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12.7.2010

Klima- und Umweltschutz

Eine Auswahl von eurotopics.net

Ist der Weltklimarat glaubwürdig? Wurde der Klimagipfel in Kopenhagen den Erwartungen gerecht? Und was kann die EU mit ihren Klimaschutzzielen bewirken? Stimmen aus der europäischen Presse.

euro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschaueuro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschau (© bpb)
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Schweden braucht Elektroautos
Expressen - Schweden; Montag, 5. Juli 2010

Schweden hat eine günstige CO2-Bilanz im europäischen Vergleich, doch es geht noch besser, findet die Boulevardzeitung Expressen: "Das liegt zum Teil am geografischen Glück, denn wir haben viele Flüsse, deren Wasserkraft genutzt werden kann. Teils liegt es an der politischen Klugheit, dass wir uns entschieden haben Kernkraftwerke zu bauen und deren Erneuerung zu erlauben. Aber besser kann es immer werden. Jetzt geht es darum, den CO2-Ausstoß des Verkehrs zu vermindern. Damit das gelingt, müssen wir auf elektrische Fahrzeuge setzen, vor allem auf Autos. ... Viele der großen Fahrzeugunternehmen bieten Elektroautos an, die eine große Reichweite haben und hohe Geschwindigkeiten erreichen. Die Entwicklung beruht auf der steigenden Nachfrage wegen der Klimaerwärmung. Viele Staaten bieten ihren Bürgern einen finanziellen Kaufanreiz für E-Autos. Dem sollte Schweden folgen."

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Janne Hukkinen fordert ein niedrigeres Wirtschaftswachstum
Helsingin Sanomat - Finnland; Mittwoch, 26. Mai 2010

Wirtschaftswachstum wird häufig als zwangsläufige Voraussetzung für die Rettung der Wohlfahrtsgesellschaft angesehen. Janne Hukkinen, Professor für Umweltpolitik, widerspricht dem in seinem Gastbeitrag in der Tageszeitung Helsingin Sanomat: "Laut zahlreichen Studien gehen Wohlergehen und Lebensqualität der Menschen schon lange nicht mehr Hand in Hand mit dem Wirtschaftswachstum. Wirtschaftswachstum garantiert in der postindustriellen Gesellschaft nicht mehr die Sicherung eines hohen Lebensstandards. Stattdessen bedroht es die Lebensfähigkeit der Ökosysteme der Erde. ... Man muss die Wirtschaft nicht wachsen lassen, sondern sie beschneiden. Das bedeutet nicht Knappheit und Elend, sondern Angemessenheit und Wohlstand. Die kulturelle Forschung hat gezeigt, dass Kulturen ihre materiellen Bedürfnisse und die zur Befriedigung dieser erforderlichen Ressourcen zu unterschiedlichen Zeiten sehr verschieden definieren. Die vom Wirtschaftswachstum verursachte Umweltbelastung muss schneller verringert werden, als die Weltbevölkerung wächst und bevor das globale Ökosystem bis zur Mitte des Jahrhunderts seine absoluten Grenzen erreicht hat."

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Erdöl ist Droge der USA
Libération - Frankreich; Freitag, 30. April 2010

Ein Grund für die Katastrophe im Golf von Mexiko ist die Abhängigkeit der USA vom Erdöl, meint die linksliberale Tageszeitung Libération: "Man muss zugeben, dass die USA nach der Droge Erdöl süchtig sind. In dem Land, in dem König Auto regiert und der Lastwagen triumphiert, sind Fahrzeuge ein Sinnbild der Freiheit. Und wie jede Drogensucht bringt auch die Abhängigkeit vom Erdöl Nebenwirkungen mit sich und die Gefahr einer Überdosis. Die internationalen Großkonzerne, die den Kreislauf der Droge Erdöl speisen, neigen selbstverständlich dazu, die Ausgaben für Sicherheitsmaßnahmen im Namen des Profits zu begrenzen. Die einen haben sich an das Erdöl gewöhnt, die anderen sind vom Wahn der Rendite besessen: Darum ist euer Golf verschmutzt."

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Weltklimarat ist glaubwürdig
The Times - Großbritannien; Montag, 15. März 2010

Die Vereinten Nationen haben ein Aufsichtsgremium eingesetzt, das die Arbeit des Weltklimarats IPCC überprüfen soll. Damit reagieren sie auf die Kritik, die Thesen des Rats zum Klimawandel seien generell überzogen. Doch die Gefahren durch die Klimaerwärmung sind real, meint die Tageszeitung The Times: "Der IPCC ist keine selbstgewählte Gruppe von Wissenschaftlern mit politischen Hintergedanken. Sie wurde 1988 vom Welt-Meterologenverband und dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gegründet mit dem Auftrag, akkurate und ausgewogene Gutachten über den vom Menschen verursachten Klimawandel zu erstellen. ...Vielleicht gibt es einen Vorwurf, den man den IPCC-Wissenschaftlern machen kann: Sie haben ihre Integrität nicht schnell genug öffentlich verteidigt. Sie waren nicht gewillt, sich mit ihrem Anliegen an Radiostationen und Zeitungen zu wenden. Aber Wissenschaftler stehen heute mächtigen Organisationen gegenüber, die daran arbeiten, die Forschungen hinter dem Klimawandel zu verfälschen und in Verruf zu bringen."

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UN-Klimachef geht überraschend
Il Sole 24 Ore - Italien; Freitag, 19. Februar 2010

Der oberste Klimaschützer der Vereinten Nationen, Yvo de Boer, hat am Donnerstag völlig überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Darin sieht die Wirtschaftszeitung Il Sole 24 Ore eine Chance, die Rolle des Uno-Klimasekretariats zu überdenken: "Derzeit hat niemand mehr mit einer solchen Entscheidung gerechnet, die noch vor zwei Monaten [nach dem Scheitern der Klimakonferenz von Kopenhagen] verständlich gewesen wäre. ... Yvo de Boer hat bei seinem Abgang nicht die Türen zugeschlagen, aber aus seinen Abschiedsworten spricht eindeutig Frustration. Am Tag nach dem dänischen Gipfel, auf dem die Interessen der reichen Welt und die der armen Welt aufeinandergeprallt sind, hatten viele von der Notwendigkeit gesprochen, die UN-Klimakonvention selbst, ihre Rolle und ihre Mechanismen, zu überdenken. Dies könnte nun geschehen."

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Besser erneuerbare Energien fördern
Der Standard - Österreich; Donnerstag, 18. Februar 2010

So klimafreundlich ist Atomstrom gar nicht, meint die österreichische Tageszeitung Der Standard, und fordert, dass das AKW-freie Österreich sich konsequenter für Alternativen einsetzt: "Da redet man lieber davon, dass in einem AKW kein Kohlenstoff verbrannt wird und die Atomenergie daher klimafreundlich wäre - was sich unter Einrechnung des sonstigen Energieaufwands relativieren würde. Aber so genau wird eben nicht gerne gerechnet. Sonst käme man zu dem Ergebnis, dass man mit dem Aufwand für die Atomindustrie viel sinnvollere Projekte angehen könnte - etwa im Bereich erneuerbarer Energieträger. Oder im Bereich der Wärmedämmung, in der wesentlich mehr Potenzial steckt als in der Umrüstung auf Energiesparlampen, die die EU forciert. Zur EU gehört eben auch Euratom, wo Österreich weiter fleißig mitzahlt. Und damit eine Politik fördert, die in Sonntagsreden von allen Politikern abgelehnt wird. In Glaubensfragen sollte man mehr Festigkeit erwarten."

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Düstere Aussichten für Klimaabkommen in Mexiko
Süddeutsche Zeitung - Deutschland; Mittwoch, 3. Februar 2010

Über 50 Staaten haben beim UN-Klimasekretariat ihre nationalen Ziele im Kampf gegen die Erderwärmung eingereicht, wie sie es bei der Klimakonferenz in Kopenhagen vereinbart hatten. Doch die selbstgesteckten Ziele sind ein Konvolut des kollektiven Scheiterns, meint die linksliberale Süddeutsche Zeitung: "Alle Bekenntnisse zum Klimaschutz sind ausgetauscht. Seine Folgen sind für manche Länder schon jetzt spürbar und werden es für alle anderen in absehbarer Zeit sein. Technologien, die ein Wachstum auch ohne Verbrennung endlicher Rohstoffe erlauben, sind bekannt und erprobt. ... Sollten nicht Länder wie Japan und die EU-Staaten noch einmal eine Initiative ergreifen, sollte Barack Obama mit seinem Klimagesetz scheitern, wird es auch in Mexiko kein Abkommen geben. Doch Japan plagt derzeit die Wirtschaftskrise mehr als das Klima, die Europäische Union hat - wie übrigens auch die deutsche Bundesregierung - jede Führungsrolle im Klimaschutz aufgegeben, die Aussichten für ein Klimagesetz in den USA haben sich verdüstert. Dass Mexiko, der nächste Gastgeber, als einziges großes Schwellenland bisher zu seinen Klimazielen schweigt, spricht Bände."

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Vor den Gletschern schmilzt das Vertrauen
Die Presse - Österreich; Mittwoch, 27. Januar 2010

Der UN-Weltklimarat IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) hat eingeräumt, mehrere falsche Prognosen zum Klimawandel gestellt zu haben. Die Tageszeitung Die Presse kritisiert, dass der IPCC seinen Ruf ruiniere: "Das begann im Herbst, als bekannt wurde, dass in den letzten zehn Jahren die Temperaturen global nicht um ein hundertstel Grad gestiegen sind. Der Befund kam von der eigenen Zunft, Klimatologen, aber er kam bei Klimabesorgten im IPCC schlecht an. ... Kommen zusammen: (a) Fehler, (b) eine Struktur, die sie ermöglicht, wenn nicht provoziert, (c) eine Person an der Spitze, die sich in Verdacht bringt, beim Akquirieren von Forschungsgeld mit dem Fehler operiert zu haben. (a) Fehler kommen natürlich vor, (b) das strukturelle Problem will das IPCC beheben. - Bleibt der Mann an der Spitze [IPCC-Chef, Rajendra Pachauri]. Er denkt nicht an Rücktritt, offenbar wird er ihm vom eigenen Gremium auch nicht nahegelegt. Anders wird sich allerdings das rapide Schmelzen des Vertrauens, auch in die Wissenschaft ganz generell, nicht aufhalten lassen."

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Verschwörungstheorien erwachsen aus Misstrauen
NRC Handelsblad - Niederlande; Mittwoch, 23. Dezember 2009

Der Klimawandel ist eine Erfindung von Umweltaktivisten und hinter der Schweinegrippe steckt die Pharmaindustrie: Verschwörungstheorien sind im 21. Jahrhundert populär. Kein Wunder, meint der Philosoph Rob Wijnberg in der Tageszeitung nrc.next: "Die Kluft zwischen Bürgern und Politik spielt dabei auch eine Rolle. Viele Menschen hegen derzeit ein tiefes Misstrauen gegen Machthaber und Regierungen. Dadurch klingen Theorien, die beschreiben, wie die Welt hinter ihrem Rücken durch eine allmächtige Elite gelenkt werden soll, umso plausibler. Komplotte gedeihen gut in Zeiten des Misstrauens. Im 21. Jahrhundert gibt es außerdem genug Anlass zu Spekulationen. So wurde gelogen über Massenvernichtungswaffen im Irak, um einen Krieg zu rechtfertigen; so hat eine kleine Gruppe Banker eine weltweite ökonomische Krise verursacht und sammeln Obrigkeiten immer mehr sensible Privatinformationen. Dann kann man als Staat auch nur wenig Vertrauen erwarten."

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Frust nach Kopenhagen
Top-Thema; Montag, 21. Dezember 2009

Die Staatenlenker der Welt haben die Kopenhagen-Übereinkunft zur Begrenzung der Treibhausgase zur Kenntnis genommen, ihr aber nicht zugestimmt. Die Presse ist tief enttäuscht. Sie hofft nun auf das Nachtreffen in Bonn und denkt über eine Klimaregierung nach, die selbstständig entscheiden kann.

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Schwellenländer fühlen sich als Klimaopfer
Dagens Nyheter - Schweden; Donnerstag, 17. Dezember 2009

Das reflexhafte Verhalten vor allem der Schwellenländer als Hilfsempfänger und Opfer behindert einen Erfolg des Klimagipfels in Kopenhagen enorm, meint die Tageszeitung Dagens Nyheter: "Die alte Aufteilung der Welt in Entwicklungs- und Industrieländer stimmt nicht länger. In welche Kategorie gehört Indien? Oder China? ... Zu den beim Umweltgipfel genannten Entwicklungsländern gehört die G77-Gruppe. Ein Netzwerk, das 1964 innerhalb der UN gegründet wurde und ursprünglich auch aus 77 Ländern bestand. Obwohl die Welt seitdem besser geworden ist und wir eine neue und tragfähige Mittelklasse unter den früher armen Ländern haben, ist die Gruppe auf 130 Länder angewachsen. Darunter Staaten wie Indien, Brasilien und China und das ölreiche Kuwait. ... Es zeigt sich, das diese Länder eher das Selbstbild von einem Objekt haben, das Kompensation braucht, denn das Bild eines Subjekts, das für die Zukunft selbst handeln kann. Das hilft dem Klima nicht."

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Michail Gorbatschow über Politik und Klimawandel
Komment - Ungarn; Montag, 14. Dezember 2009

Anlässlich des UN-Klimagipfels in Kopenhagen kritisiert der ehemalige sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow auf dem Online-Portal Komment.hu den laschen Umgang der Politik mit dem Klimawandel: "Jeder Vorwand, der dazu dient die Beantwortung der brennenden Umweltfragen hinauszuzögern, ist heutzutage unglaubwürdig. Auch jenes Argument, wonach es andere, wichtigere Probleme gebe. Wenn wir in dieser Frage scheitern, scheitern wir in allem anderen auch. ... Die neuesten wissenschaftlichen Daten zur Klimaveränderung sind alarmierend: Wir befinden uns in einer Notlage. Dennoch weitet sich die Kluft zwischen Wissenschaft und Politik immer mehr. ... Die Gründe für das halbherzige politische Vorgehen gegen den Klimawandel sind vielfältig. Erstens: Das derzeitige Wirtschaftsmodell gründet auf Megaprofiten und einem entfesselten Konsum. Zweitens: Die Lenker von Politik und Wirtschaft sind außerstande, langfristig zu denken. Drittens: Es wird befürchtet, dass die Senkung der Kohlendioxid-Emissionen negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben könnte."

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Zwei Wochen Klima retten
Top-Thema; Montag, 7. Dezember 2009

Jede zweite Spezies könnte aussterben, Millionen Menschen heimatlos werden, ganze Länder im Meer versinken. Um das zu verhindern, treffen sich seit Montag 192 Staaten zum Klimagipfel in Kopenhagen. Die Erwartungen sind groß, bis hin zu einer neuen Weltordnung für mehr Klimagerechtigkeit.

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Seltsame Sorge um die Umwelt
Polska - Polen; Donnerstag, 3. Dezember 2009

Umweltbewusstsein ist in Polen sowohl bei Konsumenten als auch bei Unternehmen kaum ausgeprägt. Igor Zalewski von der Tageszeitung Polska witzelt über die ersten Versuche von Firmen, mit Hilfe elektronischer Rechnungen Papier zu sparen: "Ökologie ist heutzutage fast so in Mode, wie Witze über die Kaczynski-Brüder [Politiker Lech und Jaroslaw Kaczynski] zu machen. ... Einige Beispiele der Wertschätzung für die Natur gibt es ja schon. Da versuchen einige Unternehmen ihre Kunden dazu zu bringen, auf Rechnungen in Papierform zu verzichten und Abrechnungen auf dem elektronischen Wege anzunehmen. Das Sparen von Holz soll künftigen Generationen zugute kommen. ... Da gibt es aber noch dieses Kabelfernsehen, es heißt UPC, das auch keine Rechnungen in Papierform mehr schicken und einem die elektronischen Rechnungen aufdrücken will. Doch macht es das auf eine interessante Art: Es schickt den Kunden die Ankündigung, Holz zu sparen, per Brief in Papierform."

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EU formuliert Klimaziele
Top-Thema; Donnerstag, 22. Oktober 2009

Als Vorbereitung auf die Klimakonferenz in Kopenhagen haben die europäischen Umweltminister am Mittwoch ihre Klimaschutzziele für 2050 vereinbart. Die USA und Australien diskutieren noch ihre Vorschläge, China und Indien könnten sich verweigern. Die Presse fürchtet, dass die Ziele Europa teuer zu stehen kommen und der Welt wenig nutzen.

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