Sicherung der gemeinsamen Währung
20.10.2010
Optimaler Währungsraum oder bestmögliche Integration?
Als 1992 mit dem Vertrag von Maastricht, der 1993 in Kraft trat, die gemeinsame Währung "Euro" beschlossen wurde, wurden ihr zwei Funktionen zugewiesen, die durchaus in einem gewissen Widerspruch miteinander standen und stehen. Zum einen sollte der Euro als gemeinsames Geld den Wirtschafts- und Finanzplatz Europa stärken, zum anderen sollte er die Staaten der Europäischen Union zusammenhalten und den, durch die Deutsche Einheit gewachsenen deutschen Einfluss in den gemeinsamen Währungsraum einbringen.
Aus währungspolitischen Gründen wäre es sinnvoll gewesen, nur die Staaten mit gemeinsamem Geld zu versehen, deren wirtschaftliche Daten ähnlich und deren Herangehensweise gleich sind - man spricht in diesem Zusammenhang vom "optimalen Währungsraum". Aus integrationspolitischen Gründen war es jedoch notwendig, möglichst alle EU-Staaten in den Währungsverbund zu integrieren. Tatsächlich schreiben die Europäischen Verträge allen Staaten der EU vor, früher oder später den Euro als Währung zu übernehmen. Lediglich Großbritannien und Dänemark hatten sich schon bei Vertragsabschluss das Recht ausbedungen, mitmachen zu dürfen, aber nicht zu müssen - mit einer sogenannten opt-out-Klausel.
Stabilitäts- und Wachstumspakt
Um möglichst alle EU-Länder in dieses Währungssystem einzubinden und miteinander zu versöhnen sowie eine nur währungspolitisch ähnliche Struktur der Staaten zu schaffen wurden im Stabilitäts- und Wachstumspakt, der mit dem Euro beschlossen wurde, klare Kriterien für die Teilnahme am Euro-Raum festgelegt. Diese Kriterien sollten die Eintrittskarte in den Euro-Raum sein, aber auch weiterhin erfüllt werden. Dabei handelt es sich um eine niedrige Inflationsrate (nicht mehr als 1,5 Prozent über den drei niedrigsten Inflationsraten der anderen EU-Länder), angepasste Zinsen für Staatsanleihen (nicht mehr als 2 Prozent Abweichung gegenüber den drei stabilsten EU-Ländern) und begrenzte Schulden (nicht mehr als 3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Jahr und nicht mehr als 60 Prozent des BIP Gesamtverschuldung).
Die Einführung des Euro als Buchgeld erfolgte 1999, als Bargeld 2002. Anfangs gehörten der Euro-Zone 12 Mitgliedsländer an, zum 1.1. 2011 sind es, nach dem Beitritt Estlands, 17. Gut zehn Jahre nach Einführung des gemeinsamen Geldes lässt sich feststellen, dass die meisten Euro-Staaten, einschließlich Deutschland, die Verschuldungsgrenzen nicht beachtet haben. Als besonders gravierend stellte sich dieses im Jahr 2010 bei Griechenland heraus, das schon 2009 eine Gesamtverschuldung von über 112 Prozent des BIP aufwies.
Griechenlands Kreditkrise
Das Vertrauen der internationalen Finanzinstitute, bei denen sich Griechenland durch Kredite refinanziert hat, sank so weit, dass Griechenland keine neuen Kredite mehr bekam bzw. sie mit einem hohen Risikoaufschlag hätte bezahlen müssen, der das Land immer weiter in die Krise geführt hätte. Während die EU-Staaten noch darüber berieten, wie man Griechenland helfen könnte, gerieten auch andere Euro-Staaten in Diskussionen, ob sie - im Verhältnis zu ihrer Produktivität - noch gute Schuldner seien. Dadurch drohte die gesamte Gemeinschaftswährung ins Rutschen zu kommen. Der Euro verlor 2010 zwischenzeitlich 20 Prozent seines Außenwertes (also im Verhältnis zum US-Dollar oder zum japanischen Yen).
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