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31.3.2011

Demografie

Eine Auswahl von eurotopics.net

Babyboom in Finnland, niedrige Geburtenrate in Slowenien: Europas Presse diskutiert die demografische Entwicklung. Wie mit alten Arbeitnehmern umgehen? Wer bestimmt das britische Rentenalter? Und weshalb wurden in Frankreich 2010 so viele Kinder geboren?

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Europa braucht seine alten Arbeiternehmer
Süddeutsche Zeitung - Deutschland; Donnerstag, 27. Januar 2011

Dänemarks rechtsliberale Regierung will das gesetzliche Rentenalter langfristig auf 74 Jahre anheben. Grund ist ein Mangel an Arbeitskräften. Ein guter Vorschlag, lobt die linksliberale Süddeutsche Zeitung, der sich auch für andere europäische Staaten anbietet: "Wir brauchen sie [die älteren Arbeitnehmer], weil eine schrumpfende Bevölkerung ein Wachstumsrisiko ist. Angesichts des drohenden Fachkräftemangels werden die Erfahrung und das Wissen älterer Arbeitnehmer für die Unternehmen unverzichtbar. Großbritannien etwa will die gesetzliche Altersgrenze für Berufstätige abschaffen. Das ist keine schlechte Idee. Denn warum sollte jemand nicht länger arbeiten, wenn er das will? Mehr Flexibilität wäre auch hierzulande wünschenswert. Denn wer in Deutschland über das gesetzliche Rentenalter hinaus arbeiten will, braucht meist die Zustimmung seines Arbeitgebers. Die meisten Arbeitsverträge sind an das gesetzliche Rentenalter gekoppelt und enden dann automatisch. Ältere Mitarbeiter sind wertvoll. Sie zu ignorieren, bedeutet, teuer erworbene Erfahrung zu verschleudern. Europa kann sich das nicht mehr leisten. Doch die Europäer können ihre Politik ändern."

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Franzosen haben Lust Kinder zu bekommen
Les Echos - Frankreich; Mittwoch, 19. Januar 2011

In Frankreich wurden im vergangenen so viele Kinder wie seit 30 Jahren nicht geboren worden, nämlich rund 828.000. Das geht aus den aktuellen Zahlen des französischen Statistikamts INSEE hervor. Die Wirtschaftszeitung Les Echos identifiziert drei Gründe für diesen Trend: "Erstens ist die Anzahl erwerbstätiger Frauen in den vergangenen Jahrzehnten immer größer geworden und so haben sich viele von ihnen erst spät dazu entschieden, Kinder zu bekommen. Der zweite Grund ist politischer Natur. Der Staat treibt durch eine Reihe von Maßnahmen wie Kindergeld, Kinderkrippen und Steuervergünstigungen die Geburtenzahlen in die Höhe. ... Die dritte Ursache für unseren demografischen Aufschwung liegt tiefer: Die Franzosen haben einfach Lust, Kinder zu bekommen. In einem Land, in dem alles unsicherer wird, dessen Zukunftsaussichten nicht sehr rosig sind und das Angst vor der sich verändernden Welt hat, entspricht der Kinderwunsch der Lust, sich trotz allem eine Zukunft zu schaffen."

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Partei für die bemitleidenswerten Älteren
De Volkskrant - Niederlande; Dienstag, 11. Januar 2011

Der Politiker Jan Nagel hat die Partei 50plus gegründet, die sich für die Rechte der über 50-Jährigen und vor allem die Sicherheit ihrer Rente einsetzen will. Richtig so, handelt es sich doch um eine total vernachlässigte Generation, spottet der Kolumnist Bert Wagendorp in der linksliberalen Tageszeitung De Volkskrant: "Bis vor kurzem hörte man über diese Babyboom-Generation ganz andere Dinge: Sie zogen an allen Strippen, füllten sich großzügig ihre Taschen, hatten ein Grachtenhaus und verbrachten gute Zeiten in ihrem Bauernhäuschen in Burgund. Auf der jüngsten Volkskrant-Liste der 200 einflussreichsten Niederländer steht der erste unter 50-Jährige auf Platz 19 (und ist bereits 49 Jahre alt). Aber das sagt gar nichts. ... Wir haben es mit Opfern von Unrecht und Willkür zu tun, doppelt benachteiligt und schwer gestraft. Und wofür? Weil sie 50plus sind und ihr ganzes Leben lang das Land wiederaufgebaut haben. Geht es noch ungerechter? Nein. Und darum ist es gut, dass es Jan Nagel gibt. Jan Nagel ist der Robin Hood der grauen Welle, er stiehlt von den reichen Jungen und schenkt es den armen Älteren."

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Babyboom zeigt finnischen Optimismus
Savon Sanomat - Finnland; Montag, 3. Januar 2011

In Finnland wurden im Jahr 2010 mehr Kinder geboren als jährlich in den vergangenen vier Jahrzehnten zuvor. Der Boom zeigt, dass junge Menschen an die Zukunft glauben, meint die liberale Tageszeitung Savon Sanomat: "Die wachsende Zahl von Babys war in der Hauptstadtregion besonders stark. ... Einer der Gründe für das Phänomen ist, dass viele junge Paare zum Studieren oder Arbeiten aus anderen Teilen des Landes in die Region gezogen sind. Der landesweite Babyboom bedeutet zudem, dass junge Erwachsene an die Zukunft glauben. Das Phänomen ist auch anderswo in Europa zu beobachten. Obwohl die Unsicherheit in der Euroregion groß ist, hindert das die Menschen nicht daran, ein Kind zu bekommen. Ein gutes Beispiel dafür ist auch Deutschland, wo Babys im Rekordtempo geboren werden. In Finnland ist die durchschnittliche Geburtenrate pro Frau von 1,73 im Jahr 2000 nun schon auf 1,86 gestiegen."

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Briten sollen ihr Rentenalter selbst bestimmen
The Times - Großbritannien; Freitag, 30. Juli 2010

Die britische Regierung plant Arbeitgebern zu verbieten, Arbeitnehmer gegen ihren Willen in Rente zu schicken, wenn diese 65 Jahre alt sind. Die Tageszeitung The Times ist begeistert: "In früheren Jahrzehnten, als die Arbeitswelt vom herstellenden Gewerbe dominiert wurde, waren physisch schwächer werdende Arbeitnehmer eine Bremse der Produktivität. Aber in einer Wirtschaft, die durch Dienstleistungen und die Anwendung von Wissen charakterisiert ist, können ältere Arbeitnehmer viel mehr beitragen. Ein zwingendes Rentenalter ist weder für sie von Nutzen noch ein Weg, die Produktivität der Beschäftigten zu erhöhen. Im Gegenteil, es belastet die alternde Gesellschaft, indem es die Kosten des Rentensystems erhöht. Der Vorschlag, den Rentenzwang zu verbieten, würde dieses Problem allein durch seinen Symbolcharakter verbessern. Indem man deutlich macht, dass ältere Arbeitnehmer einen wichtigen Beitrag zur Arbeitswelt leisten, könnte die Regierung viele überzeugen in ihr zu verbleiben. Sie werden sowohl Steuern zahlen als auch Renten beziehen."

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Private Rente löst Demografieproblem nicht
Magyar Hírlap - Ungarn; Mittwoch, 6. Januar 2010

Die private Rentenvorsorge sei eine riskante Lösung für die demografische Krise des Westens, schreibt die rechtskonservative Zeitung Magyar Hírlap. "Das System der privaten Rentenvorsorge bietet scheinbar einen Ausweg aus der Misere. Dieser Schein trügt aber insofern, als die privaten Rentenkassen die Einzahlungen der künftigen Rentner in die Aktien von transnationalen Unternehmen investieren, die in solchen Regionen der Welt Extraprofite erzielen, wo einerseits die Geburtenrate hoch ist, andererseits die Lohnkosten äußerst niedrig sind. ... Das Problem dabei ist, dass man bei diesem Pyramidenspiel auch verlieren kann, weil jene Weltregionen immer entschiedener gegen diese eigentümliche 'Arbeitsteilung' aufbegehren. Im vergangenen Jahr sind auf globaler Ebene ... rund ein Drittel der Ersparnisse in den privaten Rentenkassen 'verschwunden'. Der Verlust entspricht etwa fünf Billionen US-Dollar. ... Sofern es dauerhaft viele Rentner und wenige Aktive geben wird (weil immer weniger Kinder auf die Welt kommen), droht auch bei der privaten Rentenvorsorge ein Kollaps."

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Erhöhung des Rentenalters erfordert Mentalitätswechsel
De Volkskrant - Niederlande; Donnerstag, 1. Oktober 2009

Die Verhandlungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern in den Niederlanden über eine Erhöhung des Rentenalters auf 67 Jahre sind gescheitert. Angesichts des Haushaltsdefizits fordere die Politik nun Einsparungen bei den Renten, schreibt die linksliberale Tageszeitung De Volkskrant: "Im Parlament ist eine große Mehrheit für die Erhöhung des Rentenalters. Aber bei der Konkretisierung gehen die Meinungen auseinander. Die größte Schwierigkeit stellen die Menschen mit niedrigen Einkommen und schweren Berufen dar. Die müssen verschont werden, findet das Parlament zurecht. Nur hat bisher niemand die Frage beantwortet, was und wer zu diesen Kategorien gerechnet werden muss. Um die Einsparung von vier Milliarden zu realisieren, muss mindestens ein Viertel aller Arbeitnehmer bis zum 67. Lebensjahr weiterarbeiten. Das erfordert nichts weniger als einen Mentalitätswechsel. Vor allem für die Arbeitgeber, die gerade in Krisenzeiten geneigt sind, sich älterer Arbeitnehmer zu entledigen."

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Mehr Anerkennung für Senioren
Les Echos - Frankreich; Mittwoch, 24. September 2008

In der Tageszeitung Les Echos fordert die Wirtschaftberaterin Gabrielle Rolland mehr Anerkennung für ältere Arbeitskräfte in der Gesellschaft: "Das Bild der Senioren ist negativ behaftet in einer Gesellschaft, in der ein extremer Jugendwahn herrscht. Schon allein das Wort 'Senior' erinnert an das Alter und an den Abbau. Unter den entwickelten Ländern sind Frankreich und Belgien bezüglich des Anteils an nicht berufstätigen älteren Menschen Rekordhalter. Wir haben es mit einem Paradox zu tun: Zum ersten Mal in der Geschichte haben Männer und Frauen eine um 20 bis 25 Jahre höhere Lebenserwartung und dieses Geschenk des Lebens wird nicht honoriert. ... Länger zu leben, ohne den finanziellen Abstieg zu riskieren, wird nur dann möglich sein, wenn wir gemeinsam das Image der Senioren verändern. ... Denn viele Studien zeigen, dass Arbeit Senioren jung hält, die Mauern zwischen den Generationen einreißt und ein attraktives Image schafft."

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Niedrige Geburtenrate
Finance - Slowenien; Mittwoch, 22. März 2006

Slowenien wird wegen seiner niedrigen Geburtenrate "nie zum Klub der hoch entwickelten europäischen Länder" zählen, schreibt der Ökonom Igor Zalar in einem Gastkommentar zur jüngsten Demografie-Studie der EU. "Wenn wir das ändern wollen, müssen wir sofort die demografische Politik ändern. Eine Umgebung schaffen, in der Kinder gesellschaftlich und sozial erwünscht und nützlich sind... Die zweite Alternative ist eine veränderte Migrationspolitik, die fremde, junge und ausgebildete Arbeitskräfte ins Land holt, die legal beschäftigt werden und alle Sozialabgaben zahlen. Ich denke, wir brauchen mehr Migration, schon wegen des beschleunigten Alterns der slowenischen Gesellschaft. Doch sie kann nicht die einzige Maßnahme bleiben, ansonsten werden wir nach dem Jahr 2030 nur schwer über Slowenien als unser Land sprechen können."

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Mehr als 500 Millionen Menschen leben in der Europäischen Union (EU), mehr als 800 Millionen in Europa. Seit Anfang der 1990er-Jahre hat die Zuwanderung einen größeren Anteil am Bevölkerungswachstum als die natürliche Veränderung des Bevölkerungsstandes. Trotz der Zuwanderung ist Europa die einzige Region der Welt, für die bis 2050 ein Bevölkerungsrückgang prognostiziert wird.

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