Europa aus dem All. Aufgenommen vom Satelliten "Envisat"

12.7.2010

Sprachenvielfalt

Eine Auswahl von eurotopics.net

Sollen die Briten Fremdsprachen lernen? Ist Schwedisch in Finnland überflüssig? Verdrängt Russisch das Deutsche? Und wie kann Kino zur Mehrsprachigkeit beitragen? Stimmen aus der europäischen Presse.

euro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschaueuro|topics: 28 Länder - 300 Medien - 1 Presseschau (© bpb)
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Esten lernen eifrig Englisch
Eesti Päevaleht - Estland; Dienstag, 28. September 2010

Bei einer Untersuchung der europäischen Statistikbehörde Eurostat haben rund 28 Prozent der befragten Esten angegeben, sie verfügten über gute Englischkenntnisse. Für die Tageszeitung Eesti Päevaleht ist das Anlass zum Stolz: "Estland gehört damit zu den Klassenbesten in Europa. Natürlich sind die Zahlen beispielsweise in Schweden noch besser, und die für ihr gutes Englisch bekannten Dänen und Niederländer wurden gar nicht erst in die Untersuchung einbezogen, was eine allzu große Euphorie natürlich dämpft. Aber gute Englischkenntnisse genießen in Estland tatsächlich ein hohes Maß an Wertschätzung, und die Ergebnisse bei den staatlichen Prüfungen sind durchaus beachtlich. Aber es darf auch nicht vergessen werden, dass das Niveau in den Schulen durchaus unterschiedlich ist: So sind beispielsweise die Resultate der Schüler in den russischsprachigen Schulen besser als die Ergebnisse in den Schulen mit Estnisch als Unterrichtssprache."

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Englisch ist nicht Maß aller Dinge
Lidové noviny - Tschechien; Dienstag, 17. August 2010

Die neue tschechische Regierung will ungeachtet eines Mangels an qualifizierten Lehrern Englisch zur Pflicht-Fremdsprache an den Schulen erklären, was Deutsch ins Hintertreffen brächte. Die konservative Tageszeitung Lidové noviny hält das für keine gute Idee: "Die Mehrheit unserer Investoren kommt aus Deutschland. Derjenige, der mit ihnen in ihrer Muttersprache kommunizieren kann, ist im Vorteil. Ein im Ausland Arbeit suchender Handwerker geht nach Deutschland. ... Für praktisch Veranlagte mit einem regionalen Lebenshorizont ist Deutsch erste Wahl. Schulen sollten daher ab der 3. Klasse Deutschunterricht und erst ab der 6. Klasse zusätzlich Englischunterricht anbieten. Kinder, die in die angelsächsische Welt aufbrechen wollen, könnten bei einem qualifizierten Unterricht ihre Verspätung wett machen. Es wäre zum Beispiel hilfreich, wenn das Fernsehen endlich Filme in ihrer Originalsprache ausstrahlen würde."

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Scheu vor Fremdsprachen schadet Großbritannien
The Observer - Großbritannien; Montag, 16. August 2010

Seit dem Erlass der Labour-Regierung 2004, nach dem Fremdsprachen an britischen Schulen nicht länger Pflichtfach sind, ist Schulbehörden zu Folge, die Bereitschaft der Briten zurückgegangen, eine zweite Sprache zu lernen. Das wird Großbritannien schaden, meint der deutschstämmige Dichter und Übersetzer Michael Hofmann in der linksliberalen Sonntagszeitung The Observer: "Die so genannte 'Weltsprache' Englisch ist die Muttersprache von gerade mal 7 Prozent der Weltbevölkerung; 75 Prozent sprechen überhaupt kein Englisch. Sprachen sind eine der ältesten, tiefgründigsten, verblüffendsten und durchdachtesten Erfindungen der Menschheit. Eine Verachtung für, oder Desinteresse an allen anderen [Sprachen] scheint mir kein zivilisierter oder auch nur akzeptabler Tatbestand. Ausländer werden trotz allem weiterhin Englisch lernen. Die Briten haben, so scheint mir, die Verpflichtung, das zu erwidern. Man kann es nennen, wie man will: Gegenseitigkeit, Höflichkeit, einen fairen Austausch, gute Sitten. Es nicht zu tun, ist in jedem Sinne gehässig. ... Es ist ein Austritt aus dem internationalen Gemeinwesen."

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Finnische Schüler meiden fremde Sprachwelten
Etelä-Saimaa - Finnland; Dienstag, 3. August 2010

Studien zu Folge ist Englisch zunehmend die einzige Fremdsprache, die finnische Schüler lernen. Die Tageszeitung Etelä Saimaa kritisiert das: "Die übermächtige Position der englischen Sprache in der Sprachwahl der Schüler schafft ein trostloses Zukunftsbild. ... Diejenigen, die neu in das Arbeitsleben kommen, kennen nicht einmal Sprache, Sitten, Geschichte und Gegenwart der wichtigsten Export- und Import-Länder. ... Schon Schweden oder Deutschland sind für viele junge Finnen völlig fremde Welten, geschweige denn Russland, Frankreich und Spanien. Die Unkenntnis von Sprache und Kultur errichtet seltsame Mauern, die viele noch dadurch stärken, dass sie vorgefasste Modelle aus Medien- und Unterhaltung in ihr Weltbild einfließen lassen. So können selbst Exportkanonen nicht viele Verträge an Land ziehen."

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Russisch auf dem Vormarsch
Latvijas Avize - Lettland; Donnerstag, 15. Juli 2010

An Lettlands Schulen wird als zweite Fremdsprache immer häufiger Russisch statt Deutsch gewählt. Die Tageszeitung Latvijas Avize sieht dies kritisch: "In den ersten Jahren der Unabhängigkeit entschieden sich viele gegen Russisch, weil man glaubte, auf dem Weg nach Europa ohne diese Sprache auskommen zu können. Darum wollte man lieber Englisch und andere EU-Sprachen lernen, außerdem glaubte man, früher oder später werde jeder in Lettland auch Lettisch sprechen. Das aber hat sich als Illusion erwiesen: Gut ausgebildete junge Leute tun sich schwer, ohne Russischkenntnisse einen Arbeitsplatz zu finden, und darum glauben viele, man komme in Lettland nicht ohne Russisch aus. So denken auch Menschen, die für ein europäisches und nicht für ein postsowjetisches Lettland sind. ... Aber dabei wird uns der Eindruck aufgezwungen, Lettlands wirtschaftliche Zukunft liege in Russland oder anderswo im Osten, während die Zahlen das Gegenteil belegen: Die aktivere Zusammenarbeit haben wir mit der EU."

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EU braucht Einigkeit und Vielfalt
Dagens Nyheter - Schweden; Sonntag, 13. Juni 2010

In einer neuen Grenze wegen unterschiedlicher Sprachen und Kulturen sieht die Tageszeitung Dagens Nyheter den Anfang vom Ende Europas. Mehr Toleranz ist die Lösung: "Europa besteht aus einem bunten Gemisch aus Sprachen und Regionen, die sich oft ungerecht behandelt fühlen. Belgien zu zerstückeln und mitten in Europa eine neue, klare Grenze entlang zweier Sprachen zu bilden, könnte der Beginn eines europäischen Zerfalls sein. Stattdessen sollte den Regionen in der EU genügend Selbstbestimmung im Rahmen der gegenwärtig existierenden Staaten garantiert werden. Alle Bürger sollten darüber hinaus ermuntert werden, mehrere europäische Sprachen verstehen und sprechen zu lernen, statt nur für ihre eigene zu kämpfen. Europa braucht nicht mehr Zersplitterung, sondern mehr Vielfalt bei gleichzeitig größerer politischer Einigkeit."

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Im Kino fremde Sprachen lernen
El Periódico de Catalunya - Spanien; Mittwoch, 17. Februar 2010

Die spanische autonome Region Katalonien streitet darüber, ob man den Anteil der in Katalan gezeigten Kinofilme gesetzlich festlegen soll. In diesem Zusammenhang plädiert die Tageszeitung El Periódico de Catalunya dafür, weniger zu synchronisieren und mehr Untertitel zu benutzen, um die Zuschauer an Fremdsprachen zu gewöhnen: "Alles in allem finden wir es lobenswert, den Gebrauch von Katalan im öffentlichen Raum und im Kino zu fördern. Außerdem halten wir dies für eine gute Gelegenheit, endlich unser Englisch zu verbessen (das, ob wir es wollen oder nicht, eine Universalsprache ist). Angesichts der Tatsache, dass die Sendungen im Originalton mit Untertitel im öffentlichen Fernsehen keinen großen Erfolg haben, könnten die Untertitel im Kino dazu führen, die Bevölkerung relativ schnell zu mehreren Sprachen zu erziehen. Es ist sogar möglich, dass sich die Beliebtheit der Kinderserien wie Inuyasha und Detektiv Konan positiv auswirkt und mehr katalanische Kinder japanisch sprechen."

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Mehr Schwedisch in Finnland
Savon Sanomat - Finnland; Mittwoch, 17. Februar 2010

Schwedisch-Unterricht ist in finnischen Schulen Pflicht, weil das Land laut Verfassung zweisprachig ist. Doch viele Finnen halten ihn für überflüssig. Diese Haltung kann ein Vorschlag der Bildungsministerin Henna Virkkunen aufweichen, schreibt die Tageszeitung Savon Sanomat: "Ihrer Meinung nach könnte mit dem Schwedisch-Unterricht früher begonnen werden, in den letzten beiden Klassen der Unterstufe [5. und 6. Klasse], wenn die Kinder noch Kinder sind. Zu dieser Zeit haben sie noch nicht die Meinung von Eltern oder älteren Mitschülern angenommen und sind auch sonst aufnahmefähiger. Virkkunens Idee ist interessant und bringt in jedem Fall Bewegung in die Diskussion. Von sturen finnischen Männern und Frauen wird die Idee verworfen, aber man sollte sie dennoch prüfen und möglicherweise testen."

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