Afrika
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Ein Kontinent im Umbruch

Afrika vom 7. bis zum 16. Jahrhundert


5.12.2005

Einleitung[1]



Afrika stand im siebten Jahrhundert vor einer historischen Wende. Zum einen wandte sich Nordafrika dem Islam zu und distanzierte sich damit von der europäischen Welt, deren integraler Bestandteil es seit der Antike gewesen war. Ebenfalls in diesem Jahrhundert erkundeten arabische Geografen, Historiker und Abenteurer das subsaharische Afrika und berichteten in ihren Schriften von den soziopolitischen und ökonomischen Errungenschaften der afrikanischen Gesellschaften. Der Transsahara-Handel begann zu florieren und brachte einen Austausch der Kulturen mit sich.

Bis zu diesem Zeitpunkt war das subsaharische Afrika den Völkern des Nordens aus verschiedenen Gründen nahezu unbekannt gewesen und seine Entwicklungen fanden isoliert von den Ereignissen in Nordafrika und Europa statt. Ursächlich dafür war auch die besondere geologische Beschaffenheit des Kontinents, seine augenfällige Massivität und seine starke, klimatisch bedingte Gliederung. Hierfür bietet die Sahara die eindrucksvollste Illustration: die größte Wüste der Welt bildet eine natürliche Barriere, die einen wechselseitigen Kontakt zwischen den Nordafrikanern und den subsaharischen Völkern über Jahrhunderte beträchtlich erschwert hat. Dass die Gesellschaften südlich der Sahara orale Kulturen waren, trug ebenfalls dazu bei, dass sie kaum mit der Außenwelt in Kontakt traten und dass von ihnen dort nur eine unbestimmte Vorstellung existierte.

Eine einseitige Geschichtsschreibung



Das Fehlen von Schriftzeugnissen aus afrikanischen Kulturen hat über lange Zeit zu Verzerrungen in der Wahrnehmung des Kontinents geführt und eine objektive Erforschung seiner Geschichte verhindert. Der von Historikern über lange Zeit verfolgte Ansatz, Geschichtsforschung allein auf der Basis von schriftlichen Quellen zu betreiben, wertete die afrikanischen mündlichen Überlieferungen ab; weshalb sie von der Wissenschaft auch vernachlässigt wurden. Die Darstellung der Geschichte des Kontinents stützte sich auf auswärtige, vor allem antike, arabische und westliche Quellen und beschränkte sich damit auf fragmentarische Blicke von außen auf die afrikanischen Völker.

Durch diese über Jahrhunderte bestehende Ignoranz gingen wertvolle Zeitzeugnisse verloren, an deren Stelle Mythen, Vorurteile und vorgefasste Postulate traten, die selbst von bedeutenden Mitgliedern der wissenschaftlichen Gemeinschaft verteidigt wurden und die lange zur Geringschätzung und Ausgrenzung eines ganzen Kontinents beitrugen. Als Beispiel hierfür mag Hegel dienen, für den Afrika als ein geschichtsloser Kontinent galt oder auch Coupland, Autor eines Handbuchs über die ostafrikanische Geschichte, die er mit den europäischen Erkundungsreisen im 19. Jahrhundert beginnen ließ. Schließlich gestand man Afrika nicht zu, eigenständige Kulturen hervorgebracht zu haben, in Folge wurden alle technologischen Innovationen oder staatlichen Organisationsformen auf äußere Einflüsse zurückgeführt.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts haben sich die Auffassungen ebenso wie die methodologischen Prämissen jedoch geändert und zu einer Revision und Umschreibung der afrikanischen Geschichte geführt. Inzwischen werden auch die in Afrika entwickelten Memotechniken als historische Quellen akzeptiert und afrikanische Perspektiven sowie die Erkenntnisse ergänzender Disziplinen berücksichtigt.


Fußnoten

1.
Die beschriebene zeitliche Periode entspricht weitgehend der des europäischen Mittelalters, also dem Zeitraum zwischen der römischen Epoche und der Neuzeit mit ihren technologischen, geographischen und ideologischen Errungenschaften. Da dieser Begriff anhand historischer Begebenheiten in Europa definiert wird und die Geschichte Afrikas ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten folgte, kann er streng genommen auf letztere keine Anwendung finden. Eine eigene Periodisierung gibt es im Hinblick auf Afrika nicht für diese Epoche. Ein Grund dafür mag die große Diversität der gesellschaftlichen Entwicklungen auf dem afrikanischen Kontinent sein, die eine Unterordnung unter einen einheitlichen zeitlichen Begriff schwierig gestaltet. Die Frage eines eigenen Terminus wurde außerdem bisher noch nicht ausreichend thematisiert; viele der afrikanischen Historiker wurden in Europa ausgebildet und übernehmen die dortige Periodisierung teils auch kritiklos.

 

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