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Symbole der Europäischen Union

Standpunkt Günter Buchstab


13.9.2010
"In Vielfalt geeint" lautet das Motto der EU. Darin kommt die Unterschiedlichkeit der Sprachen und Kulturen der 27 Mitgliedsstaaten zum Ausdruck. Für Günter Buchstab zeigt die Union in ihren Symbolen ihre Identität: etwa in der Flagge oder der gemeinsamen Währung.

Dr. Günter BuchstabDr. Günter Buchstab (© Günter Buchstab)
In Symbolen als Medium visueller und akustischer Kommunikation verdichten sich individuelle und kollektive Gemeinsamkeiten, Verhaltensmuster, Glaubensinhalte, Sinnzusammenhänge, Weltbilder und Wertvorstellungen. Ihre Wirksamkeit hängt von der Bereitschaft der Menschen ab, sich mit ihrer Botschaft zu identifizieren. Dies gilt auch für nationale Symbole, die nicht nur Zeichen staatlicher Souveränität und Autorität sind, sondern in ihrer ideellen Bedeutung auch Nationalbewusstsein und den Willen zur Zusammengehörigkeit ausdrücken. Welche Gefühlsreaktionen sie auslösen, hat sich jüngst wieder bei der Fußballweltmeisterschaft gezeigt.

So wie jedes Land mit seinen historisch gewachsenen nationalen Symbolen Gemeinschaft und Eigenständigkeit demonstriert, sollten nach den Vorstellungen der Anhänger der Europaidee auch für das "europäische Haus" (Konrad Adenauer 1961) Selbstverständnis und Identität symbolisch zum Ausdruck kommen. Schon unmittelbar nach seiner Gründung im Jahr 1949 setzten im Europarat, der ältesten politischen Organisation Europas, Überlegungen ein, mit welchen Symbolen der "europäische Traum" den Bürgern nahegebracht und vermittelt werden könnte. Nachdem das Europäische Parlament sich 1985 dessen Vorstellungen zu Flagge, Hymne und Europatag zu Eigen gemacht hatte, setzte der Europäische Rat der Staats- und Regierungschefs sie 1986 in Kraft. Heute - 60 Jahre nach Beginn der trotz mancher Rückschläge doch erstaunlich erfolgreichen europäischen Integration - gelten aufgrund des am 29. Oktober 2004 in Rom unterzeichneten, aber gescheiterten Verfassungsvertrags als offizielle Symbole der Union:
  • "Die Flagge der Union stellt einen Kreis von zwölf goldenen Sternen auf blauem Hintergrund dar.
  • Die Hymne der Union entstammt der Ode an die Freude aus der Neunten Symphonie von Ludwig van Beethoven.
  • Die Devise der Union lautet: 'In Vielfalt geeint'.
  • Die Währung der Union ist der Euro.
  • Der Europatag wird in der gesamten Union am 9. Mai gefeiert."


Am Anfang der Entwicklung stand die Konzeption einer Flagge. Nach langwierigen Diskussionen, in denen unter anderem die Flagge der Paneuropäischen Bewegung des Grafen Richard Nikolaus von Coudenhove-Kalergi von 1927, die eine goldene Sonne mit rotem Kreuz auf blauem Grund zeigt, aufgrund des heftigen Widerstands der Türkei gegen das Symbol des christlichen Kreuzes verworfen wurde, einigte sich der Europarat auf eine Fahne mit zwölf Sternen als einem rein symbolischen Zeichen. Sie wurde am 13. Dezember 1955 in Paris erstmals als "Europafahne" gehisst und wie folgt begründet: "Gegen den blauen Himmel der westlichen Welt stellen die Sterne die Völker Europas in einem Kreis, dem Zeichen der Einheit, dar. Die Zahl der Sterne ist unveränderlich auf zwölf festgesetzt; diese Zahl versinnbildlicht die Vollkommenheit und die Vollständigkeit ... Wie die zwölf Zeichen des Tierkreises das gesamte Universum verkörpern, so stellen die zwölf Sterne alle Völker Europas dar, auch diejenigen, welche an dem Aufbau Europas in Einheit und Frieden noch nicht teilnehmen können." Die Anzahl der Sterne entspricht also nicht - wie vielfach gemeint - der Zahl der Mitgliedstaaten wie etwa in der Flagge der USA. Da jedoch auch nach dieser Entscheidung eine Vielzahl von europäischen Fahnen in Gebrauch blieb, konnte sich die erhoffte psychologische Wirkung eines einheitlichen Emblems erst nach dem Beschluss des Europäischen Rats entfalten.