Europa aus dem All. Aufgenommen vom Satelliten "Envisat"

7.10.2010 | Von:
Dagmar-Roth-Behrendt

Trotz allem: Vorbild Europa

Standpunkt Dagmar Roth-Behrendt

Europa geht beim Klimaschutz mit gutem Beispiel voran, meint Dagmar Roth-Behrendt. Auch wenn die EU ihre Ziele noch erhöhen könnte, sei die Liste der europäischen Klimaschutz-Aktivitäten lang, die Ziele richtig und ambitioniert.

Dagmar Roth-BehrendtDagmar Roth-Behrendt (© Dagmar Roth-Behrendt)
Wie viele andere Menschen habe ich die Berichterstattung über den Klimagipfel in Kopenhagen 2009 in den Medien verfolgt und gesehen, wie die Chancen auf einen Erfolg der Konferenz von Tagesschau zu Tagesschau kleiner und die Statements zurückhaltender wurden. Auch Vertreterinnen und Vertreter des Europäischen Parlaments waren - allerdings mit gedämpften Erwartungen - im Dezember 2009 vor Ort und haben bis zuletzt um eine Einigung gerungen. Ich habe mich auch dieses Mal - wie bereits bei Rio de Janeiro, Kyoto und anderen "Klimagipfeln" - dafür entschieden, nicht an der Konferenz teilzunehmen. Mein Frustpotenzial ist nicht groß genug, um mit Teilnehmern aus über 140 Staaten über Tage hinweg zu ringen und dann nicht zu klaren Vereinbarungen und zur Festlegung verpflichtender Ziele zu kommen.

Die Konferenzen entfalten aber dennoch einen "psychologischen" Druck auf manche Staaten und rücken die wichtige Aufgabe der Bekämpfung des Klimawandels in den Mittelpunkt. Sicherlich haben die Klimakonferenzen einen Anteil daran, dass inzwischen auch Regierungschefs "CO2" flüssig aussprechen können, die das vor einigen Jahren noch für eine seltene Krankheit gehalten haben.

Diese Sensibilisierung brauchen wir, um die Erderwärmung und die damit verbundenen Folgen zu stoppen. Eben diese Folgen wurden von verschiedenen Delegierten auch in Kopenhagen benannt. So hat der Vertreter Tuvalus, eines 26 Quadratkilometer kleinen Inselstaats im Pazifik, mit belegter Stimme geschildert, dass eine Erderwärmung um 2 Grad Celsius für sein Land "den Tod" bedeuten würde, weil die Insel im Meer versinken würde.

Diese Geschichte zeigt zwei Dinge: Zum einen die Gefahren, die von der Erderwärmung ausgehen und von manchen "hier im Westen" als "naja, so schlimm ist es ja nun auch nicht, die 2 Grad" abgetan werden.

Zum anderen zeigt es aber, dass ein Scheitern der Verhandlungen schon dadurch eingeläutet wird, dass mit den Obamas, Merkels, Zapateros und Wen Jiabaos nur die Industrie- und Verschmutzerstaaten dieser Welt am Verhandlungstisch sitzen, während die Entwicklungsländer, um deren Zukunft es geht, wie beim Kindergeburtstag daneben am Katzentisch sitzen und später erfahren, was die Großen besprochen haben und planen. Genau so scheinen sich die Entwicklungs- und Schwellenländer zu fühlen, denn anders ist es nicht zu erklären, dass sie sich - zum wiederholen Male - gegen den vorgeschlagenen "Kompromiss" gestellt haben.

Die berühmten "fünf Minuten vor zwölf" sind längst vorbei, es ist eine Minute vor zwölf. Wir können hoffen, dass die Uhr noch einmal angehalten werden kann, um uns allen die Chance zu geben, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass die Lebensgrundlagen der nächsten Generationen erhalten werden. Jeder, der den Prozess verfolgt hat und bei Verstand ist, muss realisieren, dass die Europäische Union das einzige Gebilde ist, das diesen Prozess jetzt vorantreiben und moderieren kann. Sie ist zwar nicht der größte und mächtigste Akteur der Welt, aber sicher der am besten koordinierte und - zumindest immer noch - homogenste. Denn die Interessenlagen innerhalb der USA, Chinas, Indiens und anderer Staaten sind noch unterschiedlicher als das bei uns der Fall ist.

Auch deshalb spielt die Europäische Union eine besondere Rolle in der Welt, und sie geht mit gutem Beispiel voran.

Beim Umweltschutz ist diese führende Rolle beweisbar und wird in der Welt wahrgenommen. Viele Maßnahmen, die hier in den letzten Jahren ergriffen wurden, waren mit großen Anstrengungen und Umstrukturierungen verbunden: Austausch von Trinkwasserleitungen für sauberes Trinkwasser, Austausch ganzer Müllverbrennungs- oder Produktionsanlagen, um niedrige Grenzwerte für eine saubere Luft einzuhalten sowie der Einbau von Rußpartikelfiltern in Autos und LKWs, um Feinstaub aus den Innenstädten zu bringen, sind nur einige Beispiele.

Auch die Reduzierung der CO2-Emissionen ist eines der Hauptziele weltweiter Bemühungen im Kampf gegen den Klimawandel. Die Europäische Union hat dafür 2005 ein Emissionshandelssystem eingeführt, das die Verschmutzer an den von ihnen verursachten Kosten beteiligt. Das System wies bisher beträchtliche Mängel auf, wird aber in seiner dritten Phase ab 2013 reformiert und erfüllt dann hoffentlich den Zweck, den es erfüllen soll. Während viele dieser Verschmutzungserlaubnisse (Zertifikate) bisher kostenlos vergeben wurden, müssen die Unternehmen künftig tiefer in die Tasche greifen, wenn sie ihre Emissionen nicht reduzieren. Die frei vergebenen Zertifikate werden deutlich reduziert, und der Richtwert errechnet sich aus den führenden "Verschmutzern" einer Branche. Damit soll ein Rückgang der EU-weiten CO2-Emissionen um 21 % bis 2020 (im Vergleich zu 2005) erreicht werden.