Europa aus dem All. Aufgenommen vom Satelliten "Envisat"

22.3.2010

Zukunft des Euro

Eine Auswahl von eurotopics.net

Wem nützt eine europäische Gemeinschaftswährung? Ist der Euro gescheiter? Und warum streben Länder wie Polen oder Dänemark den Beitritt zur Eurozone an? Stimmen aus der europäischen Presse.

euro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschaueuro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschau (© bpb)
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Die Probleme des wagemutigen Euro
Világgazdaság - Ungarn; Donnerstag, 18. März 2010

Die Erschütterung des Euro ist nicht allein auf die Probleme Griechenlands zurückzuführen, meint Harold James, Geschichtsprofessor an der Princeton University, in der Wirtschaftszeitung Világgazdaság: "Die gemeinsame europäische Währung ist Teil eines wagemutigen Versuchs: Der Euro ist ein Zahlungsmittel, das nicht an ein einzelnes Land gebunden ist. Seine Existenz gründet vielmehr auf internationalen Vereinbarungen und Regeln. Als Reaktion auf die Krise haben jedoch die Länder der Währungsunion ihre nationalen Interessen über die gemeinsamen internationalen Regeln gestellt. ... Das Problem liegt darin, dass Frankreich und Deutschland - die treibenden Kräfte der monetären Integration - unterschiedliche Vorstellungen von der Lösung der Probleme hatten. Während die Deutschen auf klar definierte fiskalische Regeln pochten, wünschten sich andere einen größeren Bewegungsspielraum. Die Franzosen ihrerseits wollten parallel zur monetären Integration die Schaffung einer gemeinsamen europäischen Wirtschaftspolitik. ... Zur Lösung der Währungsprobleme wäre nicht nur eine globale monetäre Politik vonnöten, sondern auch eine globale Regierung. Allerdings zeigt das Beispiel der EU, dass dies nicht einmal auf regionaler Ebene gut funktioniert."

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Euro behindert Staaten bei Krisenbewältigung
Népszabadság - Ungarn, Donnerstag, 11. März 2010

Die Ökonomin Annamária Artner erläutert in der linksliberalen Tageszeitung Népszabadság die wirtschaftlichen Mängel der Eurozone: "Was auf dem Spiel steht, ist der 'europäische Traum', also die Existenz der gemeinsamen Währung. Diese ... gibt jenen Ländern, die Probleme haben (etwa Griechenland), keine Möglichkeit, um mit einer eigenen Geldpolitik auf die Wirtschaftsprozesse einzuwirken. Dies wäre nur dann kein Problem, wenn von einer Staatengemeinschaft die Rede wäre, in der die Mitglieder auf einem gleich hohen Entwicklungsniveau wären und in der alle elementaren Lenkungsmechanismen des Marktes (zum Beispiel die Zinspolitik) dieselben wären. Die Eurozone entspricht indes keineswegs diesem Idealbild."

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Euro droht Ende
Hospodárske noviny - Slowakei, Freitag, 19. Februar 2010

Der Ökonom Milton Friedman hatte bei der Entstehung des Euro sein Ende in 15 bis 20 Jahren vorhergesagt. Daran erinnert angesichts der Haushaltsprobleme in Griechenland die slowakische Wirtschaftszeitung Hospodárske Noviny. Seine Zweifel an der Gemeinschaftswährung hat er damit begründet, dass "hierbei mehrere Länder mit unterschiedlichem Entwicklungsstand zusammenkämen. Und selbstverständlich auch mit unterschiedlichen Mentalitäten. Portugal, Italien, Griechenland und Spanien wurden am häufigsten als Problemländer genannt. Zu allen Argumenten der Fachleute gesellt sich noch der menschliche Faktor. Wie können verantwortliche Politiker absichtlich falsche Angaben machen? ... Auch wenn die Eurozone den Fall Griechenland überleben wird: Sollten die einzelnen Länder nicht verantwortungsvoll wirtschaften und sollte vor allem der Weg falscher Solidarität statt adäquater Strafen eingeschlagen werden, dann könnte sich Friedmans Vorhersage bald bestätigen."

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Bulgarien nähert sich dem Euro
Világgazdaság - Ungarn; Donnerstag, 18. Februar 2010

Bulgarien tritt bald dem Europäischen Wechselkursmechanismus ERM II bei, was für ganz Osteuropa Signalwirkung haben wird, meint die Wirtschaftszeitung Világgazdaság: "Der Beitritt Bulgariens zum Europäischen Wechselkursmechanismus und damit später zur Währungsunion wird für die gesamte Region Ostmitteleuropas von Bedeutung sein und die Wirtschaftspolitik der anderen osteuropäischen EU-Mitgliedsländer beeinflussen. ... Wenn Bulgarien innerhalb des nächsten halben Jahres ERM II beitritt, werden die Entscheidungsträger in Brüssel 2012 wohl einige schlaflose Nächte haben, wollen sie die Euro-Einführung in Ostmitteleuropa verlangsamen. Sollte Bulgarien die Maastrichter Kriterien für den Beitritt zur Eurozone bis 2012 erfüllen, wird Brüssel dem Land wohl grünes Licht geben müssen, zumal viele Mitgliedstaaten der Währungsunion die Maastricht-Kriterien selbst jahrelang nicht erfüllen können. ... Sofern Brüssel die Erweiterung der Eurozone aber auf die lange Bank schiebt, macht es zwar einen Schritt in Richtung innerer Konsolidierung der Währungsunion. Zugleich erschwert es aber die wirtschaftliche Stabilisierung der Länder Ostmitteleuropas, indem es ihnen ein wichtiges Ziel wegnimmt."

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Riskantes Ungleichgewicht in Europa
Berliner Zeitung - Deutschland, Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Krise in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern bedroht die Stabilität des Euro. Die Gründe dafür analysiert die Berliner Zeitung: "Irland und die Südeuropäer sind Opfer der enormen Ungleichgewichte, die sich in der Eurozone in den vergangenen zehn Jahren aufgeschichtet haben. Die nördlichen Kernländer, allen voran Deutschland, haben ihre Konkurrenzfähigkeit durch Lohnzurückhaltung kräftig gesteigert. Dadurch wurde ein großes Handelsbilanzplus aufgebaut. In Südeuropa gab es dagegen einen kreditfinanzierten Konsumrausch. Deutschland exportierte dorthin immer mehr Waren und pumpte wiederum das erlöste Kapital in Teilen zurück nach Südeuropa. So wurde das Preisniveau dort weiter nach oben gedrückt. ... Doch nun ist die Blase geplatzt und die Kapitalströme versiegen durch die Krise. ... Im Grunde haben die Euro-Länder 1998 riskante Wetten darauf abgeschlossen, dass Europas Einigung schnell voranschreitet, dass auch die Sozial- und Steuerpolitik sich zügig annähern ... . Die Wetten wurden verloren. Der Euro wird daran wohl zerbrechen, in dieser oder einer der nächsten Krisen, wenn die Integration nicht doch noch überraschende Sprünge macht."

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Griechenland offenbart Mängel des Euro
The Times - Großbritannien, Mittwoch, 10. Februar 2010

Die wirtschaftliche Misere Griechenlands zeigt, dass Großbritannien Recht damit hatte, nicht der Währungsunion beizutreten, findet die Tageszeitung The Times: "Die Krise illustriert, dass der Euro ein fehlerhaftes Projekt ist. ... Wie britische Steuerzahler wissen, hat fiskalische Verschwendung ihren Preis, mit oder ohne Euro. Der grundsätzliche Einwand gegen den Euro ist, dass er sowohl zu einer gemeinsamen Haushaltspolitik als auch zu einem gemeinsamen Zinssatz führt. Griechenlands Sorgen verdeutlichen dies - und die Steuerzahler anderer Euroländer zahlen den Preis. Großbritannien hat seine eigenen wirtschaftlichen Probleme, aber die britischen Wähler haben immerhin die Macht, die Politiker zu bestrafen, die die Probleme verschuldet haben. Dem Euro beizutreten bedeutet, dieses demokratische Recht aufzugeben."

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Erfolgsgeschichte Euro
The Irish Times - Irland, Montag, 5. Januar 2009

Mit Blick auf die Finanzkrise kommentiert die Tageszeitung The Irish Times den Erfolg des Euros zehn Jahre nach seiner Einführung. "Der Euro hat sich trotz der vielen düsteren Warnungen von Skeptikern, dass die Währung dem Untergang geweiht sei, als ein bemerkenswerter Erfolg herausgestellt. Die europäische Einheitswährung würde 'ökonomisch, sozial und politisch' scheitern, insistierte [die ehemalige britische Premierministerin] Margaret Thatcher: Sie lag in allen Punkten falsch. In der Tat war die Stärke und Stabilität des Euros niemals offensichtlicher als in den letzten Monaten, als die globalen finanziellen Turbulenzen sich nach dem Kollaps der [US-Investmentbank] Lehman Brothers verschärften. Im Unterschied dazu sind die Schwierigkeiten, die dies für einige Länder außerhalb der Eurozone wie Dänemark mit sich brachte, allzu offensichtlich. Um den Wechselkurs zu verteidigen und Kapitalflucht zu verhindern, müssen sie den Leitzins hoch halten. Es ist keine Überraschung, dass die öffentliche Meinung in vielen dieser Länder (zum Beispiel Dänemark und Polen) sich in Richtung Beitritt zur Eurozone bewegt."

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Martin Feldstein zweifelt den Euro an
Világgazdaság - Ungarn, Dienstag, 8. Dezember 2009

Der Harvard Ökonom Martin Feldstein hinterfragt in der Wirtschaftszeitung Világgazdaság die Existenz der europäischen Gemeinschaftswährung Euro: "Obwohl der Euro den Handel vereinfacht, schafft er erhebliche Probleme für die Geldpolitik. Schon vor seiner Geburt fragten manche Ökonomen (auch ich selbst), ob eine Gemeinschaftswährung für eine derart heterogene Gruppe von Ländern überhaupt wünschenswert wäre. ... Die gegensätzlichen Bedingungen in Deutschland und Spanien veranschaulichen das Problem. ... Deutschland verzeichnete in den zwölf Monaten bis letzten August einen Außenhandelsüberschuss von 117 Milliarden Euro, wohingegen Spanien in den letzten zwölf Monaten ein Außenhandelsdefizit von 56 Milliarden Euro anhäufte. ... Hätte Spanien immer noch die Peseta und Deutschland die D-Mark, würden die Unterschiede in den Handelsbilanzen zu einer Aufwertung der Mark und einer Abwertung der Peseta führen. Durch die schwächere Peseta würde die Nachfrage nach spanischen Exporten angekurbelt und Spaniens Importe verringert, wodurch wiederum die Binnennachfrage gestärkt und die Arbeitslosenzahlen verringert würden."

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Euro-Einführung in Polen ein erster wichtiger Schritt
Dziennik Gazeta Prawna - Polen, Donnerstag, 19. Februar 2009

Die Soziologin Jadwiga Staniszkis kommentiert in einer Kolumne den Plan der polnischen Regierung, den Euro einzuführen. Sie hält diese Idee für einen richtigen Schritt in der jetzigen Krise: "Die Lage der polnischen Wirtschaft ist zwar beunruhigend, doch es ist nicht nötig, Alarm zu schlagen. Ich denke, dass die vorsichtigen Überlegungen der Regierung, die europäische Währung direkt auf den Markt zu bringen, in der gegenwärtigen Situation ein erster richtiger Schritt sind. Er ist ausreichend vorsichtig und nicht von Panik geprägt. Die Kommentare im Westen, die sich mit der Lage in Polen befassen, sind unterschiedlich: 'The Economist' hat betont, dass die Krise nicht von unserer Wirtschaft verursacht wird, sondern im Zusammenhang mit äußeren Faktoren steht. Und außerdem werden wir nicht von den internationalen Banken unterstützt, die sich in Kreditangelegenheiten unfair verhalten. Sie wenden unterschiedliche Standards an, die bei uns wesentlich rigoroser sind."

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