Basilius-Kathedrale

22.6.2011

Analyse: Armut in Russland

Laut Statistik hat sich die Armut in Russland seit Beginn der 2000er Jahre deutlich verbessert. Dennoch sind weitaus mehr gesellschaftliche Schichten von Armut betroffen, als die Statistik erkennen lässt. Es bleibt die Gefahr für fast die Hälfte der russischen Bevölkerung in Armut abzurutschen sowie die Herausbildung einer in Russland bis dato unbekannten Unterschicht.

Zusammenfassung

Von den Gefahren der Armut sind im heutigen Russland wesentlich mehr gesellschaftliche Schichten betroffen, als es die offizielle Armutsstatistik und der Anteil jener, die unter der offiziellen Armutsgrenze leben, glauben machen. Die Armut hat ein janusköpfiges Gesicht: Eines spricht von dem erfolgreichen Rückgang der offiziell festgestellten Armut seit Beginn der 2000er Jahre; das andere zeigt jedoch die bleibende Gefahr für fast die Hälfte der russischen Bevölkerung, in Armut abzurutschen sowie die Herausbildung einer in Russland bis dato unbekannten Unterschicht.

Armut in Russland im Spiegel der Statistik

Auf den ersten Blick hat sich bezüglich der Armut die Situation in Russland in den vergangenen Jahren deutlich verbessert. Dies zeigen die statistischen Daten zum Anteil der russischen Bevölkerung, der ein Einkommen unterhalb des Existenzminimums bezieht. So hat sich nach Angaben des russischen Statistikamtes die Zahl der Menschen in entsprechend definierter Armut zwischen 2000 und 2010 von 42,3 Mio. auf 18,5 Mio. reduziert, der Anteil der Bevölkerung in Armut fiel damit von 29% auf 13%. Diese Daten unterscheiden sich nur gering von denen der Weltbank, die für Russland die gleiche Tendenz aufweisen, und für 2010 ebenfalls ca. 13% der russischen Bevölkerung in Armut sehen. Die Prognosen der Weltbank erwarten einen weiteren Rückgang der Armut auf 11% im Jahr 2011 und auf 10% im Jahr 2012.

Gleichzeitig sollte jedoch hervorgehoben werden, dass das Armutsproblem bei Weitem nicht nur die 10-15% der Ärmsten in Russland betrifft. Vor dem Hintergrund einer extremen Ungleichverteilung der Einkommen in der russischen Gesellschaft sowie eines sehr niedrigen Einkommensniveaus, betrifft das Armutsproblem auf die eine oder andere Weise einen viel größeren Teil der russischen Bevölkerung. So belief sich das monatliche Durchschnittseinkommen in Russland im Jahr 2010 auf ungefähr 500 Euro. Der Gini-Koeffizient, der die soziale Ungleichheit misst, betrug im Jahr 2010 für Russland 0,44, das sind fast 10% mehr als in den USA. Im Vergleich dazu lag der Gini-Koeffizient in Dänemark, Deutschland und Frankreich zwischen 0,25 und 0,33. Die Einkommenskluft zwischen dem reichsten und dem ärmsten Zehntel der russischen Bevölkerung betrug im Jahr 2010 das 16,5-fache. Wenn sich der Anteil der obersten 20% der Einkommensbezieher am Gesamteinkommen der russischen Bevölkerung im Vergleich zu 1990 von 32,7% auf 47,7% erhöht hat und die folgenden 20% praktisch unverändert geblieben sind, so muss sich die Position der drei unteren Einkommensfünftel logischerweise deutlich verschlechtert haben.


Russland

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