>>> Alles zur Bundestagswahl 2017 <<<
Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)
1 | 2 Pfeil rechts

Die Reagan-Jahre: Zurück zum "alten Glanz"


11.10.2008
Ronald Reagan galt als Sinnbild des "American Dream": Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, wechselte der Schauspieler in die Politik und übernahm 1981 das Präsidentenamt. Nach zwei Amtszeiten hinterließ er, bedingt vor allem durch enorme Rüstungsausgaben, einen riesigen Schuldenberg. In seine Amtszeit fielen aber auch bedeutende Ereignisse wie der Zusammenbruch der Sowjetunion und der Fall der Berliner Mauer.

US-Präsident Ronald Reagan mit seiner Frau und First Lady Nancy bei der Parade anlässlich seiner Amtseinführung als 40. Präsident der USA am 20. Januar 1981 in Washington.Ronald Reagan mit seiner Frau Nancy am Tag seiner Amtseinführung als 40. Präsident der USA am 20. Januar 1981. (© AP)

Am 20. Januar 1981 übernahm Ronald Reagan nach überwältigendem Wahlsieg der Republikaner das Präsidentenamt. Sein Regierungsprogramm sah vor, die Staatsausgaben zu reduzieren, die Wirtschaft durch Steuersenkungen wieder zu beleben, den Militäretat zu erhöhen und eine härtere Position gegenüber der Sowjetunion zu verfolgen. Reagans Strategie zielte darauf ab, einer verunsicherten und misstrauischen Bevölkerung durch rasches Handeln den Eindruck von Mut, Entschlossenheit und Tatkraft zu vermitteln.

Reagan wurde von der großen Masse der Bevölkerung als Sinnbild des American Dream wahrgenommen. Denn er stammte aus ärmlichen Verhältnissen, hatte es als Schauspieler zu großem Erfolg gebracht und war schließlich zum Gouverneur von Kalifornien gewählt worden. Nach einem Attentat auf ihn kurz nach seinem Amtsantritt im März 1981 nahm seine Popularität noch zu.

Wettrüsten und Politik der Stärke



Reagan übernahm die Präsidentschaft nach einem wahren Krisenjahrzehnt der US-amerikanischen Geschichte. Der Watergate-Skandal und der erzwungene Rücktritt Präsident Nixons hatten eine Verfassungs- und Vertrauenskrise im Innern der Vereinigten Staaten ausgelöst. Zudem hatten die USA den Vietnam-Krieg verloren und suchten nun nach einem neuen globalen Mächtegleichgewicht. Angesichts des massiven Aufrüstungsprogramms der Sowjetunion waren die Weichen bereits bei Reagans Amtsantritt in Richtung Wettrüsten und Politik der Stärke gestellt. Mit seinem Versprechen, die "amerikanische Größe" wiederherzustellen, appellierte Reagan damals an den tief verwurzelten Patriotismus im Land.

Patriotismus und neue Religiosität



Die konservative Grundstimmung jener Zeit wurde durch das evangelikale protestantische Christentum, die New Christian Right, noch gestärkt. Die mit der Präsidentschaft Reagans einsetzende konservative Wende verlieh fundamentalistischen und neokonservativen Kreisen politischen Rückhalt. In Form von Erweckungsbewegungen trug insbesondere das evangelikale Christentum dazu bei, der Religion wieder einen hohen Stellenwert und ein deutlich sichtbares Profil im öffentlichen Leben zu verschaffen. Die gut organisierten und mit üppigen Spendengeldern ausgestatteten Fundamentalisten hatten bereits maßgeblich zum Wahlsieg Reagans beigetragen. Ihre Botschaft von der Rückkehr zu den alten amerikanischen Werten von Familie, Kirche und Patriotismus fiel in breiten Kreisen der Bevölkerung auf fruchtbaren Boden, die durch die innenpolitischen Skandale, außenpolitischen Niederlagen, den gesellschaftlichen Wertewandel und die wirtschaftliche Stagnation tief verunsichert waren.

Wirtschaftspolitisch setzte die Reagan-Regierung auf eine Wiederbelebung des Individualismus und Gewinnstrebens sowie eine Abkehr vom New Deal und von der Utopie der Great Society. Die neoliberale Politik Reagans zielte auf Deregulierung, die Privatisierung öffentlicher Aufgaben, die Rückbildung der Staatsbürokratie und den Abbau zentralstaatlicher Regelungskompetenzen. Die Steuern wurden gesenkt, die Sozialausgaben zeitgleich drastisch gekürzt.

Politik der Widersprüche



Die Präsidentschaft Ronald Reagans von 1981 bis 1989 gehört wegen ihrer Widersprüchlichkeit aus entfesseltem Kapitalismus und Wirtschaftsliberalismus auf der einen Seite und religiösem Fundamentalismus und Wertekonservativismus auf der anderen sowie ihres Beitrags zu bedeutenden weltpolitischen Veränderungen wie der Auflösung der bipolaren Weltordnung im Zusammenhang mit dem Fall der Berliner Mauer und der deutschen Wiedervereinigung zu den interessantesten Phasen der amerikanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts.

Obwohl Reagans Außenpolitik die internationalen Spannungen zunächst gefährlich steigerte, konnte der Präsident in seiner zweiten Amtszeit zusammen mit dem sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow den Kalten Krieg beenden. Seine als "Reagonomics" bezeichnete Wirtschaftspolitik verlieh dem amerikanischen Kapitalismus neue Dynamik, hinterließ seinen Nachfolgern allerdings schwerwiegende Probleme durch die hohen Haushaltsdefizite und einer explosionsartig gewachsenen Staatsverschuldung.

Entspannungspolitik vor Reagans Amtszeit am Ende



Bereits vor Reagans Amtsantritt war die Entspannungspolitik (Détente) der 1970er Jahre an einem Nullpunkt angekommen. Die kubanischen Kampftruppen in Angola und Äthiopien, die sowjetische Unterstützung eines Coups marxistischer Militärs in Afghanistan und der Einmarsch vietnamesischer Streitkräfte in Kambodscha wurden von den Westmächten als Schachzüge Moskaus eingestuft, mit denen strategisch wichtige Regionen für das kommunistische Lager gewonnen werden sollten.

Zwei Berliner vor dem Brandenburger Tor auf einer Besucher-Plattform. Sie essen, trinken und scherzen. Im Hintergrund: Menschenmenge, Berliner Mauer und Brandenburger Tor.Zwei Berliner feiern ausgelassen den Mauerfall vor dem Brandenburger Tor. (© AP)
Als Teil eines massiven Aufrüstungsprogramms ersetzte die Sowjetunion die in Europa stationierten Mittelstreckenraketen durch zielgenauere, weiterreichende und mit Dreifachsprengköpfen ausgestattete Flugkörper vom Typ SS-20. Die NATO reagierte darauf am 12. Dezember 1979 mit dem Doppelbeschluss: Er bot Moskau Abrüstungsverhandlungen an, sah gleichzeitig aber auch die Stationierung von 198 Pershing II-Raketen und 464 Marschflugkörpern in Europa vor.

Zunächst wurde diese Äußerung als typischer Ausdruck von Reagans rhetorischem Überschwang gewertet. Innerhalb kurzer Zeit nahm die von Gorbatschow vorangetriebene Politik jedoch den Charakter eines friedlichen revolutionären Umbruchs an. Kurz vor dem Amtsende Ronald Reagans löste sich der gesamte Ostblock auf, der am 9. November 1989 zur Öffnung der Berliner Mauer führte.