Afrika

20.5.2005 | Von:
Roman Loimeier

Der Islam im subsaharischen Afrika

Der Islam in Afrika stellt sich wie in anderen islamischen Ländern auch als ein facettenreiches Gebilde dar. Diese Vielfalt ist bis heute erhalten geblieben.


Auszug aus:
Aus Politik und Zeitgeschichte (B 37/2003) - Der Islam im subsaharischen Afrika

Einleitung

Die muslimischen Gesellschaften Afrikas bilden weder historisch noch gegenwärtig eine Einheit. Vielmehr zeichnen sie sich durch ihre unterschiedlichen historischen Erfahrungen, ihre unterschiedliche regionalgeographische Einbettung und Entwicklung, ihre spezifischen Lehrtraditionen und die Art und Weise aus, wie der "Islam" in ihrer Geschichte und Gegenwart in eine für sie typische Lebensrealität umgesetzt wird. So können wir zumindest zehn größere muslimische Regionen Afrikas mit einem spezifischem regionalgeographischen und historischen Charakter unterscheiden: Ägypten, die Länder des Maghreb (d.h. die heutigen Länder Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko), der Großraum der Sahara, der Steppen- und Savannengürtel der Sudanländer, die tropischen Waldgebiete Westafrikas, die Länder des oberen Nilsudans, das Hochland von Äthiopien, das Horn von Afrika, die ostafrikanische Swahili-Region und die muslimischen Diasporagemeinden Südafrikas, insbesondere Kapstadt und Natal[1].

Neben dieser regionalgeographischen und historischen Gliederung der muslimischen Gesellschaften Afrikas müssen wir eine Reihe weiterer Feinabstufungen vornehmen und zwischen Regionen mit einer langen Tradition der Islamisierung (wie etwa Mauretanien, Senegal, Teile Malis, nördliches Nigeria, Nordsudan, Somalia, Sansibar u.a.) unterscheiden und Regionen, in den sich der Islam erst vor kurzem und nur in Teilen etablieren konnte (wie in Burkina Faso, Ghana, Kamerun, Südsudan, die Hinterländer von Tansania und Kenia, Uganda u.a.). Zudem gibt es markante Unterschiede zwischen Regionen, in denen die Muslime eine mehr oder weniger klare Bevölkerungsmehrheit stellen (wie in Mauretanien, Senegal, Nordnigeria, Nordsudan, Somalia und Sansibar), und Regionen, in denen sie nur eine Minderheit der Bevölkerung stellen, die allerdings, wie etwa im Falle Äthiopiens, beträchtlich sein kann. Diese Minderheit mag nun wiederum gut in die jeweilige nationale Gesellschaft integriert sein (etwa in Ghana, Malawi, Kamerun) oder sich aber in einer marginalisierten Position befinden (wie in der Elfenbeinküste, Uganda). Muslimische Minderheiten können zudem in Bezug auf die Frage unterschieden werden, ob sie bei der politischen Gestaltung ihrer jeweiligen Gesellschaft eine geachtete und anerkannte Rolle (wie etwa in Tansania und Südafrika) oder eher eine Außenseiterrolle spielen (wie etwa in Kenia und Äthiopien). Schließlich sollte zwischen Regionen unterschieden werden, in denen Sufi-Bruderschaften maßgeblich an der sozialen und politischen Gestaltung ihrer Gesellschaften beteiligt waren (wie in Mauretanien, Senegal, Nordnigeria, Nordsudan und Somalia), und Regionen, in denen Sufi-Bruderschaften (auch historisch) eine vergleichsweise geringe Rolle in der sozialen, politischen und ökonomischen Entwicklung ihrer Gesellschaften gespielt haben (wie in Mali, Südnigeria und Äthiopien).


Fußnoten

1.
Vgl. R. Loimeier, Gibt es einen afrikanischen Islam? Die Muslime in Afrika zwischen lokalen Lehrtraditionen und translokalen Rechtleitungsansprüchen, in: Afrika Spectrum, 37 (2002) 2, S. 175 - 188; N. Levtzion/R. Pouwels (Hrsg.) The History of Islam in Africa, London 2000.

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