Opposition activists carry the Ukrainian national flag during an action of protest against the current regime in Kiev, Ukraine, Saturday, May 18, 2013. (AP Photo/Efrem Lukatsky)

14.5.2012

Pressestimmen: Die Verurteilung Jurij Luzenkos

Stellungnahme der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Catherine Ashton und des EU-Erweiterungskommissars Štefan Füle sowie einige Pressemeldungen zur Verurteilung des ehemaligen Innenminister Jurij Luzenko unter Regierung von Tymoschenko.

Der ehemalige Innenminister Juri Luzenko im Gerichtssaal. Ein Kiewer Bezirksgericht verurteilte Juri Luzenko wegen Amtsmissbrauchs zu vier Jahren Gefängnis. (27.02.2012)Der ehemalige Innenminister Juri Luzenko im Gerichtssaal. (© AP)

Das Petschersker Bezirksgericht in Kiew hat den ehemaligen Innenminister der Regierung Tymoschenko, Jurij Luzenko, am 27.2.2012 wegen Amtsmissbrauchs und Unterschlagung zu vier Jahren Haft verurteilt. Darüber hinaus wurde eine Geldstrafe in Höhe von 65.000 Euro gegen ihn verhängt und drei Jahre lang darf er nicht für ein politisches Amt kandidieren. Damit liegt das Strafmaß kurz unter dem von der Staatsanwaltschaft beantragten. Die Vorwürfe, er habe dem Fahrer seines Dienstwagens zu einer Zusatzrente sowie einer Wohnung verholfen und er habe für Polizeifeste in den Jahren 2008 und 2009 zu viel Geld ausgegeben, wies Luzenko stets scharf zurück. Bereits im Dezember 2010 war er in Untersuchungshaft genommen worden und im Frühjahr 2011 hatte er mit einem Hungerstreik gegen seine Inhaftierung protestiert. Im Folgenden dokumentieren wir die Stellungnahme der Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik Catherine Ashton und des EU-Erweiterungskommissars Štefan Füle sowie einige Pressemeldungen.

Statement by High Representative Catherine Ashton and Commissioner Stefan Füle on the verdict of Yuriy Lutsenko in Ukraine, MEMO/12/140
Brussels, 27 February 2012

We are disappointed with the verdict against Mr Lutsenko, which signals the continuation of trials in Ukraine which do not respect international standards as regards fair, transparent and independent legal process. We recall that the EU-Ukraine Summit of 19 December stated that respect for the Rule of Law will be of crucial importance for the speed of Ukraine’s political association and economic integration with the EU. We also note the recent resolution of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe on the functioning of democratic institutions in Ukraine. We will continue to monitor closely developments related to the appeals process of Mr Lutsenko, the review of the case of Mrs Yulia Tymoshenko by the High Specialized Court of Ukraine for Civil and Criminal Cases, and proceedings in the case of the former Acting Minister of Defence, Valeriy Ivashchenko, as well as in other similar cases.
Quelle: http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=MEMO/12/140&format=HTML&aged=0&language=EN&guiLanguage=en

PACE rapporteur says former Ukrainian Interior Minister is “victim of a political vendetta”
Strasbourg, 27.02.2012

Former Ukrainian Interior Minister Yuriy Lutsenko, who was sentenced today by a Kyiv court to four years in prison for abuse of office and abuse of power, is “the victim of a political vendetta”, according to Marieluise Beck (Germany, ALDE), Rapporteur of the Parliamentary Assembly of the Council of Europe (PACE) on “Threats to the rule of law in Council of Europe member states: asserting the Parliamentary Assembly’s authority”. “As a reformist Interior Minister who—among other things—dismantled the criminal hit squad within the Ministry responsible for such high-profile crimes as the murder of journalist Giorgyi Gongadze, he angered some persons who are now back in power,” said Mrs Beck, reacting to the verdict. “The trial against him was unfair, as shown in detail by the observers of the Danish Helsinki Committee. Furthermore, the ‘crimes’ for which he was convicted could not possibly justify a term of imprisonment even if the prosecution had been able to prove all the allegations against him.” Mr Lutsenko had been charged with having signed an order whilst on holiday, not having cancelled the traditional “National Militia Day” despite a general instruction from the then Prime Minister to make budgetary savings where possible, and finally with letting the Ministry overpay his personal driver and provide him with an official flat.
Quelle: http://assembly.coe.int/ASP/NewsManager/EMB_NewsManagerView.asp?ID=7443&L=2

Kommersant Ukraina, Kiew
So sicher, wie zwei mal zwei vier ist, Walerij Kutscheruk, 28.2.2012

Pünktlich um neun Uhr eröffnete der vorsitzende Richter Serhij Wowk die Sitzung. Er begann sofort die Unterlagen zu verlesen, aber er tat das so schnell und leise, dass man die Worte nicht voneinander unterscheiden konnte. […] Sechs Stunden nach Beginn der Sitzung schritt Richterin Oksana Zarewytsch zur Urteilsverkündung. Aber irgendetwas haute bei den Richtern nicht hin. Nachdem sie verkündet hatte, dass Juri Luzenko dem Staat den Verlust von 643.000 Hrywnja zurückerstatten müsse und ihm der erste Rang des Staatsbediensteten aberkannt werde, verstummte Zarewytsch unerwartet. Verwirrt sah sie auf Serhij Wowk und schob ihm den Papierstapel mit dem Urteil zu. „Und?“ – die Anwesenden hielten die Spannung kaum aus, aber Wowk antwortete nicht, beriet sich kurz mit seinen Kollegen und dann gingen sie schweigend aus dem Saal. „Wahrscheinlich standen in dem Urteil drei Punkte“, kommentierte Jurij Luzenko sogleich die Situation. „Sie haben einfach vergessen die Haftdauer einzutragen.“ Nach einigen Minuten kamen die Richter zurück in den Saal und Wowk verkündete das Urteil – vier Jahre Haft, Konfiskation des Eigentums, Verbot in den nächsten drei Jahren Führungspositionen einzunehmen.
Quelle: http://kommersant.ua/doc/1882202


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