Afrika
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Im Kampf gegen HIV/Aids


5.12.2005
Uganda war das erste afrikanische Land, das sich öffentlich zu seinem Problem mit HIV/Aids bekannte. Aufklärung über die Immunschwächekrankheit zählt zu den wichtigsten Aufgaben, die der Staat, aber auch kulturelle Netzwerke übernehmen - sei es in Form von Programmen, Fernsehsendungen oder Theaterstücken.

Bei einem HIV-Aids Workshop, Sambia, Südliches AfrikaBei einem HIV-Aids Workshop, Sambia, Südliches Afrika (© Sandra Albers)

Im Kampf gegen HIV/Aids (Deutsche Übersetzung)



Elvis Kyeyune Basudde ist Journalist, der vor nicht langer Zeit zum HIV/Aids-Aktivisten wurde. Heute kämpft er selbst gegen das Aids-Virus. Dank antiretroviraler Medikamente hat Basudde schon mehr als ein Jahr überlebt. "Seit ich mich Gott zugewandt habe, kann ich meinen Zustand akzeptieren. Mit jedem neuen Tag betrachte ich meine Krankheit als Segen", sagt Basudde.

Bis vor kurzem waren solche Behandlungen nur für wenige reiche Ugander möglich. 1998 bezahlte ein Aids-Patient eine Anfangsgebühr von 555 US-Dollar, dann 2.200 US-Dollar pro Monat. Weniger als 500 Ugander konnten sich demnach eine medizinische Behandlung im "Joint Clinical Research Centre" leisten. Heute kosten Antiretroviral (ARV)-Medikamente pro Patient rund 28 US-Dollar im Monat. Mehr als 6.000 Aids-Patienten bekommen die Medikamente kostenlos über den "Global Fund" im Kampf gegen HIV/Aids, Malaria und Tuberkulose.

In den frühen 1990er Jahren waren diejenigen, die sich ARV-Medikamente nicht leisten konnten, auf lokale Kräuterbehandlungen angewiesen, um zu überleben. Dr. Dorothy Balaba, Direktorin der örtlichen Gesundheitsorganisation THETA erinnert sich: "Die Menschen waren verzweifelt. Die Ärzte wussten keine Lösung. Sie dachten, HIV/Aids wäre mehr als nur physisch. Sie dachten, es wäre geistlich, eine Sünde gegen Gott."

THETA steht für "Traditionelle und moderne Ärzte gemeinsam gegen Aids und andere Krankheiten". Die Organisation wurde 1992 gegründet, ein Jahrzehnt, nachdem die ersten beiden Aids-Fälle diagnostiziert worden waren, in Kasensero, einem Landeplatz auf dem Viktoriasee im Südwesten Ugandas. Es begann mit einer klinischen Studie über Kräutermedizin, die von traditionellen Heilern verwendet wird. "Die Forscher fanden heraus, dass traditionelle Heiler viele Kunden hatten, die ihre Behandlungen für wirksam hielten", erklärt Balaba. Daraufhin erfolgte ein Training für Heiler. Bis April 2001 nahmen mehr als 1.000 traditionelle Heiler an Aufklärungsseminaren teil, rund 300 an einem zwei-jährigen Intensivtraining und Zertifizierungsprogramm für STD/Aids-Beratung und Ausbildung.

"Bakayimbira Dramactors" kam zur Informationsverbreitung bei Theatergruppen gut an. Die Künstlergruppe besteht seit mehr als 25 Jahren und hat bereits mehr als 50 Stücke geschrieben, u.a. auch zwei über HIV/Aids. Das erste Stück der Gruppe, "Ndiwulira" ("Ich werde zuhören"), wird seit 1991 mit großem Erfolg aufgeführt. Ndiwulira ist der Name eines Maisparasiten, der den Mais nicht schnell genug verließ und so am Ende mitgekocht wurde. In Anlehnung an den Titel handelt die Geschichte von einem jungen Mann, der nicht auf gute Ratschläge in Sachen Lebenswandel und Beziehungen hören will. Er infiziert sich mit HIV und stirbt schließlich an Aids. Das Stück wird in ganz Uganda aufgeführt, als Teil der Aids-Aufklärungsprogramme. Es ist außerdem als Video erhältlich und wurde im nationalen Fernsehen ausgestrahlt. "Ich wollte meine persönlichen Erfahrungen darstellen. Ich wollte es als Weckruf benutzen, damit die Leute nicht länger über HIV/Aids schweigen, sondern wissen, dass sie handeln können", meint Charles James Senkubuge. Er ist Vorsitzender der "Bakayimbira Dramactors", eine der ältesten professionellen Theatergruppen Ugandas. Senkubuge hatte damals zwei Brüder und zwei Schwestern durch Aids verloren.

Aids-Plakat Lesotho, Südliches AfrikaAids-Plakat Lesotho, Südliches Afrika (© V. Loch)
Im vergangenen Jahr führte die Künstlergruppe ein weiteres Stück über HIV/Aids auf. Im Gegensatz zu den frühen 1990er Jahren, als die Menschen noch nicht wussten, wie HIV übertragen wird und wie man sich davor schützen kann, ist dies heute nicht länger der Fall, was zu einer allgemeinen Gleichgültigkeit geführt haben könnte. Das Stück zeigt, wie gesundheitsgefährdend Gruppenzwang sein kann, bringt Schülern Fähigkeiten fürs Leben bei und stärkt ihr Selbstbewusstsein.

Laut Prof. David Serwadda, Direktor des Makerere-Universitätsinstituts für Gesundheit, war es HIV/Aids, das die Ineffizienz der Netzwerke bei der medizinischen Versorgung des formalen Sektors aufzeigte. Serwadda war der erste Arzt in Uganda, der daran dachte, dass junge Kaposi-Sarkom-Patienten HIV-infiziert sein könnten. "Dies zwang die Regierung dazu, Partnerschaften mit nichtstaatlichen Organisationen einzugehen, für die Versorgung, Pflege und den Schutz von Dienstleistungen", sagt er. Mit diesem multi-sektoralen Ansatz und einer Politik, die schon seit Jahren für den offenen Umgang mit der Krankheit eintrat, konnte Uganda seine höchste Verbreitungsrate von 18 Prozent im Jahr 1991 auf sechs Prozent im Jahr 2001 senken.

Uganda war das erste afrikanische Land, das sich öffentlich zu seinem Problem mit HIV/Aids bekannte. Eine neue Studie des Gesundheitsministeriums besagt, die derzeitige Verbreitungsrate liege bei sieben Prozent, immer noch niedriger als die der Nachbarstaaten Kenia und Tansania. Dort liegt die Rate laut "Gemeinsames Programm der Vereinten Nationen zu HIV/Aids (UNAIDS)" bei 9,6 bzw. 11,9 Prozent.

Seit 2003 werden die Verbreitungsraten in Uganda überwacht durch Wachposten, nationale und distrikt-bezogene Verhaltensstudien, Verhaltensstudien bei kommerziellen Sexarbeitern, die Beobachtung von Aids-Patienten, der Meldung von Tuberkulose-Erkrankungen, zwei Gemeinschaftsstudien, die bereits mehr als 15 Jahre laufen, und Tests bei Blutspendern.

"Der Zugang zu ARV-Medikamenten sollte eine wichtige Komponente einer Strategie sein, bei der mit HIV lebende Menschen unterstützt werden und die Übertragung von Infektionen verhindert wird. Vielleicht fehlt diese Komponente in Uganda, um die Seroprävalenz von sechs oder sieben Prozent, wo sie seit ein paar Jahren stagniert, weiter zu senken", bemerkte Ugandas Präsident Yoweri Museveni bei der XIV. Internationalen Aids- und STD-Konferenz im thailändischen Bangkok im Juli 2004.

Laut UNAIDS sind weltweit 40 Millionen Menschen an HIV erkrankt, 70 Prozent leben im subsaharischen Afrika, wo nur zehn Prozent der (6,3 Mrd.) Weltbevölkerung leben. Man schätzte, dass bis Ende 2001 rund eine Million Menschen in Uganda mit dem Virus leben würden. Seit Veröffentlichung der ersten beiden Aids-Fälle im Jahr 1982 waren bis Ende 2001 mehr als 60.000 Menschen an dem Virus gestorben. Die vielen Todesfälle, die besonders Ende der 1980er und 1990er folgten, zwangen die Ugander dazu, mit den wenigen Ressourcen auszukommen. Kulturelle Netzwerke, die auf Grund der wirtschaftlichen Entwicklung immer weniger geworden waren, wurden schnell wieder belebt. Nachbarn begannen, sich um andere zu kümmern, besonders wenn einer bettlägerig war oder einen Angehörigen verloren hatte, aus Angst, eines Tages könnte etwas in ihrem Haus geschehen und keiner würde helfen.

Die Gründung der Aids-Hilfsorganisation TASO basierte auf solchen Netzwerken. TASO wurde 1987 von 17 Ugandern ins Leben gerufen, die von HIV/Aids betroffen waren. "Networking geht über religiösen Glauben hinaus. Jeder, auch kulturelle Führer glauben, einen Betrag leisten zu müssen, um die weitere Verbreitung der Krankheit aufzuhalten", sagt Frau Juliana, die Ausbildungsmanagerin bei TASO. Solche Netzwerke haben die Umwelthygiene angeregt. TASO richtet regelmäßig Wettbewerbe in Dörfern aus, darüber wie sauber ein Haus gehalten werden soll. Die Gewinner bekommen kleine Preise wie Waschbecken oder Kanister. TASO hat die Vision, durch positives Leben ein Gefühl der Hoffnung zu verbreiten. Das Konzept der positiven Lebensführung befürwortet Treue, das Benutzen von Kondomen bei einer HIV-Infizierung, das Meiden von Alkohol und Zigaretten, ausgeglichene Ernährung und professionelle Hilfe bei Stress oder Depressionen.

Mythen wie etwa HIV/Aids sei ein Fluch der Götter, wurden aufgeklärt, sagt TASO-Trainerin Gertrude Muzoora. Die Stimmung ist nicht mehr bedrohlich wie früher. Dank einer positiven Lebensführung können die meisten TASO-Kunden länger mit dem Virus leben, manchmal sogar ohne Antiretroviral-Therapie.

Glossar



STD
Geschlechtskrankheit

HIV
Human Immunodeficiency Virus (Menschliches Immunschwäche-Virus)

Aids
Acquired Immune Deficiency Syndrome (Erworbenes Immundefektsyndrom)

Kaposi-Sarkom
Ein Tumor, der durch die "abnorme" Zunahme kleiner Blutgefäße unter der Haut charakterisiert wird. Während die Forschungen weiter andauern, gibt es viele Theorien bezüglich der Ursache. Eine der Theorien besagt, der Tumor könne durch einen bestimmten Herpesvirus verursacht werden, der möglicherweise sexuell übertragen wird.



 

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