Gesellschaftlicher Wandlungsprozess
20.5.2005
Auszug aus:
Informationen zur politischen Bildung (Heft 264) - Gesellschaftlicher Wandlungsprozess
Soziale und wirtschaftliche Entwicklung
Afrika südlich der Sahara ist die Region, die nach allen wirtschaftlichen und sozialen Indikatoren weit hinter andere Weltregionen zurückfällt. In den vergangenen 20 Jahren überstieg das jährliche Wirtschaftswachstum in den meisten Ländern der Region kaum das Bevölkerungswachstum. Die Folge war in vielen Fällen eine Stagnation, in einigen gar ein Rückgang des Pro-Kopf-Einkommens. Die meisten Volkswirtschaften Afrikas hängen wie schon in der Kolonialzeit vom Export landwirtschaftlicher und mineralischer Rohstoffe ab, die großen Preisschwankungen unterliegen. Industrielle Entwicklung hat nur ansatzweise stattgefunden.
Die durchschnittliche Lebenserwartung ist mit circa 50 Jahren nach wie vor gering, die Kindersterblichkeit noch immer außerordentlich hoch, ebenso wie die Analphabetenrate. Der von der UNDP (United Nations Development Programme) erstellte Index für menschliche Entwicklung (Human Development Index, HDI) weist für Afrika südlich der Sahara im Vergleich zu anderen Ländern den geringsten Durchschnittswert auf. Der Großteil der am wenigsten entwickelten Länder der Welt befindet sich in dieser Region.
Afrika ist ein Kontinent gescheiterter Entwicklungsstrategien, die nicht nur überehrgeizigen Plänen afrikanischer Politiker entsprangen, sondern auch den Rezeptbüchern westlicher Entwicklungstheoretiker. Die formelle Wirtschaft liegt darnieder. Um so mehr Afrikanerinnen und Afrikaner suchen ihr Auskommen im sogenannten informellen Sektor, für den sich mehr und mehr der Begriff Kleingewerbe durchgesetzt hat. Es ist nicht nur von großer wirtschaftlicher Bedeutung. In ihm äußert sich auch der große gesellschaftliche Wandel, der wiederum vor allem Folge von Verstädterung und Alphabetisierung ist. Denn trotz der insgesamt ernüchternden Bilanz afrikanischer Entwicklungsanstrengungen sind doch erhebliche Aufbauleistungen im Bildungswesen zu verzeichnen.
Die Ausweitung des Gesundheitswesens führte zu einem wesentlichen Ansteigen der Lebenserwartung und zur Reduzierung der Kindersterblichkeit. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung und des Zwanges zu Sparmaßnahmen im Staatshaushalt sind aber diese Erfolge gefährdet. Afrikanische Politiker setzen in der Regel den Rotstift als erstes bei den Sozialausgaben an. Dies dürfte gesellschaftliche Konflikte verschärfen, die stets mit sozialem Wandel einhergehen. Wachsende Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit von Jugendlichen sowie das Anwachsen der städtischen Slums und der Gewaltkriminalität sind die Schattenseiten dieses Wandels.
Für viele Ökonomen und auch eine wachsende Zahl von afrikanischen Politikern wird immer deutlicher, daß kaum eines der afrikanischen Länder für sich allein die Kraft besitzt, diese Probleme zu lösen, die notwendige wirtschaftliche Entwicklung einzuleiten und im internationalen Wettbewerb der Investitionsstandorte zu bestehen. Immer stärker wird daher der Ruf nach regionaler Zusammenarbeit und Integration nach dem Muster der Europäischen Union. Bisher haben jedoch vor allem nationale Eifersüchteleien, unzureichende Infrastruktur und eine geringe Produktvielfalt der einzelnen Volkswirtschaften ein Zusammenwachsen afrikanischer Regionen verhindert.
weitere Inhalte:
- Beziehungen Afrikas zu Europa und den USA
- Brennpunkte
- Das urbane Millenium
- Dhaka
- Die Aids-Pandemie in Sub-Sahara-Afrika
- Die EU als internationaler Akteur in Afrika
- Es kommt auf die soziale Integration an – in allen Städten
- Global Cities – Urbane Zentren der Weltwirtschaft
- In den Slums entstehen dörfliche Strukturen
- Lagos
- Mega-Urbanisierung: Chancen und Risiken
- Nigeria, der volkreichste Staat des Kontinents
- Sterben lassen
- Umwelt
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