Afrika

5.12.2005 | Von:
Aissatou Bouba-Folle

Das Theater im frankophonen Afrika

Historische Dramen

Die historischen Dramen der ersten Jahre nach der Unabhängigkeit lehnten sich überwiegend an die Epen der oralen Traditionen an und widmeten sich der Aufarbeitung der vorkolonialen und kolonialen Zeit. Sie ließen die Vergangenheit und afrikanische Persönlichkeiten dieser Epoche wiederaufleben und vorwiegend in einem positiven Licht erscheinen. Diese Aufwertung sollte das Selbstbewusstsein der Afrikanerinnen und Afrikaner stärken, ihnen zur Selbstfindung sowie zu einer nationalen Identität und damit zur Abgrenzung gegen die ehemalige Kolonialmacht verhelfen. Bald jedoch nötigten die politischen und sozialen Entwicklungen in den unabhängig gewordenen Staaten die Autorinnen und Autoren zu einer ernsthafteren und kritischeren Haltung. Denn die meisten neuen Machthaber entpuppten sich als unfähige Diktatoren, die bar jeglicher patriotischer Gefühle auf die Wahrung ihrer Interessen bedacht waren. Ihre Willkürherrschaft, gekoppelt mit einem weit verbreiteten Missmanagement, brachten eine soziale und wirtschaftliche Verelendung der Massen in den meisten afrikanischen Ländern mit sich.

Derartige Missstände wurden von kritischen Dramaturgen aufgezeigt, ungeachtet der Gefahr, der sie sich damit aussetzten. Viele distanzierten sich von den Nationaltheatern, da diese eine gewisse Regierungstreue zeigten. Die Komik in den sozialen Dramen wurde subversiv. Sie beschränkte sich nicht mehr auf die satirische Darstellung einzelner Sitten und Gebräuche, sondern prangerte zudem politische Missstände an, die Habgier einer aufstrebenden städtischen Bourgeoisie, Vetternwirtschaft, Korruption und die Inkompetenz von Staatsdienern. In den Stücken wurde ebenso der Widerstand der kleinen Leute thematisiert. In versteckter Anspielung auf die Verhältnisse im eigenen Land kritisierte man nicht selten andere afrikanische Länder, in denen Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung waren. Südafrika und seine Politik der Apartheid wurden für diesen Zweck mehrfach herangezogen.


Die Geschichte des Kolonialismus und seiner Folgen wird immer wieder neu ausgehandelt. Welche Gegenerzählungen zur westlichen Kolonialgeschichte gibt es, die im Kampf um "historische Wahrheiten" häufig an den Rand gedrängt wurden? Wie wirkt das koloniale Zeitalter in ehemaligen Kolonialstaaten und anderen Gesellschaften nach?

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