Afrika

5.12.2005 | Von:
Prof. Till Förster

Zeitgenössische Afrikanische Kunst

Die populäre Kunst der Städte

Die Entstehung von Kunstschulen in der Kolonialzeit



In der Auseinandersetzung afrikanischer Kunstschaffender mit ihrer jeweiligen Gegenwart lassen sich mehrere Phasen unterscheiden. In der Kolonialzeit entstanden eine Reihe von Kunstschulen, in denen afrikanische Künstler und Künstlerinnen meistens von Europäern an neue Themen oder an die Arbeit mit ihnen noch unbekannten Medien herangeführt wurden. Diese Kunstschulen waren größtenteils von paternalistischen Gedanken getragen. Man betrachtete afrikanische Kunstschaffende als "Naive", denen man neue Techniken beibringen musste, die aber auch möglichst unbeeinflusst von der westlichen Moderne ihre eigene Kreativität entfalten sollten.

Durch die zunehmende Vernetzung des Kontinents mit den kolonialen Metropolen, später mit den Zentren der internationalen Kunstwelt, brach diese weitgehend geschlossene Kunstszene während der Dekolonialisierung in den 1950er und 1960er Jahren auf. Es bildeten sich unabhängige Kunstzentren, die zwar weiterhin oft unter der Leitung von Europäern standen, aber ausdrücklich eine antikoloniale Haltung einnahmen. Innerhalb kurzer Zeit erschlossen sich afrikanische Kunstschaffende ein weites Spektrum von Techniken, Stilen und Genres, die sich mit der modernen Kunst außerhalb des Kontinents auseinander setzten. Die europäischen Leiter fungierten oft als Mäzene und Vermittler, die den Afrikanern Zugang zu Galerien und Ausstellungen und damit zur internationalen Kunstwelt verschafften. Zu den einflussreichsten unter ihnen gehörten Ulli Beier in Nigeria, Frank McEwen im damaligen Südrhodesien, heute Simbabwe, und Margaret Trowell in Uganda. Sie luden Künstlerinnen und Künstler aus Europa und Nordamerika ein, an ihren Zentren mit afrikanischen Kunstschaffenden zusammen zu arbeiten und gemeinsam auszustellen. Aus der Zusammenarbeit entstanden häufig mehr oder weniger einheitliche Stilrichtungen, die international zu "Schulen" zusammengefasst wurden. Zu den bekanntesten zählt die so genannte Schule von Oshogbo, Nigeria, der unter anderem Twins Seven Seven, Muraina Oyelami, Jacob Afolabi und Rufus Ogundele zugerechnet werden.

Bedeutende Kunstschulen: die Ecole de Dakar und die Zaria Art Society



Parallel dazu wurde seit der Unabhängigkeit um 1960 in einigen Ländern die bildende Kunst durch staatliche Akademien, Stipendien, Preise und Festivals gefördert. Im Senegal verfolgte Léopold Sédar Senghor, erster Präsident der ehemaligen französischen Kolonie und selbst ein weltberühmter Dichter, eine Politik staatlicher Patronage. Sie hatte zum Ziel, eine neue nationale Kunst entstehen zu lassen, die er als Teil der von ihm mitinitiierten Négritude-Bewegung sah. Diese neue afrikanische Kunst sollte eine Verbindung zwischen der Moderne und der älteren afrikanischen Kunst schaffen und das Neue gleichsam an die Wurzeln des traditionell Afrikanischen binden. Repräsentativer Ausdruck dieser Politik war 1966 das den gesamten Kontinent umfassende 'Premier Festival des Arts Nègres' in Dakar. Die entsprechend geförderten senegalesischen Künstlerinnen und Künstler wurden als Ecole de Dakar bekannt. Zu ihnen gehörten unter anderem Boubacar Coulibaly, Iba N´Diaye und El Hadji Sy.


Die Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen wird immer wieder neu ausgehandelt. Welche Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte gibt es, die im Kampf um "historische Wahrheiten" häufig an den Rand gedrängt wurden? Wie wirkt das koloniale Zeitalter in ehemaligen Kolonialstaaten und anderen Gesellschaften nach?

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