Opposition activists carry the Ukrainian national flag during an action of protest against the current regime in Kiev, Ukraine, Saturday, May 18, 2013. (AP Photo/Efrem Lukatsky)

27.8.2014

Dokumentation: Pressemitteilung der Moskauer Helsinki Gruppe

zu wahrscheinlich in der Ukraine verletzten und getöteten russischen Soldaten

Das Komitee der Soldatenmütter (KSM) hat eine Liste von 400 mutmaßlich bei Kriegshandlungen in der Ukraine verwundeten und getöteten russischen Soldaten zusammengestellt. Nachfolgend finden Sie eine deutsche Übersetzung der Dokumentation.

In Kiew legt die Bevölkerung Blumen vor einem Soldatendenkmal nieder. Damit wird nicht nur an die Gefallenen während des sowjetischen Afghanistaneinsatzes gedacht, sondern zugleich auch der Krise in der Ostukraine.In Kiew legt die Bevölkerung Blumen vor einem Soldatendenkmal nieder. Damit wird nicht nur an die Gefallenen während des sowjetischen Afghanistaneinsatzes gedacht, sondern zugleich auch der Krise in der Ostukraine. (© picture-alliance/dpa)

Das Komitee der Soldatenmütter der Region Stawropol hat eine Liste von vierhundert verwundeten und getöteten russischen Soldaten zusammengestellt. Dies wurde von der Vorsitzenden des Komitees, Ludmila Bogatenkowa, mitgeteilt, berichtete der TV-Sender "Doschd". "Ich habe eine Liste von etwa vierhundert Mann. Darunter sind sowohl die Verwundeten als auch die Toten", sagte Bogatenkowa. Nach ihrer Aussage wurde die Liste aus verschiedenen Quellen in den Streitkräften zusammengestellt, welche sie nicht offenlegen kann.

Nach den Worten Bogatenkowas befinden sich in der Liste vor allem Soldaten aus drei Brigaden: aus der 19. motorisierten Infanterie-Brigade Woronesch-Shumlenskaja (stationiert in Wladikawkas, Nordossetien), der 17. motorisierten Infanterie-Brigade (stationiert in Schali, Tschetschenien) und der 8. motorisierten Garde-Gebirgsinfanterie-Brigade (stationiert im Dorf Barsoi im Bezirk Schatoiskij, Tschetschenien). Darüber hinaus stehen auf der Liste die Namen von Soldaten aus anderen Einheiten der russischen Armee. Ob es sich nur um Einheiten des südlichen Militärbezirks (früher Nord-Kaukasischer Militärbezirk) oder aus ganz Russland handelt, gab Bogatenkova nicht an. Sie erklärte, dass die Liste noch nicht vollständig sei und ständig aktualisiert werde.

Am Vorabend hatten die Mitglieder des Rates für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und der Menschenrechte beim Präsidenten [der Russischen Föderation], das Mitglied der Moskauer Helsinki Gruppe Sergei Krivenko und die Leiterin der Soldatenmütter von St. Petersburg, Ella Poljakova, an den Untersuchungsausschuss appelliert mit der Bitte, die Informationen über den Tod von neun Berufssoldaten der 18. motorisierten Infanterie-Brigade (Militäreinheit 27777), von denen die meisten aus Dagestan stammen, auf einem Truppenübungsplatz in der Nähe von Rostow zu überprüfen.

"Ich weiß, dass das Krankenhaus in Rostow-am-Don überbelegt ist, die Krankenhäuser im Süden sind überfüllt", erklärte Poljakova im Interview mit "Doschd". Die Verwundeten wandten sich an die Menschenrechtsverteidiger wegen der Verletzung ihrer sozialen und dienstbezogenen Rechte. "Wenn sie verwundet zurückkommen, werden Sie rückwirkend aus dem Wehrdienst entlassen, damit es keine sozialen Verpflichtungen gegenüber ihnen und ihren Familien gibt. Denn keiner von ihnen kann beweisen, dass er irgendwo an Kämpfen teilgenommen hat", sagte Ella Poljakova. "Russland führt keinen Krieg. Es gibt keine Kämpfe. Es wird gesagt, dass sie auf einem Truppenübungsplatz verletzt wurden. Wo? Mal angenommen in der Region Belgorod".

Ella Poljakova, Leiterin der "Soldatenmütter von St. Petersburg", berichtet auch über die Einlieferung einer großen Anzahl von verwundeten Soldaten in St. Petersburg. Derzeit ist nicht bekannt, wo und unter welchen Umständen sie alle verletzt wurden. Nach Ansicht von Poljakova müssen diese Informationen jetzt überprüft werden.

Früher berichteten Medien, dass auf einem Friedhof der Stadt Pskow im Stadtteil Kresty das Grab von Alexei Karpenko, wahrscheinlich einem Fallschirmjäger, gefunden worden war. Vermutlich wurde er am 25 August begraben. Auf dem Grabkreuz steht als Todesdatum Karpenkos der 18. August.

Ein Kommandeur der 76. Luftlande-Division bei Pskow, Anton Korolenko, wurde in der Region Woronesch begraben. Wie "RIA Woronesch" unter Berufung auf den Leiter des Woronescher Militärkommissariats für die Stadt Pawlowsk sowie die Kreise Pawlowsk und Verchnemamonsk, Michail Charkowskij, berichtet, wurde der Kommandeur im Dienst am 19. August getötet. Wo genau und wie Korolenko gestorben ist, wurde von der Militärbehörde nicht erläutert.

Am Morgen des 25. August fand im Dorf Wybuty in der Nähe von Pskow die Bestattung der Soldaten der 76. Luftlande-Division, des 29-jährigen Leonid Kitschatkin und des 20-jährigen Alexander Osipow statt. Zeitpunkt und Umstände des Todes der Fallschirmjäger wurden nicht angegeben. Dabei wurde als Todestag auf der Grabtafel von Kitschatkina der 19. August und bei Osipow der 20. August aufgeführt.

Am Dienstag den 26. August wurden auf dem Friedhof in Wybuty die Journalisten der Fernsehsender "Doschd" Wladimir Romenskij und "Russkij Planet" Ilja Wasjunin von Unbekannten angegriffen. Zwei Männer in Trainingsanzügen begannen, das Auto der Journalisten mit Steinen zu bewerfen, versuchten, die Fenster einzuschlagen und die Tür aufzubrechen und zerstachen zwei Autoreifen. Am Mittwoch, den 27. August, berichtete "Doschd", dass von den Gräbern Kitschatkins und Osipovs die Tafeln mit ihren Namen und Geburts- und Todesdatum entfernt worden waren. Auch die Kränze und Bänder waren beseitigt worden.

Übersetzung aus dem Russischen: Lina Pleines

Quelle: Website der Moskauer Helsinki Gruppe, http://www.mhg.ru/news/16E6F1F4


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