Dossierbild: USA (Freiheitsstatue)

10.10.2008 | Von:
Karsten Lemm

Erfolgsstory Silicon Valley

Forschung und Technik am Beispiel des Silicon Valleys

Eine fruchtbare Kombination von Kapital, Köpfchen und Risikobereitschaft sind die Rezeptur für eine der erfolgreichsten Technologie-Regionen der USA, das Silicon Valley. Benannt nach dem Rohstoff, der die Computer-Industrie dort aus der Taufe hob, ist die Region heute längst zu neuen Technologie-Ufern aufgebrochen.

Die Silicon Valley Garage, die Hewlett-Packard Co. hervorgebracht hat in Palo Alto, Kalifornien. Die Garage wurde zu einer nationalen Sehenswürdigkeit. Der Platz an dem die Gründer Bill Hewlett und Dave Packard ihren Shop errichteten und im Jahr 1938 lebten wurde im nationalen Register der National Park Service of Historic Places aufgenommen.Geburtsstätte des Silicon Valley in Kalifornien, die sprichwörtliche Garage in der Bill Hewlett und Dave Packard ihre Firma gründeten. (© AP)

Der Weg in die Zukunft ist achtspurig und führt vorbei an Glastürmen, Büroparks und großen Träumen, mitten hinein in das Tal, in dem die Welt von morgen wohnt. Wer den Highway 101 entlang fährt, der sich auf knapp 80 Kilometern Länge zwischen San Francisco und San Jose durch eine einstmals malerische Landschaft wälzt, kann so ziemlich jede Ausfahrt nehmen, an jeder Ecke halten, an jeder Tür klingeln – die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass dahinter an einer Idee getüftelt wird, an einer technischen Erfindung, die unseren Alltag schöner, einfacher und bequemer machen soll, während diejenigen, die sich das Ganze ausgedacht haben, zu Millionären werden. Idealerweise. So, wie das gleich nebenan bei Google, Yahoo!, Apple, Cisco, Oracle und vielen anderen auch passiert ist.

Das Tal der Herzensfreude

Auf dem Papier ist das Silicon Valley zunächst einmal ein überschaubarer Landstrich am Pazifik, etwa doppelt so groß wie das Saarland, in dem gut 2,5 Millionen Menschen leben. Einst bekannt als "Tal der Herzensfreude", weil Naturliebhaber zwischen weiten Graslandschaften und Wäldern, Obstplantagen und sanften Hügeln voll auf ihre Kosten kamen, lebt die Gegend heute vorwiegend vom Fortschritt: Auf engstem Raum drängeln sich viele der bekanntesten Marken der IT-Welt – darunter Chipentwickler wie Intel und AMD ebenso wie Computerhersteller (HP, Sun), Softwareriesen und Internet-Durchstarter.

13 der 20 größten Unternehmen der Region verdienen ihr Geld mit Bits und Bytes; 2007 setzten sie gemeinsam mehr als 300 Milliarden Dollar um. So viel Erfolg lockt Nachahmer: Um die etablierten Stars der Technikwelt - manche von ihnen nicht älter als 15 oder 20 Jahre - kreisen etliche Jungunternehmen, die ihren Durchbruch noch vor sich haben. Um Kapital müssen die Gründer sich nicht sorgen, denn das Heranziehen von Firmen-Frischlingen hat sich im Silicon Valley zu einer eigenen Industrie entwickelt. Risiko-Kapitalgeber - so genannte VCs (kurz für "Venture Capitalists") - pumpen Jahr für Jahr ein Vermögen in vielversprechende Einfälle. 2007 erhielten Firmengründer im Tal der Technik fast 11 Milliarden Dollar an Startkapital; ihre Kollegen in der gesamten EU mussten mit vergleichsweise kümmerlichen 4,6 Milliarden Euro auskommen.

Längst beschränkt sich die Ideenfabrik Silicon Valley nicht mehr auf die Halbleitertechnik, der die Region ihren Namen verdankt. Über Jahrzehnte ist ein Ökosystem entstanden, das auf einzigartige Weise Köpfchen, Kapital und Risikobereitschaft kombiniert. Die Elite-Universitäten Stanford und Berkeley produzieren Erfindungen in Serie, die Wissenschaft ist eng verzahnt mit der Wirtschaft, und an Geld für Gründer, die schlaue Einfälle haben, mangelt es so gut wie nie. Google, Yahoo!, Sun und Cisco sind nur einige der Erfolgsgeschichten, die auf diese Weise ihren Anfang nahmen.

Von der Garage zum Millionär

Vor allem Stanford (eine private Hochschule, anders als Berkeley) hat sich immer wieder als Brutstätte lukrativer Firmengründungen erwiesen - und das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer gezielten Strategie: Es war der Stanford-Professor Frederick Terman, der schon früh als Dekan für Ingenieurswissenschaften alles dafür tat, Wissenschaft und Wirtschaft eng zu verzahnen. Ende der 1930er Jahre ermunterte er seine Absolventen William Hewlett und David Packard, eine eigene Firma zu gründen - in die er auch selbst investierte. Terman vermittelte die ersten Kunden und schaute später, als das Geschäft zu brummen begann, gelegentlich bei Packards Garage vorbei: Stand das Auto vor der Tür, wusste er, dass die Auftragsbücher gut gefüllt waren; denn seine Schützlinge brauchten den Platz in der Garage, um ihre Produkte herzustellen, etwa einen Audio-Oszillator, den Walt Disney für seinen Trickfilm "Fantasia" einsetzte.

Mit dem Erfolg von Hewlett-Packard - heute ein Unternehmen mit mehr als 100 Milliarden Dollar Jahresumsatz - wurde die Garage zum Symbol für die Start-up-Kultur des Silicon Valley, und das Original mit der Adresse 367 Addison Avenue in Palo Alto, gleich um die Ecke der Uni Stanford, steht inzwischen unter Denkmalschutz. Terman gilt derweil vielen als "Vater des Silicon Valley", weil er die Vernetzung von Forschung und Kapital konsequent vorantrieb: 1951 gründete er den "Stanford Research Park", auf dem sich Jungunternehmen in unmittelbarer Nähe zur Hochschule ansiedeln konnten. Anschließend ermunterte er Firmen, Mitarbeiter an einem Weiterbildungs-Programm der Universität teilnehmen zu lassen - eine in den USA bis dahin beispiellose Verzahnung von Wirtschaft und Wissenschaft, wie die Berkeley-Wissenschaftlerin AnnaLee Saxenian betont.


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