Basilius-Kathedrale

22.6.2011

Analyse: Armut in Russland

Das Armutsrisiko

Die Verschlechterung des Lebensstandards bei praktisch vollkommenem Fehlen jeglicher Art von Ersparnissen bei mehr als der Hälfte der Bevölkerung, wie auch die sehr geringen Einkommensunterschiede zwischen den unteren drei Einkommensfünfteln führten dazu, dass sich ungefähr die Hälfte der russischen Bevölkerung entweder im Bereich der chronischen oder der situationsabhängigen Armut befindet. Die situationsabhängige Armut, die sich häufig in eine chronische entwickelt, hängt mit den hohen Armutsrisiken in den unteren drei Einkommensfünfteln zusammen. Verschlechterungen der materiellen Lebensumstände (eine ernsthafte Erkrankung eines Haushaltsmitglieds oder der Tod eines arbeitenden Familienmitglieds, Trennung, die Geburt von Zwillingen, Verlust der Arbeit u. a.) führen zu einem Abrutschen unter die Armutsgrenze, manchmal nur vorübergehen, manchmal aber auch langfristig.

Besonders dramatisch ist heutzutage die Situation im untersten Fünftel, wo sich der Anteil am Gesamteinkommen in den letzten zwanzig Jahren von 9,8% auf 5,2% praktisch halbiert hat, sowie im vorletzten Einkommensfünftel, dessen Einkommensanteil von 14,9% auf 9,8% gesunken ist. Da die Geldeinkommen der Bevölkerung in diesem Zeitraum inflationsbereinigt insgesamt nur um 2% angestiegen sind, bedeutet das, dass sich die tatsächlichen Realeinkommen der beiden unteren Einkommensfünftel in den letzten 20 Jahren um das 1,5-bis 2-fache reduziert haben - und dabei war, wie allgemein bekannt, ihr Lebensniveau schon zu Sowjetzeiten relativ niedrig.

Gleichzeitig sollte jedoch nicht verschwiegen werden, dass die Herausbildung eines solchen Missverhältnisses in erster Linie ein Ergebnis der Reformen zu Beginn der 1990er Jahre ist, als sich die Armut in Russland, verglichen mit dem Ausmaß in der Sowjetunion, um eine Vielfaches verschärfte. Der Anteil der Armen nahm extrem zu und betraf 1992, selbst den offiziellen Statistiken zufolge, ein Drittel der Bevölkerung. Nach Einschätzungen von Experten, die geänderte Definitionen von Armut aus der Statistik herausrechneten, lebte zu dieser Zeit über die Hälfte der russischen Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Mitte der 1990er Jahre begann sich der Anteil der Bevölkerung in Armut langsam zu reduzieren. Nach einem Rückschlag durch die Finanzkrise des Jahres 1998 setzte sich der Abwärtstrend in folgenden Jahrzehnt erneut fort.


Russland

Opposition activists carry the Ukrainian national flag during an action of protest against the current regime in Kiev, Ukraine, Saturday, May 18, 2013. (AP Photo/Efrem Lukatsky)
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