Nächtliche Skyline von Shanghai

7.8.2008 | Von:
Dr. Sven Güldenpfennig

Sportpolitik und Olympia

Sport ist ein Feld kulturell-schöpferischen Handelns, ein enger Verwandter der Künste. Sportliches Handeln inszeniert dramatische Geschichten. Gerade deshalb ist für die Sportorganisationen politische Zurückhaltung geboten, der Verzicht darauf, sich heroisch in eskalierende tagespolitische Getümmel zu stürzen, wie es manche gern sehen würden.

Chinesische Schulkinder schwenken am 18. Juni 2008 olympische und chinesische Flaggen auf dem Volksplatz in Kashgar während der Feierlichkeiten des Olympischen Fackellaufs. Eine Statue von Mao Tse-tung überragt die Bühne im Hintergrund auf der rechten Seite. Die olympischen Spiele 2008 in Peking beginnen am 8. August.Aus Anlass des olympischen Fackellaufs schwenken Schulkinder am 18. Juni 2008 olympische und chinesische Flaggen auf dem Volksplatz in Kashgar. Im Hintergrund ist ein Mao Zedong Denkmal zu sehen. (© AP)

In diesem Olympiajahr ist ein uralter Streit in aller Schärfe neu entbrannt: Ist Sport politisch? Sport ist ein Feld kulturell-schöpferischen Handelns, ein enger Verwandter der Künste. Sportliches Handeln inszeniert dramatische Geschichten. In ihnen wirken in einem künstlich entfachten Streit mehrere Parteien, welche sich gegenseitig in ihrem Streben nach Selbstvervollkommnung benötigen, an der Hervorbringung von Sportereignissen als ästhetischen Werken zusammen. Olympische Spiele sind vor allem anderen ein globales Sportereignis, ein sportdominiertes Gesamtkunstwerk und als solches Teil des Weltkulturerbes. Bei einem solchen Blick auf den Eigensinn der Olympischen Spiele ist offensichtlich, dass ihre Sinnstruktur denkbar weit entfernt ist von der Sinnstruktur politischen Handelns.

Darüber hinaus ist der olympische Sport wie jede kulturell-schöpferische Tätigkeit hochgradig verletzlich und reagiert besonders empfindlich auf rücksichtslose Übergriffe politischer Mächte. Deshalb ist für die Sportorganisationen politische Zurückhaltung geboten, der Verzicht darauf, sich heroisch in eskalierende tagespolitische Getümmel zu stürzen, wie es manche gern sehen würden.

Wie weit dabei der autonome kulturelle Eigensinn des Sports respektiert, befolgt, gefördert, zumindest geduldet wird: Das ist die Messlatte zur Beurteilung jeglichen sportlichen, pädagogischen, ökonomischen oder politischen Handelns in diesem Sinnbezirk. Diese Befunde zusammengenommen ergeben die erste These: Der olympische Sport ist nicht politisch.


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