Afrika
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Reif für die Konkurrenz?

Afrikas Märkte zwischen Freihandel und Protektionismus


5.12.2005
Sind die Märkte vor allem südlicher Entwicklungsländer der Herausforderung durch die freie Konkurrenz mit den Industrieländern gewachsen? Bedürfen sie eines fortgesetzten Schutzes? Diese Fragen erweisen sich bei genauer Prüfung als falsch gestellt und lassen eine richtige Antwort nicht zu, weil sie von irrigen Annahmen ausgehen.

US-amerikanische Großkonzerne vertreiben in Afrika erfolgreich ihre Produkte.US-amerikanische Großkonzerne vertreiben in Afrika erfolgreich ihre Produkte. (© Adelheid Hahmann)

Mythos freie Marktwirtschaft



Die weltweiten Versuche zur Liberalisierung unter der Welthandelsorganisation WTO werfen die Frage auf, ob Märkte vor allem in den so genannten Entwicklungsländern des Südens der Herausforderung durch die freie Konkurrenz mit den Industrieländern gewachsen sind oder ob sie eines fortgesetzten Schutzes bedürfen. Diese Frage erweist sich bei genauer Prüfung als falsch gestellt und lässt eine richtige Antwort nicht zu, da sie von irrigen Annahmen ausgeht. Tatsächlich sind es bislang die Märkte der industriell entwickelten OECD-Staaten, die mittels einer protektionistischen Politik in Form von Subventionen ihre eigene Warenproduktion einseitig begünstigen und damit jegliche Form fairer Markt- und Handelsbeziehungen zur Illusion werden lassen.

Befürworter einer Liberalisierung von Handelsbeziehungen tragen zu der Fehlwahrnehmung bei, dass diese gleichbedeutend mit einer Deregulierung von Waren-Austauschbeziehungen sei. Tatsächlich ist der Trend eher umgekehrt: die vermeintlich liberale weltweite Handelsstruktur war noch nie so festgelegt und verklausuliert. In den vergangenen 15 Jahren haben sich die abgeschlossenen bi- und multilateralen Handelsverträge auf insgesamt etwa 230 vervierfacht. Ungefähr weitere 60 werden derzeit ausgehandelt. Diese eingerechnet gibt es derzeit also annähernd doppelt so viele Handels-Vereinbarungen wie Staaten, die am Welthandel partizipieren. Wie schon das Beispiel der Reglementierungen innerhalb der EU verdeutlicht, entzieht sich so gut wie nichts der Regulierung einer so genannten freien Marktwirtschaft.

Freier Handel gleich fairer Handel?



Eine zweite Fehlwahrnehmung ist die vermeintliche Gleichung, dass solcherart freier Handel gleichbedeutend mit einem fairen Handel sei. Damit wird suggeriert, dass die Handelspartner gleiche Voraussetzungen hätten. Weit gefehlt. Volkswirtschaften des Südens sind als Ergebnis der strukturellen Defizite, die Kolonialismus und Imperialismus über Jahrhunderte produziert und verfestigt haben, benachteiligt. Nach wie vor gilt, dass deren kolonialwirtschaftlich zugerichteten Ökonomien den Weltmarkt mit weitgehend unverarbeiteten Rohstoffen (Agrarprodukte, Erze und Mineralien sowie andere natürliche Ressourcen) zu meist sinkenden Preisen beliefern, während die eigentliche Wertschöpfung über deren Weiterverarbeitung zu Fertigwaren andernorts erfolgt. Die daraus resultierenden proportionalen Benachteiligungen durch sich ständig verschlechternde "terms of trade" gehen fast ausnahmslos zu Lasten der Rohstofflieferanten.

Werbeplakat für europäische MilchprodukteWerbeplakat für europäische Milchprodukte (© Adelheid Hahmann)
Ein weiteres Handicap ist die Subventionspolitik der Industriestaaten. Durch die Begünstigung ihrer eigenen Produzenten werden diese in die Lage versetzt, ihre Produkte im Wettbewerb erheblich konkurrenzfähiger anzubieten. So ist Butter aus Oldenburg oder Irland in den Supermärkten des südlichen Afrika billiger als die aus der Region. Mit frei und fair hat diese Absurdität wenig bis nichts zu tun, mit Protektionismus hingegen viel. Gleichen Problemen wie den davon betroffenen Molkereibetrieben sehen sich die Bauern zentralafrikanischer Länder ausgesetzt, deren Baumwolle mit den hoch subventionierten Ernteerträgen in den US-amerikanischen Südstaaten nicht konkurrieren kann.



 

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