dabei werden auch schwierige Fragen aufgegriffen wie z.B.: Sind Bio-Lebensmittel aus dem Ausland ökologisch besser als konventionelle aus der Region?
Die Deutsche Energie-Agentur (dena) wurde im Jahr 2000 gegründet. Gesellschafter sind die Bundesrepublik Deutschland, die KfW Bankengruppe und Finanz-Dienstleistungsunternehmen.
Gemeinsam von der dena und Unternehmen der Energiewirtschaft - gefördert durch das BMWI – wird die "Initiative EnergieEffizienz". Sie organisiert zum Beispiel die Kampagne "Effiziente Stromnutzung in privaten Haushalten" die zum Ziel hat, private Endverbraucher zum energieeffizienten Handeln zu motivieren und über Handlungsoptionen zu informieren. Auf der Seite Stromeffizienz kann der eigene Verbrauch errechnet sowie Minderungsmöglichkeiten ausgemacht werden. Zudem werden Topgeräte für Haushalt, Büro und Unterhaltungselektronik aufgelistet. Das Onlineportal Thema-Energie bietet eine Datenbank über Energieberater, Fördermittel sowie eine kostenlose Hotline, bei der Experten Fragen unter anderem zur effizienten Energienutzung beantworten.
Auch die Energieagenturen der Länder sowie die Stadtwerke als kommunale Unternehmen bieten Beratung und Information, z.B. zum Sparen von Strom- und Heizwärme im Haushalt sowie Datenbanken über die sparsamsten Haushaltsgeräte.
Die Verbraucherzentralen der Bundesländer werden unter anderem durch öffentliche Mittel der Länder und Projektmittel des Bundes gefördert. Sie beraten in rund 200 Stellen bundesweit und bieten unter anderem einen persönlichen Energie-Check an.
Das Umweltbundesamt bietet online einen Ratgeber für die Anschaffung passender energiesparender Anwendungen in den Bereichen Elektrogeräte, Pumpen, Thermostat, usw. Der CO2-Rechner hilft dem Nutzer, seinen persönlichen CO2-Ausstoß pro Jahr zu errechnen.
Die Kampagne "Klima sucht Schutz" wird vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert. Sie bietet zum Beispiel Ratgeber zu individuellen Kosten und Einsparmöglichkeiten, wie den "HeizCheck" oder den "Lampenratgeber" sowie Best Practice-Ratgeber für unterschiedliche Produktkategorien. Wissenschaftler beantworten im "Klima-Orakel" Fragen zum Klimawandel, zu Energiesparen und zum CO2-Ausstoß.
Andere Ansätze
Im Bereich Verkehr und Mobilität setzt die Politik Instrumente wie die Ökologische Steuerreform der Bundesregierung oder – EU-weit – Obergrenzen beim CO2-Ausstoß ein.
Ausblick
Im Auftrag von Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt hat ein Konsortium unter Leitung des Öko-Instituts in Deutschland die Möglichkeit einer einheitlichen Ermittlung von Treibhausgasemissionen untersucht, die mit der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Waren und Dienstleistungen einhergehen – den so genannten Product Carbon Footprint (PCF). Ziel ist, neben Aufklärung für Verbraucher(inn)en, Empfehlungen an Hersteller und Handelsfirmen zur Verbesserung der Treibhausgasintensität ihrer Waren und Dienstleistungen zu geben und damit Reduktionspotenziale zu erschließen. Laut einem Erfahrungsbericht aus dem Pilotprojekt fehlen bisher einheitliche internationale Standards zur Erfassung des PCF. Ob Verbraucher(innen) ein solches Label nutzen würden, hänge zudem davon ab, ob Verständlichkeit, Vergleichbarkeit und Transparenz gewährleistet sind.
Ein mögliches marktwirtschaftliches Instrument ist die Übertragung des Emissionshandels auf Privatleute. Das Prinzip sieht vor, Freibeträge zur Emission von CO2 an Privatpersonen zu verteilen. Personen, die mehr als die ihnen zugeteilten Mengen emittieren, können von anderen nicht verbrauchte Emissionsrechte kaufen. Der Handel mit den Rechten würde auf einer eigens hierfür eingerichteten Börse geschehen. Emissionssparsame Haushalte könnten bei entsprechender Nachfrage durch den Verkauf nicht genutzter Emissionsrechte verdienen.
Bisher ist dieses Instrument in Deutschland politisch umstritten und spielt keine ernsthafte Rolle in den Planungen. Problematisch hierbei sind die Frage der Erhebungspraxis und der Berücksichtigung von individuellen Lebensumständen die beispielsweise einen stärkeren Verkehraufwand notwendig machen.
Fazit
Es bleibt abzuwarten, inwieweit der Verbraucher angesichts gewohnter Konsummuster bereit ist, sein Kaufverhalten im Hinblick auf geringere Klimawirksamkeit umzustellen. Höhere Anschaffungskosten und – wie im Fall energieeffizienter Haushaltsgeräte – eine lange Amortisationsdauer, aber auch aufwendige Recherchen bei einer Vielzahl von Informationsangeboten stellen häufig Hindernisse dar.
Untersuchungen zum Umweltverhalten von Lebensstilgruppen haben ergeben, dass gerade diejenigen Gruppen mit der besten Bildung und einem ausgeprägten Umweltbewusstsein oft den höchsten Ressourcenverbrauch haben. Es gibt offensichtlich beim Konsumenten einen tiefen Graben zwischen Wissen – um die Auswirkungen des eigenen Konsumverhaltens – und Handeln – beim Einkauf. Ob dieser durch weitere Informations- und Beratungsangebote sowie Kennzeichnung von Produkten überwunden werden kann, ist fraglich. Die Politik kommt vermutlich, will sie die Potenziale bei der Senkung der Treibhausgasemissionen im Bereich des privaten Konsums ausschöpfen, nicht ohne gesetzliche Vorgaben und Standards aus.
Links
»Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung im Internet«
»Das EU-Energie-Label auf der Internetseite der Initiative EnergieEffizienz«
»Das Energy Star-Programm«
»Informationen zum staatlichen Bio-Siegel«
»Internetseite des Projekts "Eco Top Ten" des Öko-Institut«
»Die Initiative EnergieEffizienz der deutschen Energie Agentur«
»Internetseite des Projekts "Product Carbon Footprint"«
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