Die Türkei und die Europäische Union
Einführung in die Debatte
Die Europäische Union hat im Herbst 2005 Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen. Der frühest mögliche Beitrittstermin für die Türkei liegt im Jahr 2015.
Am 3. Oktober 2005 haben die Beitrittsverhandlungen der Europäischen Union mit der Türkei begonnen. (© European Community)Die Europäische Union hat im Herbst 2005 Beitrittsverhandlungen mit der Türkei aufgenommen, die sich über die kommenden 10 bis 15 Jahre erstrecken sollen. Der frühest mögliche Beitrittstermin für die Türkei liegt daher im Jahr 2015. Vor dem Hintergrund einer eigentlich anachronistischen Debatte in den EU-Mitgliedsstaaten, ob die Türkei tatsächlich ein Beitrittsangebot erhalten solle oder nur das Angebot einer privilegierten Mitgliedschaft, ist zu verstehen, dass die EU-Politiker betonen, dass sie "ergebnisoffene" Verhandlungen führen wollen. Einen Beitrittsautomatismus soll es nicht geben. Kritik an der Türkischen Republik wurde von seiten des EU-Erweiterungskommissars Verheugen in seinem letzten Bericht vor allem auf dem Gebiet der Menschenrechte, hier der Meinungsfreiheit und dem Schutz der Minderheiten, geübt. Fortschritte wurden bei Reformen auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet verzeichnet.
Welcher Art sind die Debatten, die in der Bundesrepublik Deutschland, in der EU allgemein und in der Türkei selbst über den EU Beitritt geführt werden und was sind ihre großen Leitlinien? Viele dieser Debatten sind aus Stimmungen entstanden, die wenig mit Rationalität und Objektivität zu tun haben. Beeinflusst werden die Debatten über den EU Beitritt der Türkei in der Bundesrepublik Deutschland wie in anderen EU Staaten von den innen- und wirtschaftspolitischen Schwierigkeiten der Mitgliedsstaaten einerseits und den Hemmnissen des politischen und wirtschaftlichen Reformprozesses in der EU andererseits. Die EU steckt in einer tiefen Krise, was ihr politisches Programm, die Festlegung von Zielen und deren Umsetzung angeht. Zudem: Die EU Verfassung scheint nicht durchsetzbar und auch die neuen Mitgliedsländer wollen mehr Mitspracherecht. Die Wirtschaftspolitik ist umstritten: In der vereinbarten Freizügigkeit des Dienstleistungssektors beispielsweise ist von nationalen Gewerkschaften eine Wirtschaftsdirektive erkannt worden, die ihre traditionelle Klientel durch den Zuzug billiger Arbeitskräfte in katastrophaler Weise schwächen wird. Vor allem Deutschland und Frankreich, die lange auf dem Kontinent als Motor der EU-Entwicklung galten, haben mit Wirtschaftsproblemen, Unruhen unter den Stammwählern der großen Parteien, einer Gewerkschaftskrise, einem Bildungsdesaster und Problemen bei der Integration von – zumeist muslimischen – Migranten zu kämpfen.
Diese Probleme spiegeln sich in der Diskussion über mögliche Probleme wider, die sich aus dem EU-Beitritt der Türkei ergeben könnten. Im Vordergrund stehen die Befürchtungen,
- dass dadurch der politische und wirtschaftliche Entwicklungs- und Einigungsprozess in der EU weiter ins Stocken geraten könnte.
- dass die wirtschaftliche Förderung der Türkei die EU finanziell zu sehr belasten könnte.
- dass die kulturelle Andersartigkeit der Türkei der Durchsetzung und Festigung der europäischen Werteordnung nicht zuträglich sei.
weitere Inhalte:
- Der EU-Beitritt aus dem Blickwinkel der Türkei
- Die europäische Debatte
- Die feministische Debatte
- Die juristische Debatte
- Die politische Praxis: Institutionen und Verfahren
- Die religiöse Debatte
- Die Türkei als Modell für die arabischen Staaten?
- Die Türkei in der EU: Heftiger Ausschlag des Stimmungsbarometers
- Die Türkei und die europäische Identität
- "Europa muss positiver auf die Umbrüche reagieren"
- Herausforderungen im 21. Jahrhundert
- Konfliktstoff Kopftuch
- Menschen- und Minderheitenrechte: die Türkei und die europäischen Standards
- Nicht nur "ein Stück Stoff"
- Religionsfreiheit oder Neutralitätsgebot?
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