Basilius-Kathedrale
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Geografie und Klima


15.10.2010
Reiche Bodenschätze, hohe Gebirge und weite Entfernungen: Die russische Geografie nimmt starken Einfluss auf das russische Leben. 47 Prozent der Landfläche sind dauerhaft gefroren und die Ernteerträge unterliegen ständigen Schwankungen.

Der Baikalsee in Südsibierien ist der tiefste See der Welt.Der Baikalsee in Südsibierien ist der tiefste See der Welt. Lizenz: cc by/2.0/de (Sergey Gabdurakhmanov)

Immer wieder hat man versucht, historische und politische Entwicklungen Russlands auf natürliche Gegebenheiten zurückzuführen. Der Binnenorientierung auf das Stromgebiet der Wolga wurde der Drang zum Meer als historische Konstante entgegengestellt, die Gliederung in Großlandschaften zog man zum Verständnis frühen Handelsaustausches heran, das Ausgreifen in die Siedlungsräume nichtslawischer Völker wurde als Sicherung des Zugangs zu Ressourcen verstanden. Bisweilen ergaben sich daraus geodeterministische (allein durch die natürliche Raumausstattung bedingte) Konstruktionen der Entwicklung Russlands, die kaum zu halten sind. Andererseits ist eine gewisse Wechselwirkung zwischen räumlichen Strukturen und gesellschaftlichem Handeln in Vergangenheit und Gegenwart nicht zu leugnen.

Zwei Faktoren treten dabei besonders hervor: Dem geologischen Bau folgt die Anordnung von Tiefländern, Ebenen und Gebirgsräumen, aber auch die Verteilung von Bodenschätzen; auf das durch Gebirge nicht gestörte Relief und das Klima ist die im europäischen Teil Russlands geradezu idealtypische Abfolge großer Landschaftszonen zurückzuführen, die unterschiedliche landwirtschaftliche Potenziale bedingt, deren tatsächliche Nutzung freilich von den jeweiligen Akteuren abhängig ist. Schließlich müssen die Folgen des gegenwärtigen Klimawandels für Natur, Wirtschaft und Gesellschaft bedacht werden.

Geologischer Bau und Bodenschätze



Weite Teile Russlands entstanden vor langer Zeit. Im europäischen Teil lagern auf dem Urkontinent, der den Baltischen Schild nach Osten fortsetzt, Sedimente, die seit ihrer Entstehung vor über 350 Millionen Jahren kaum bewegt wurden und über denen sich in jüngster geologischer Vergangenheit noch Ablagerungen der Kaltzeiten bildeten. Die sanfte Wellung des Untergrunds paust sich in flachen und weitgestreckten Höhenzügen wie dem Timanrücken im Norden oder im mittelrussischen Hügelland durch. Flache, oft Hunderte von Kilometern breite Senken wie die Moskauer Synklinale werden heute von Flüssen genutzt. Nach Süden begrenzen der Übergang zu den ukrainischen Lößgebieten, die Flach- und Hügelländer Nordkaukasiens und die Absenkung zur Kaspischen Senke das Russische Tiefland. Südlich anschließend ragt der Große Kaukasus auf (Elbrus, 5 633 m). Er entstand nach plattentektonischer Interpretation beim Abtauchen der iranischen unter die eurasische Platte.

Nach Osten bildet der Ural eine sanfte Gebirgsschwelle. Hier schließt sich das westsibirische Tiefland als ein in sich gegliederter, ebenfalls auf einer paläozoischen Plattform liegender Ablagerungsraum an, dessen Sedimente das Speichergestein für Erdöl- und Erdgasvorkommen sind. Das entwässernde Flusssystem von Ob und Irtysch ist das größte des Kontinents. Östlich des Jenissej steigt das Gelände zum mittelsibirischen Bergland an, das sich im Putorana-Bergland bis 1.700 m erhebt und von ausgedehnten Decken vulkanischer Gesteine eingenommen wird. Nach Osten fällt das Bergland sanft zum Jakutischen Becken ab. Daran schließen nach Osten Gebirgszüge an, die im Erdmittelalter aufgefaltet wurden und bis 3.000 m Höhe erreichen. Nach Süden begrenzen Gebirge wie Altai und Sajany westlich des Baikalsees die Tief- und Bergländer, während östlich des Baikalsees die Gebirgszüge zu den steppenartigen Niederungen des Amur abfallen. Im Süden des Fernen Ostens bildet der stark bewaldete Gebirgszug Sichotė-Alin´ eine eigenständige Landschaftseinheit. Auf der Halbinsel Kamtschatka zeigen mehrere Vulkane, darunter als höchster die Kljutschewskaja Sopka (4.750 m) an, dass der Ostrand des Kontinents durch die Unterschiebung der Pazifischen Platte unter die Eurasische gebildet wurde. Dieser Bereich weist ebenso wie die Baikalregion und die Gebirgszüge an der Grenze zur Mongolei eine hohe Erdbebengefährdung auf.