Afrika

5.12.2005 | Von:
Denise Badini
Andrea Reikat

Ein Kontinent im Umbruch

Afrika vom 7. bis zum 16. Jahrhundert

Historische Entwicklungen

Wie auch in Europa haben sich in Afrika nicht alle Regionen mit der gleichen Geschwindigkeit und im gleichen Rhythmus entwickelt, ebenso wie sie nicht alle in demselben Maße externen Einflüssen unterstanden. Betrachten wir also die verschiedenen Regionen im einzelnen:

Nordafrika

Bereits seit der Antike in den Mittelmeerraum integriert, vermischte sich die Geschichte Nordafrikas über lange Zeit hinweg mit der Geschichte der europäischen und vorderasiatischen Mittelmeervölker. Griechisch oder römisch geprägte Zivilisationen haben sich auch im Norden Afrikas zur Blüte entfaltet.

Mit der islamischen Eroberung erlebte die Region einschneidende Veränderungen ihrer politischen und sozialen Strukturen ebenso wie ihrer kulturellen, religiösen und ethnischen Gefüge. Anfang des siebten Jahrhunderts war Nordafrika noch byzantinisch geprägt gewesen. Nach dem Sieg der Araber über die byzantinischen Armeen in Syrien im Jahr 636 begann die arabische Eroberung Nordafrikas in Ägypten, wo der Vertrag von Alexandria im Jahr 641 zwischen Amr Ibn al As, einem Gefährten des Propheten Mohamed, und dem Patriarchen Cyrus, dem letzten byzantinischen Gouverneur Ägyptens, die weitere Expansion nach Westen einleitete. Diese sollte ein halbes Jahrhundert (642-711) andauern. Die in Nordafrika lebenden Berber akzeptieren die mit der Eroberung einhergehende Islamisierung im Allgemeinen recht leicht, wenn sie auch zugleich eine Arabisierung der gesamten Region mit sich brachte. Kleinere Revolten richteten sich allein gegen einzelne politische Führer. In den folgenden zehn Jahrhunderten wendete sich Nordafrika von der christlichen Welt ab und dem islamischen Orient zu.

Nordost-Afrika

Im Mittelalter wurde der Nordosten Afrikas von zwei alten Staatenkomplexen geprägt, den nubischen und äthiopischen Königreichen. In Nubien entstanden im vierten Jahrhundert aus der Zersplitterung des antiken Reiches von Meroe drei Königreiche, das Reich Nobadia im Norden mit Ballana und ab 543 Faras als Hauptstadt, das Reich Makuria südlich von Nobadia mit der Hauptstadt Dongola und - weniger bekannt – das Reich Alwa oder Alodia mit der Hauptstadt Soba. Diese drei Staaten waren ab dem sechsten Jahrhundert christianisiert. Sie folgten zunächst dem Christentum orthodoxer Prägung, bevor sie sich in der Zeit nach der Eroberung Ägyptens durch die Araber der koptischen Lehre öffneten.

Zwischen 650 und 710 vereinigten sich Nobadia und Makuria zu einem einzigen Königreich, in dem das Christentum zur Staatsreligion erklärt wurde. Die Eroberung Ägyptens 641 durch die Araber brachte auch Nubien in Kontakt mit dem Islam, aber die Eroberungsversuche der ägyptischen Moslems in den Jahren 651 und 652 scheiterten am Widerstand der Nubier. Am Ende der religiösen Machtkämpfe stand ein Nichtangriffspakt, der baqt, in dem Ägypten die Unabhängigkeit Nubiens anerkannte und im Gegenzug einen jährlichen Tribut an Sklaven zugesprochen bekam. Diese Vereinbarung behielt die folgenden sechs Jahrhunderte ihre Gültigkeit. Nubien konnte sich nun voll entfalten. Vom Ende des achten bis zum neunten Jahrhundert erfuhren die nubischen Reiche einen ständigen Aufschwung, der sich vor allem in der Entwicklung ihrer Städte widerspiegelte. Ab dem zwölften Jahrhundert verschlechterten sich jedoch die Beziehungen zwischen Nubien und Ägypten zunehmend und die Region verlor an wirtschaftlicher und politischer Bedeutung. Zur gleichen Zeit bevölkerten verstärkt arabische Nomaden das Gebiet des heutigen Ostsudans. Sie führten schließlich die nubischen Königreiche zwischen 1350 und 1504 in den Schoß des Islam.

In Äthiopien erfuhr im siebten Jahrhundert das Königreich von Aksum nach einer langen, strahlenden Periode schwierige Zeiten. Obwohl Äthiopien seit dem dritten Jahrhundert christianisiert war, gestalteten sich seine Beziehungen zum Islam von Anfang an weitgehend harmonisch; so dass sich einige Gefährten des Propheten Mohamed ab 615 sogar in den Landstrich flüchteten, um einer Verfolgung ihrer Gegner aus Mekka zu entgehen. Im achten Jahrhundert begannen sich die äthiopischen Könige jedoch gegen die islamische Expansion zur Wehr zu setzen. Zu diesem Zeitpunkt war das Reich bereits vollkommen von Muslimen eingekreist, im Norden von den ägyptischen Muslimen und vor allen Dingen im Osten, wo die Araber auf dem Roten Meer immer stärker die Seefahrt dominierten und bis an die äthiopische Küste vordrangen. Erst im 13. Jahrhundert konnte sich Äthiopien dank innenpolitischer Reformen unter den Herrschern der großen salomonischen Dynastie (1270-1527) erfolgreich gegen die islamischen Eroberungen zur Wehr setzen.

Die ostafrikanische Küste

Mit der Islamisierung Indiens wurden die Araber auch zu den Beherrschern des Indischen Ozeans und entwickelten sich zu Mittlern zwischen der afrikanischen und der asiatischen Welt. In den ostafrikanischen Handelsstädten Mogadischu, Kilwa, Sansibar, Pate, Mombasa und Sofala entwickelte sich aus dem Zusammentreffen afrikanischer, malaiischer, indonesischer, indischer und arabischer Einflüsse die suahelische Kultur. Städtisch und vom Handel geprägt, ist diese bis heute in der islamischen Religion verankert. Ihre Sprache verbindet Bantuelemente mit arabischen und iranischen Wörtern und hat eine Schrift auf der Basis arabischer Zeichen entwickelt.


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