Afghan traditional music players are seen during a music performance organized by The Aga Khan Trust for Culture (AKTC) at the Baghe Babur in Kabul, Afghanistan on Saturday, March 29, 2008. Playing music was once forbidden as many other things during the fundamentalist regime of the Taliban, who were ousted from power by U.S. forces in late 2001. (ddp images/AP Photo/Musadeq Sadeq)

5.12.2012 | Von:
Mohammad Ali Karimi

Zeitgenössische afghanische Kunst

Eine Gruppe von Kunststudenten, die neu in die westlichen Workshops gekommen waren, veranstaltete 2005 die "trash art" Ausstellung an der Universität Kabul. Die Ausstellung wurde von vielen Besuchern mit Spott und Hohn aufgenommen und musste nach einigen Tagen schließen. Dies zeigt, dass ungewöhnliche und unbekannte Genres und Medien der Gegenwartskunst noch einen langen Weg vor sich haben, um von der afghanischen Gesellschaft voll akzeptiert und verstanden zu werden. Dennoch haben in vergangenen 10 Jahren innerhalb und außerhalb Afghanistans viele Künstler die Szene der zeitgenössischen Kunst betreten. Manche von ihnen waren auf der Documenta 13 in Kassel und Kabul anwesend. Wir können hoffen, dass diese jungen Künstler die Einstellung der afghanischen Bevölkerung gegenüber der Kunst beeinflussen.

Einer der schöpferischsten zeitgenössischen Künstler ist Khadim Ali. Er ist ein Hazara, kommt aus Zentral-Afghanistan und studierte in Pakistan. 2001 war er Zeuge der Sprengung der Buddha-Statuen von Bamian durch die Taliban. Diese Statuen waren über Jahrhunderte der Stolz Afghanistans, insbesondere von den in Bamian lebenden Hazaras. Die Zerstörung erschütterte Khadim Ali zutiefst und brachte ihn zur Schöpfung einer Reihe von Miniaturen, die Buddha im Hintergrund und dessen leeren Platz in Bamian zeigten. Seine Bilder sind eine Mischung aus Miniatur, Kalligraphie, geometrischen Formen und mythischen Figuren aus der persischen Literatur, womit er in komplexer Weise die historische Erfahrung der Hazaras und seine persönlichen Eindrücke wiedergibt. Der Hauptbestandteil seiner Bilder sind Miniaturen, die zwar an den Stil von Behzad (siehe Resümee) orientiert sind, aber durch modernistische Stilisierung zu mehrdimensionalen Objekten werden.

Die historisch-mythischen Hinwendung des heute in Australien lebenden Khadim Ali hat eine Reihe von Hazara-Künstlern in Kabul angespornt, in ihren Werken von schmerzvollen geschichtlichen Erfahrungen der Minderheit der Hazaras in Afghanistan zu erzählen und einen neuen Stil hervorzubringen, die von einem Autor mit "Hazarism School" bezeichnet wurde.[6] Die Aufnahme von sozialen, historischen und politischen Themen in die zeitgenössische Kunst kann die afghanischen Ansprechpartner davon überzeugen, dass diese Kunst nicht nur zur Unterhaltung von westlichen Beobachtern, sondern genuin der Bewusstseinserweiterung und Ausdehnung der Kulturbotschaft der traditionellen afghanischen Kunst dient.

Resümee

Im 15. und 16. Jahrhundert lebte und arbeitete unter den Timuriden in Herat Kamaluddin Behzad, der einer der berühmtesten Miniaturisten der islamischen Welt wurde. Er war ein Zeitgenosse von Leonardo da Vinci und Michelangelo und machte aus Herat ein Kunstzentrum des Timoresischen Imperiums. Nach dem Sturz der Timuriden wanderte er nach Tabriz aus. Nach seinem Weggang aus Herat trat nie wieder ein Künstler seines Kalibers in Herat hervor. Künstler seines Stils setzten aber seine Arbeit in Afghanistan fort. Die beiden aus Herat stammenden Maler Abdul Rauf Fekri Saljoughi (1909-1968) und Mohammad Saeed Mashal (1913-1997) waren wohl die letzten Maler dieser Generation.

Dagegen war die moderne Kunst in Afghanistan immer ein westliches Projekt. In den 1920er Jahren verbreiteten die ersten afghanischen Künstler mit westlichem Wissen den europäischen Stil der Malerei in Afghanistan ein. 1983 wurde die erste afghanische Nationalgalerie mit 200 von den in Kabul residierenden westlichen Botschaften zur Verfügung gestellten Werken eröffnet. Nach den Taliban und ab 2001 ist es wieder der Westen, der die moderne Kunst unter die Afghanen bringt.

Das Interesse des Westens an afghanischer Kunst muss in einem größeren Rahmen betrachtet werden. Dieser Rahmen ist in vergangenen Jahren neu geschaffen worden, so dass westliche Galerien und Ausstellungen sich auch mit nicht-westlichen Kunstwerken beschäftigen. Orientalisch-islamische Künstler, die mit westlicher Technik und Form ihre eigene Welt auf Bilder übertragen, haben eine beachtliche Entwicklung der Kunst in diesen Regionen hervorgebracht. Dieser Wandel ist in der künstlerischen Landschaft unserer Welt ein Novum, und er öffnet neue Tore des künstlerischen Dialogs unter verschiedenen Kulturen. Es ist sehr wichtig, dass sich Afghanistan nach einer langen Abwesenheit wieder an diesem Dialog beteiligt, ein Land, das zwar viele Märchen besitzt, aber keinen guten Märchenerzähler hervorgebracht hat.

Fußnoten

6.
http://www.teheran.ir/spip.php?article716

Dossier

Afghanistan

2001 wurden die Taliban in Afghanistan gestürzt. Seitdem beteiligen sich mehr als 40 Länder am Wiederaufbau. Schulen werden gebaut, Polizisten ausgebildet und staatliche Strukturen geschaffen. Doch der Friede ist zerbrechlich: Noch immer versuchen die Taliban, gewaltsam die Macht im Land wiederzuerlangen.

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