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Ein Vocho am Zocalo von Mexiko Stadt

28.11.2007 | Von:
Jörn Breiholz

Nachhaltiger Bananenanbau

ein Modell für die Zukunft?

Harte Arbeit

Ein Warnschild verbietet den Aufenthalt in der Plantage während des Einsatzes der Sprühflugzeuge.Ein Warnschild verbietet den Aufenthalt in der Plantage während des Einsatzes der Sprühflugzeuge. (© Jörn Breiholz)
Es gibt Tage, da riecht es süßlich hier, kilometerlang. Dann kann es nicht lange her sein, dass ein Flugzeug oder ein Hubschrauber über die Felder geflogen ist, und aus den dampfenden Sprühleitungen Schwaden feiner Tropfen mit Fungiziden auf die Bananen nieder gerieselt sind. Sie fliegen und sprühen, um einen Pilz zu töten. Als der gelbe Sigatoka-Pilz in Costa Rica ausgemerzt war, kam der schwarze, vor gut 20 Jahren. Wegen dieses Pilzes steigen durchschnittlich einmal pro Woche die Pestizid-Flieger in die Luft und sprühen Fungizide über die Bananenblätter. Hat der Sigatoka die Blätter erst einmal hinreichend befallen oder "verbrannt", wie es im Bananenjargon heißt, ist es vorbei mit der Photosynthese: Die Banane stirbt.

Seit vielen Jahrzehnten steht der Bananenanbau in den Tropen wegen des massiven Einsatzes von Agrochemikalien und der Arbeitsbedingungen in der Kritik von Umweltschützern und NGO's. In den Neunzigern streikten tausende Bananenarbeiter auf lateinamerikanischen Bananenplantagen, weil der Einsatz des Pestizids Nemagon bei Arbeitern Knochenkrebs, Atembeschwerden und Herzkrankheiten ausgelöst hatte. Das Stigma des bösen US-Ausbeuters, der sich ohne Rücksicht auf Verluste an den Menschen in Drittweltländern bereichert, klebte auch Chiquita lange auf der Stirn. Schließlich war es gerade die ehemalige "United Fruit Company", wie Chiquita vor der Umbenennung noch bis Ende der 1980er-Jahre hieß, die den Begriff "Bananenrepublik" prägte: Als us-amerikanischer Konzern, der mit seiner wirtschaftlichen Macht in Zentralamerika politisch mehr zu sagen hatte als die jeweiligen Regierungen; auch weil es die jeweilige Polit-Elite massiv korrumpierte. Dass die düstere Zeit der politisch unsauberen Zusammenarbeit noch längst nicht vorbei ist, bewies der Konzern erst jüngst wieder. Noch bis 2004, heißt es auch offiziell aus der Unternehmenszentrale im us-amerikanischen Cincinnati, habe der Konzern in Kolumbien Schutzgelder an linke und rechte Paramilitärs bezahlt. Chiquita finanzierte also die terroristischen Kräfte und Protagonisten des seit Jahrzehnten währenden schmutzigen Bürgerkrieges in Kolumbien.

Vor gut zwölf Jahren begann der Bananenmulti, den Dialog mit der in den USA gegründeten Nichtregierungsorganisation "Rainforest Alliance" zu suchen, und entschloss sich, alle Chiquitaplantagen und Zuliefererbetriebe nach den Vorgaben der Organisation auszurichten. Diese Standards beinhalten die Organisationsfreiheit von Gewerkschaftern genauso wie die Abstände zu Wasserläufen, damit aufgebrachte Agrochemikalien nicht in den Boden gelangen. Noch vorhandene Biotope müssen geschützt und nicht genutzte Flächen aufgeforstet werden.

Warnhinweise für den korrekten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln.Warnhinweise für den korrekten Umgang mit Pflanzenschutzmitteln. (© Jörn Breiholz)
Längst nicht alle costaricanischen Chiquita-Mitarbeiter sind mit dem Erreichten zufrieden. Im Ort Roble beispielsweise, einer kleinen Ansiedlung zwischen Chiquita-Bananenfeldern ein Stück nördlich in Richtung nicaraguanischer Grenze, berichten die Anwohner, dass die Drift von den Pestizideinsätzen aus der Luft häufiger bei ihnen im Garten lande. " Die Flieger", sagt der Bananenarbeiter Julio Ramos Martin und zeigt in dem kleinen Garten hinter seinem Häuschen auf das direkt angrenzende Bananenfeld, "besprühen sogar direkt unsere Häuser." Erst an diesem Morgen wieder, erzählt der junge Familienvater, hätten ein Flugzeug und ein Hubschrauber um kurz nach sechs Uhr die Felder direkt hinter seinem Garten besprüht. "Und die Wolke ist direkt bei uns im Garten gelandet." Wenn die Pestizid-Flieger kreisten, sagt Martin, "müssen meine Kinder im Haus bleiben." Dagoberto Quirós Granados, auch er Bananenarbeiter bei Chiquita und Gewerkschaftsmitglied, zeigt Fotos von toten Fröschen. "Die habe ich nach einem Nematizid-Einsatz auf den Bananenplantagen im Sommer vergangenen Jahres fotografiert", sagt Granados. Der 53-Jährige ist vor einem Jahr in den Gewerkschaftsverband Cosiba eingetreten, auch weil ihn der Vorarbeiter durch einen Jüngeren ersetzen wollte. "Die Mitgliedschaft in der Gewerkschaft hat mich bisher vor der Entlassung schützen können", sagt er.

Im Gewerkschaftsbüro in Puerto Viejo de Sarapiquí sind an diesem Samstag gut ein Dutzend Bananenarbeiter zusammengekommen, um sich von Gewerkschaftsanwalt Guaren Flores beraten zu lassen. Flores sagt, Chiquita würde Arbeiter mit fadenscheinigen Begründungen entlassen, nur weil sie in der Gewerkschaft sind. "Das Unternehmen will verhindern, dass die Gewerkschaft in den Plantagen zu stark wird", sagt der Anwalt. Ein Vorwurf, den Chiquita weit von sich weist. "Jeder Arbeiter bei uns kann sich gewerkschaftlich organisieren", meint George Jaksch.

Die Gewerkschafter präsentieren Dokumente. Zum Beispiel ein Protokoll über ein Zusammentreffen zwischen der Leitung einer Chiquita-Plantage und Gewerkschaftsmitgliedern, die sich über den wiederholten Einsatz von Pestiziden aus der Luft beschweren – während sie im besprühten Bananenfeld arbeiten. Das würde gegen die Regeln der "Rainforest Alliance" verstoßen. Bei Wiederholung drohte der Entzug des Siegels mit dem Frosch der Organisation Rainforest Alliance, der so sehr nach Regenwaldschutz aussieht. Bisher ist so etwas noch nicht vorgekommen. Doch erst kürzlich, sagt Chris Wille von der "Rainforest Alliance", sei auf einer Chiquita-Plantage in Guatemala Regenwald planiert worden: "Daraufhin sind fünf Farmmanager entlassen worden." Den Vorfall, sagt Wille, hätte Chiquita selbst gemeldet.

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