Afrika

5.12.2005 | Von:
Aissatou Bouba-Folle

Das Theater im frankophonen Afrika

Weitere Theater-Genres

Neben diesen experimentellen Formen gab es und gibt es heute noch weitere Genres, die zwar mit dem Attribut "populär" belegt werden, die jedoch zwei unterschiedlichen Konzeptionen unterliegen. Zum einen handelte es sich um das vor allem in Benin entstandene Agitprop-Theater und zum anderen um das über das frankophone Afrika hinaus verbreitete "théâtre utile ou théâtre pour le développement" [Theater für die Entwicklung, Anm. d. Red.]. Diese beiden Genres verfolgen in erster Linie nicht-kommerzielle Ziele und finanzieren sich zum Teil durch auswärtige Geldgeber, über internationale Institutionen und NGO's. Sie werden im Rahmen von Entwicklungsprojekten in verschiedenen Lebensbereichen realisiert. Insofern haben sie hauptsächlich einen didaktischen Ansatz und sind auf die Lösung von sozialen und von Alltagsproblemen ausgerichtet. Sie werden häufig für Aufklärungskampagnen engagiert, so zum Beispiel, um die Bevölkerung für die Alphabetisierung oder für die Prävention und Behandlung von Krankheiten oder für landwirtschaftliche Fragen zu sensibilisieren. Auch sie schöpfen ihre Ideen aus Märchen und Initiationsriten und lehnen sich an traditionelle dramatische Formen an, wie z.B. den traditionellen Maskentanz der Beniner, das komische Marionettentheater ("sogolon") aus Niger und insbesondere das traditionelle Theater "koteba" der Bambara, das der Gemeinschaft eine Art kollektive Therapie bietet.

Die traditionellen Formen werden von Intellektuellen in Zusammenarbeit mit den Zielgruppen aufbereitet und mit Anleihen aus Europa (Bertolt Brecht) und aus Lateinamerika (Augusto Boal, Paulo Freire) angereichert. Diese Interaktion wird auch während der Aufführungen fortgesetzt. Darüber hinaus gibt es eine Kooperation zwischen diesen neuen Formen und dem hohen Theater, wie es das Beispiel von "koteba" Abidjan und der Dramaturgin Werewere illustriert. Zu der Rubrik nicht-kommerzielles "populäres Theater" wird zudem das "théâtre-forum" gezählt, eine Art politisches Drama, das sich bereits in den 1970er Jahren entwickelt hat und programmatisch auf eine Interaktion zwischen Publikum und Bühne angelegt war. Zur Erhöhung der Wirkung seines 1972 entstandenen Stückes "On joue la comédie" stützte sich der Togolese Zinsou zusätzlich auf die "comédie musicale", welche ihrerseits in ihrer afrikanischen Prägung deutliche Affinitäten zu einer eher kommerziell ausgerichteten zweiten Form des populären Theaters zeigt, der "concert-party".


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