Afrika

20.5.2005 | Von:

Gesellschaftlicher Wandlungsprozess

Kriminalität

Mit der Verschlechterung der Lebensverhältnisse und dem raschen Anwachsen der Städte hat sich das Phänomen der Gewaltkriminalität stark entwickelt. Vor allem die größten Städte des Kontinents – Lagos, Abidjan, Kinshasa, Luanda, Nairobi, Johannesburg – weisen ein hohes Kriminalitätsniveau auf. Diese Alltagskriminalität ist besonders für die Bewohner der einfachen Viertel ein erheblicher Streßfaktor, führt sie doch zu einer Art Leben im Belagerungszustand. Nächtliches Zuhausebleiben und die organisierte Bewachung von Häusern und ganzen Vierteln durch ihre Bewohner sind in diesen Städten alltägliche Lebensrealität. Diese Tendenz hat sich durch die rapide Zunahme von Waffen in der Folge der Bürgerkriege des Kontinents in den letzten Jahren erheblich verschärft.

Ein anderer, die Lage in den Großstädten zuspitzender Faktor ist die wachsende Verbreitung von harten Drogen. War Afrika zunächst nur als Transitgebiet für den internationalen Drogenhandel interessant gewesen (über Ostafrika aus Asien, über Nigeria und Westafrika aus Lateinamerika), so läßt sich in den letzten Jahren feststellen, daß einerseits afrikanische Drogenhändler (oft genug unter stillschweigender Komplizenschaft korrupter Staats- und Sicherheitsapparate) in den vergangenen Jahren massiv in den internationalen Rauschgifthandel eingestiegen sind. Dies gilt vor allem für nigerianische Banden, die heute bereits ein Fünftel des Heroinmarkts in New York kontrollieren sollen und den südafrikanischen Markt weitgehend unter sich aufgeteilt haben. Auf der anderen Seite sind harte Drogen – vor allem Heroin und seine Derivate – auch in den Großstädten Afrikas zunehmend verbreitet. Die beobachtbare Brutalisierung im Vorgehen der Kriminellen dürfte auch damit zusammenhängen.

Die Ordnungskräfte spielen bei der Bekämpfung der Kriminalität oft eine zwiespältige Rolle. Schlecht ausgebildet, kaum bezahlt, mangelhaft ausgestattet, sind sie in mancher Hinsicht sogar Teil des Unsicherheitsproblems: Nicht wenige der Gewalttaten werden mit "ausgeliehenen" Polizeiwaffen verübt.

Eine ähnliche, wenn auch weniger dramatische Entwicklung von Gewaltkriminalität läßt sich im ländlichen Raum feststellen. Hier ist vor allem die rapide Zunahme von organisierten Überfällen entlang der Überlandstraßen zu nennen. Transporte zwischen einzelnen städtischen Zentren können in einigen Teilen Afrikas nur unter erheblichen Sicherheitsmaßnahmen durchgeführt werden. Das Gewaltmonopol des Staates hat in diesen Randgebieten der Staaten Afrikas schon lange kaum eine Bedeutung mehr. Allerdings kann auch festgestellt werden, daß die Rückkehr der groß angelegten Straßenkriminalität dort, wo von den nationalen oder regionalen Sicherheitsbehörden ernsthafte Sicherheitsanstrengungen unternommen wurden, relativ rasch unterbunden werden konnte.


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