Basilius-Kathedrale
1 | 2 Pfeil rechts

Stagnation, Entspannung, Perestroika und Zerfall

(1964 - 1991)


18.10.2010
Die 1960er- und 1970er-Jahre waren von einem Mix aus Entspannung und Ausbau des Imperiums geprägt. Mit der "Perestrojka" von Michail Gorbatschow scheiterte 1991 der letzte Reformversuch in der Sowjetunion - und endete mit dem Sturz des Systems.

Michail Gorbatschow am Sarg seines Vorgängers als KPdSU-Generalsekretär, Konstantin Tschernenko. Einen Tag zuvor, am 11. März 1985, wurde Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt.Michail Gorbatschow am Sarg seines Vorgängers als KPdSU-Generalsekretär, Konstantin Tschernenko. Einen Tag zuvor, am 11. März 1985, wurde Gorbatschow zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. (© AP)

Die neue Führung beeilte sich zunächst, die Partei- und Verwaltungsreform Chruschtschows rückgängig zu machen, und ging dann daran, die Wirtschaftsleitung neu zu ordnen. Die Stellung der Zentralbehörden, insbesondere des Staatlichen Plankomitees (Gosplan), wurde gestärkt, die Leitung der Industriezweige wieder bei den Ministerien zusammengefasst. Gleichzeitig erhielten jedoch die Betriebe erheblich größere Kompetenzen. In den ersten Jahren führten diese Reformen durchaus zu einer Leistungssteigerung, die jährlichen Wachstumsraten verdoppelten sich. Ab Mitte der siebziger Jahre verlangsamte sich das Wachstum aber fühlbar, die Zunahme blieb selbst nach den offiziellen Angaben noch unter der der Chruschtschow-Zeit. Auch die Agrarproduktion stieg in den siebziger Jahren nur geringfügig. Die sowjetische Volkswirtschaft stagnierte.

Ein entscheidendes Problem war, dass es auf Dauer nicht gelang, die Produktivität der Arbeitskraft nachhaltig zu steigern. Zuwächse wurden daher im Wesentlichen durch Heranziehung zusätzlicher Ressourcen (Arbeitskraft, Energie, Rohstoffe) erzielt - das sowjetische Wachstum war extensiv, nicht intensiv. Ursache war das System der Planung und Leitung, das für die Betriebe keine Anreize schuf, mit Ressourcen sparsam umzugehen und innovative Verfahren einzusetzen. Die Unfähigkeit der sowjetischen Volkswirtschaft, in der technologischen Entwicklung den Anschluss an die kapitalistischen Industriestaaten zu halten, war ein wesentlicher Faktor für ihr Scheitern.

In der Innenpolitik bedeutete der Übergang von Chruschtschow zu Breschnjew ein vorsichtiges Abrücken von der Entstalinisierung. Die kritische Auseinandersetzung mit der Stalin-Ära, die unter Chruschtschow phasenweise in einigen Literaturzeitschriften möglich gewesen war, wurde unterbunden. Bereits vor 1964 war die sowjetische Obrigkeit gegen missliebige Intellektuelle vorgegangen. 1965 initiierte der KGB, das Komitee für Staatssicherheit, einen Schauprozess gegen die Schriftsteller Julij Daniel und Andrej Sinjawskij wegen Verhöhnung des Sowjetsystems. Die Verfolgung nonkonformistischer Intellektueller, zu denen Schriftsteller wie Alexander Solschenizyn und Wissenschaftler wie Andrej Sacharow zählten, war ein Element Breschnjewscher Gesellschaftspolitik.

Außen- und sicherheitspolitisch verzeichnete die UdSSR bis in die zweite Hälfte der siebziger Jahre erhebliche Erfolge. Die Breschnjewsche Führung beschleunigte den Bau von Interkontinentalraketen und erreichte Ende der sechziger Jahre im Bereich strategischer Atomwaffen das Niveau der US-Rüstung. Das Abkommen über die Begrenzung der Strategischen Waffen (SALT I) bestätigte ihr im Jahr 1972 den Status als "die andere Supermacht", als gleichberechtigte Partnerin der USA.

Parallel zur Hochrüstungspolitik suchte die sowjetische Führung die Spannungen in den Ost-West-Beziehungen abzubauen. Durch die Ostverträge und das Viermächteabkommen zum Status von West-Berlin entkrampften sich die deutsch-sowjetischen Beziehungen. Der Helsinki-Prozess, der durch die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte am 1. August 1975 formalisiert wurde, schuf einen Rahmen für Zusammenarbeit und friedlichen Wettbewerb in Europa. Der Einmarsch in die Tschechoslowakei am 21. August 1968 und die Verkündung der Breschnjew-Doktrin über "die begrenzte Souveränität der sozialistischen Staaten im Falle einer Gefahr für das sozialistische Weltsystem" wurden im Westen nicht als Gefährdung des Entspannungsprozesses wahrgenommen. In der Tat begannen schon im folgenden Jahr die deutsch-sowjetischen Gespräche über Gewaltverzicht und Normalisierung, die im August 1970 erfolgreich zum Abschluss gebracht wurden. Das Verhältnis der UdSSR zu China besserte sich indes nicht. Im März 1969 kam es am Grenzfluss Ussuri sogar zu bewaffneten Zusammenstößen. Der östliche Nachbar wurde zunehmend als bedrohliche Konkurrenz empfunden.



 
zum Fragebogen >

Ihre Meinung ist uns wichtig


Vielen Dank für Ihren Besuch von bpb.de!

Wir wollen unseren Internetauftritt verbessern - und zwar mit Ihrer Hilfe. Dazu laden wir Sie herzlich zu einer kurzen Befragung ein. Sie dauert etwa 10 Minuten. Die Befragung führt das unabhängige Marktforschungsinstitut SKOPOS für uns durch.

Bitte unterstützen Sie uns mit Ihrer Teilnahme. Ihre Meinung ist uns sehr wichtig!

Ihre Bundeszentrale für politische Bildung

Information zum Datenschutz und zur Datensicherheit


Als unabhängiges Marktforschungsinstitut führt SKOPOS Institut für Markt- und Kommunikationsforschung GmbH & Co. KG im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung diese Befragung durch.

Zur Durchführung der Befragung erhebt SKOPOS Ihre IP-Adresse. Diese wird umgehend anonymisiert und getrennt von den Befragungsdaten verarbeitet, deshalb ist eine Identifizierung von Personen nicht möglich. Weitere personenbeziehbare oder personenbezogene Daten werden nicht erhoben.

Die Befragung entspricht den gesetzlichen Bestimmungen zum Datenschutz und den Richtlinien des Berufsverbandes Deutscher Markt- und Sozialforscher e.V. sowie der Europäischen Gesellschaft für Meinungs- und Marketingforschung. Es erfolgt keine Weitergabe an Dritte.

Weitere Informationen und Kontaktdaten finden Sie hier.