Afrika
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Multikulturelle Gesellschaften


5.12.2005
Im europäischen Kontext wird Multikulturalität vor allem mit Migration in Verbindung gebracht. Per Definition gelten als multikulturelle Gesellschaften Nationalstaaten mit einem aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen bestehenden Staatsvolk.

Tuareg zieht durch die WüsteTuareg zieht durch die Wüste (© Mathieu Dervin)

Einleitung



Im europäischen Kontext wird Multikulturalität vor allem mit Migration in Verbindung gebracht. Per Definition gelten als multikulturelle Gesellschaften Nationalstaaten mit einem aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen bestehenden Staatsvolk, dessen Identität durch eine einheitliche Sprache sowie durch homogene Kulturen und Traditionen gekennzeichnet ist. Dem Staatsvolk werden Menschen unterschiedlicher Herkunft oder Hautfarbe, mit anderen Denk- und Lebensstilen oder Einstellungen zu bestimmten ethischen und moralischen Werten gegenübergestellt, die als Migranten oder Ausländer kategorisiert werden.

Allgemein stellen die zugewanderten Menschen stets eine kulturelle, ökonomische und politische Herausforderung für ihr Gastland dar, welches sich aus humanitären Gründen verpflichtet fühlt, den Migranten die Integration in ihre neue Gesellschaft zu erleichtern. Die Ausländer ihrerseits kommen mit der Erwartung, Toleranz, Respekt und Verständnis für ihre Lebensweisen und mitgebrachten Gebräuche bei den Einheimischen zu finden. Doch aufgrund der zunehmenden sozialen Probleme, oft auch durch eine hohe Arbeitslosigkeit bedingt, kommt es insbesondere in Großstädten nicht selten zur Herausbildung von so genannten parallelen Gesellschaften, die viele Staaten heute weitgehend überfordern.

In Afrika stellt sich die Situation anders dar. Zwar weisen die afrikanischen Staaten multikulturelle Verhältnisse auf. Doch der afrikanische Multikulturalismus ist nicht aus der exogenen Migration, sondern überwiegend aus einer endogenen ethnischen Zusammensetzung entstanden.[1]

Im Gegensatz zu den ehemaligen Vielvölkerstaaten Osteuropas, zum Beispiel Jugoslawien und der Sowjetunion, die aus verschiedenen Nationalstaaten hervorgingen, sind die gegenwärtigen Staaten Afrikas mit der Ausnahme Äthiopiens künstliche, auf die Teilung des Kontinents durch die europäischen Kolonialmächte zurückgehende Staatsgebilde, die aus einer Pluralität von Völkern mit jeweils eigenen Sprachen bestehen. Ohne Berücksichtigung dieser historischen Gegebenheit lässt sich das Begriffspaar multikulturelle Gesellschaft, wie man es in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen gebraucht, nicht auf Afrika anwenden.


Fußnoten

1.
Auf der Berliner-Kongo-Konferenz vom 15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885 einigten sich die Vertreter von zwölf europäischen Staaten, der USA und dem Osmanischen Reich über die Regeln für die Aufteilung Afrikas. Danach hatte jeder der Staaten das Recht zum Erwerb eines afrikanischen Gebietes, sobald er dieses erschlossen und besetzt hatte. Hatte ein Staat bereits Küstenniederlassungen in Afrika, war er berechtigt, sein Gebiet soweit ins Landesinnere auszudehnen, bis er an die Grenzen einer anderen Nation stieß. Bei der Bildung von Kolonien wurde auf die Zusammensetzung der Völker Afrikas keine Rücksicht genommen.

 

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