Basilius-Kathedrale

3.2.2011 | Von:
Angelina Davydova

Umweltprobleme und Umweltpolitik

Zur Zeit der Sowjetunion wurde die russische Natur schwer belastet: von Fabrikabfällen vermüllt, chemisch und atomar verunreinigt. Auch heute gibt es ernsthafte Umweltprobleme in Russland - aber auch ein wachsendes Umweltbewusstsein in der Bevölkerung.

Das Ende einer Brücke, die über den Fluss Moskwa führt, ist durch eine dicke Decke aus Smog bedeckt.Der Autoverkehr, hier in Moskau, verursacht ca. 80 Prozent der Schadstoffbelastungen in Russland. (© AP)

Imposanter Natur- und Ressourcenreichtum

Als das größte Land der Erde erstreckt sich Russland mit einer Fläche von 17.075.400 km² (ca. ein Achtel der gesamten Landfläche der Erde) über zwei Kontinente - Europa und Asien - und ist damit fast so groß wie Europa und Australien zusammen. Die gewaltige Landfläche wird von vergleichsweise wenig Menschen bewohnt, lediglich acht Einwohner kommen auf einen Quadratkilometer, wobei mehr als zwei Drittel der Bevölkerung diesseits des Urals leben.

Der längste Fluss Europas - die Wolga - fließt mit einer Länge von über 3.530 km durch das Land und auch der tiefste Binnensee der Welt - der Baikalsee - sowie die umfangreichsten Süßwasservorkommen der Erde befinden sind in Russland. Neben Brasilien, Indonesien und Kanada weist das Land die ausgedehntesten Waldbestände auf, die einen wesentlichen Einfluss auf die Erdatmosphäre haben. Bis heute steht in Russland sehr viel mehr natürlich gewachsener Wald, der sogenannte Primärwald, als in anderen Teilen Mitteleuropas, wo Rodungen bereits im Mittelalter einsetzten.

Zudem verfügt Russland über reiche Vorkommnisse an Bodenschätzen, darunter erhebliche Ressourcen an Erdgas und Erdöl. Mit Blick auf jenen imposanten Naturreichtum ist es wenig überraschend, dass die Umweltsituation Russlands nicht nur das Land selbst betrifft, sondern Auswirkungen auf die gesamte Welt hat.

Rücksichtslose Eroberung und Ausbeutung der Natur im 20. Jahrhundert

Das enorme Naturpotenzial Russlands steht massiven Umweltproblemen gegenüber. Angefangen von der Luft- und Wasserverschmutzung über marode Atomaufbereitungsanlagen bis hin zu einer fahrlässigen Rohstoffnutzung - Russlands Umweltsünden wiegen schwer.

Eine der möglichen Ursachen dafür ist in der vergleichsweise späten industriellen Entwicklung des Landes zu sehen, die erst nach der Oktoberrevolution 1917 Fahrt aufnahm. Sehr sprunghaft vollzog sich die industrielle Entwicklung, die mit einer starken Industrialisierungspolitik einherging. Nun wurde die Idee der Eroberung und Ausbeutung der Natur zugunsten eines beschleunigten wirtschaftlichen Wachstums propagiert. Die Führung der Sowjetunion legte großen Wert auf Wachstum, um die Konkurrenz zum Westen und insbesondere im Kalten Krieg zu den USA für sich zu entscheiden. Von nachhaltiger Entwicklung war zu der Zeit kaum die Rede. In den siebziger und achtziger Jahren setzten sich lediglich wenige Wissenschaftler dafür ein - ihre Bedenken fanden kaum Gehör.

Die politische Ideologie der Sowjetunion forderte drastische Formen der Natureroberung und Ausbeutung. So wurden etwa Strömungsrichtungen von Flüssen umgekehrt, Böden ausgebeutet, Wasser und Luft in Industrieregionen wie dem Südural und Sibirien ungehemmt mit den Abfällen der Fabriken belastet. Auch das Wettrüsten mit den USA hatte schwere Folgen für die Umwelt. Einige Gebiete, die als Testgelände dienten, wurden stark chemisch und atomar verunreinigt. Nicht zu vergessen ist eine der größten Umweltkatastrophen des 20. Jahrhunderts: die Kernreaktorexplosion von Tschernobyl auf dem Gebiet der heutigen Ukraine. Sie richtete auch in Russlands Westen schwere Umweltschäden an.

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Ein schmelzender Eisberg, aufgenommen am 19. Juli 2007 vor der Insel Ammassalik in Ostgroenland. Die fuehrenden Industrienationen kommen am Mittwoch, 8. Juli 2009, beim G-8-Gipfel in L'Aquila, Italien, zusammen, um ueber die Wirtschaftskrise und den Klimaschutz zu beraten. (ddp images/AP Photo/John McConnico) --- FILE - This is a July 19, 2007 file photo of an iceberg as it melts off Ammassalik Island in Eastern Greenland. (ddp images/AP Photo/John McConnico)
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