Afrika

20.5.2005

Strukturanpassung und Verschuldung

Krisenursachen

Die meisten afrikanischen Regierungen folgten seit ihrer Unabhängigkeit einem staatswirtschaftlichen Entwicklungsmodell, das die Landbevölkerung benachteiligte und vetternwirtschaftliche Strukturen stärkte. Importe wurden in der Regel aufwendig und teuer durch Eigenproduktionen ersetzt; ausgewählten Unternehmen wurden Einfuhrlizenzen für bestimmte Produkte zugeteilt. Die Preise landwirtschaftlicher Güter, die über staatliche Vermarktungsstellen vertrieben wurden, wurden deutlich unter dem Weltmarktpreis fixiert und sehr hoch besteuert. Die überbewerteten Währungen verstärkten die Wettbewerbsnachteile der Landwirtschaft, da sie Exportgüter verteuerten. Nutznießer dieses Systems waren die städtischen Eliten, die Importe – insbesondere Luxusgüter – zu künstlich vergünstigten Preisen beziehen konnten, und die leitenden Beschäftigten der zuständigen Behörden, die eine besondere Machtposition gegenüber den Landwirten hatten.

Die erste Phase der Unabhängigkeit war darüber hinaus durch eine starke Expansion staatlicher Tätigkeiten gekennzeichnet, die zu einer massiven Zunahme der Staatsbediensteten und steigender Anzahl von Staatsbetrieben führten. Die Besoldung der Beamten beanspruchte zwar einen sehr hohen Anteil der Staatsausgaben; die Kaufkraft ihrer Gehälter verringerte sich jedoch so stark, daß sie in der Regel wenig motiviert waren, den Dienst ordnungsgemäß auszuüben. Der aufgeblähte Staatssektor diente als Rückgrat für eine Patronagepolitik, die die Wirtschaftskraft schwächte, aber die politischen Strukturen festigte.

Die ökonomischen Ineffizienzen führten zu stagnierenden Pro-Kopf-Einkommen, die Afrika zum "Armenhaus der Welt" werden ließen. Während die Staaten Afrikas 1964 durchschnittlich etwa noch den gleichen Lebensstandard hatten wie Ostasien, stagnierten die afrikanischen Pro-Kopf-Einkommen bis 1997 bei 500 US-Dollar pro Jahr, während sich die Durchschnittseinkommen in Ostasien auf 1800 US-Dollar erhöhten.

Die wirtschaftlichen Ineffizienzen wurden in den Jahren des Kalten Krieges zwar durch großzügige Entwicklungshilfezahlungen der westlichen wie östlichen Lager ausgeglichen, führten aber mittelfristig in den finanziellen Bankrott, so daß fast alle afrikanischen Staaten auf die Unterstützung von Weltbank und IWF angewiesen waren.


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