Afrika
Pfeil links 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts

Die afrikanische Familie

5.12.2005

Die Großfamilie



Die traditionelle afrikanische Großfamilie ist der Mittelpunkt der Gesellschaft und eine ideale Schule zur Vorbereitung auf eine soziale Verantwortung innerhalb der Gemeinschaft. Hier werden Sozialfälle abgefangen und moralische Werte vermittelt. Der Einzelne identifiziert sich über die Familie als die für ihn wichtigste Institution. So entstehen Verbindlichkeiten und ein Verantwortungsgefühl für die Familie und die Gemeinschaft im weiteren Sinne. Diese lebenslange Wechselbeziehung bestimmt das private sowie das öffentliche Leben bis in die Bereiche der Politik und Wirtschaft hinein. So kann auch durchaus ungewollt und unbeabsichtigt ein System der Vetternwirtschaft als eine falsch verstandene Solidarität entstehen.

Eheschließung



FrauentagsfeierFrauentagsfeier (© Adelheid Hahmann)
In der traditionellen Gesellschaft und heute noch in ländlichen Gebieten ist es üblich, dass die eheliche Verbindung zweier Menschen durch die Verwandtschaft ausgehandelt wird. Die Ehe gilt hier nicht als Allianz zwischen zwei Personen, sondern zwischen zwei Gruppen etwa gemeinsamer Vorfahren bzw. zwischen Volksgruppen; und die Exogamie [Heiratsordnung, Anm.d. Red.] ist die Regel. Diese Allianzen symbolisieren die Fortsetzung der Gemeinschaft.

Der Bräutigam muss der Familie seiner Braut für die entzogene Arbeitskraft einen Brautpreis zahlen, meist in Form von Naturalien wie Rindern oder in Arbeitstagen, die er selbst auf den Feldern der Familie leistet. Diese Arbeit hat einen symbolischen Wert als Friedenszeichen für die zukünftig verschwägerten Familien. Der Brautpreis kann auch als eine Ablösung für die geleistete Erziehung der Töchter verstanden werden und dient in den Fällen einer Trennung, unter anderem durch Scheidung, für den Unterhalt der Frau, die fast immer zu ihrer Familie zurückkehrt.

Wenn allerdings einige westliche Autoren die Ehe in afrikanischen Gesellschaften einseitig als eine rein zweckmäßige Verbindung zweier Familien darstellen, zeugt das von einer eher eurozentrischen Sichtweise. Es existieren verschiedene Formen des Ehelebens. Prinzipiell muss die Braut auch gefragt werden, ob sie in die Ehe einwilligt. Sicherlich werden dort, wo Not am dringendsten ist, die eigenen Werte nicht immer respektiert und eine Zustimmung der Brautleute mag sachlichen Zwängen unterliegen.

Auch wenn in zunehmendem Maße die jungen Leute selbst entscheiden können, wen sie heiraten, beobachtet man heutzutage einen Rückzug in die arrangierte Ehe. Paradoxerweise spielt sich dieses Phänomen in allen Schichten ab. Nachdem die Scheidungsziffern in den vergangenen Jahren dramatisch explodiert sind, ist selbst im städtischen Milieu und in den oberen Kreisen der Gesellschaft eine freiwillige Rückkehr zur arrangierten Ehe zu verzeichnen, da diese angeblich eine größere Stabilität bietet.

Pfeil links 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 Pfeil rechts
Alles auf einer Seite lesen


 

Mediathek

Der afrikanische Kontinent

Afrika ist eng mit anderen Teilen der Welt verbunden, im Hinblick auf seine Geschichte, auf frühere Migrationen und auf die heutige Wirtschaft. Weiter... 

Dossier

Afrikanische Diaspora in Deutschland

In Texten und Bildern spiegelt dieses Dossier eine eigenständige Schwarze Geschichte wider, die einen integralen Bestandteil der deutschen Vergangenheit und Gegenwart darstellt. Weiter... 

Dossier

Innerstaatliche Konflikte

Vom Kosovo nach Kolumbien, von Somalia nach Süd-Thailand: Weltweit schwelen über 280 politische Konflikte. Und immer wieder droht die Lage gewaltsam zu eskalieren. Weiter... 

kinofenster.de-Logo

Kinofenster.de: Nirgendwo in Afrika

Eine Farm im Nordosten Kenias im Jahre 1938. Die aus Deutschland von den Nazis vertriebene Jüdin Jettel Redlich steht vor der unscheinbaren Wellblechfarm ihres Mannes. Kinofenster.de bietet passende filmpädagogische Begleitmaterialien für den Schulunterricht. Weiter... 

zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10-12 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.