Skyline von Schanghai

30.8.2007 | Von:
Ruediger Korff

Einführung: Wie urban ist die Welt?

Megastädte und die zunehmende Urbanisierung

Urbanisierung als Chance

Gegenwärtig lässt sich eine Grenze der Urbanisierung oder die maximale Bevölkerungszahl einer Stadt nicht ausmachen. Menschen werden auch weiterhin in Städte ziehen, um der Armut auf dem Land zu entkommen, ihre Qualifikationen adäquater zu nutzen, um neue Möglichkeiten aufzubauen oder auf der Suche nach urbaner Kultur. Und auch ohne Migration würden Städte wie Dhaka oder Lagos auf Grund natürlicher Bevölkerungszunahme wachsen.

Weiterhin erweisen sich Städte als funktionsfähig: Massaker, Revolten, Hungeraufstände sind die Ausnahme, obwohl die Kontraste zwischen reich und arm, mächtig und ohnmächtig extrem deutlich sind und täglich erfahren werden. Offensichtlich gelingt in den Städten eine Form der Befriedung und des Arrangements des Alltagslebens in einer höchst komplexen und heterogenen Umwelt.

Zu diesem Arrangement gehört auch die soziale Kreativität der Stadtbewohnerinnen und -bewohner, neue Formen von Lokalität und Kooperation zu entwickeln und neue Formen wirtschaftlicher Beziehungen aufzubauen, die vom informellen Sektor, über selbstorganisierte Unternehmen bis hin zur Entstehung immer neuer Subkulturen reicht. Tatsächlich basiert das Überleben der Mehrheit der Stadtbewohnerinnen und -bewohner auf dieser sozialen Kreativität außerhalb staatlicher Kontrolle und Planung. Eine dynamische, lebenswerte Stadt kann weder durch Planung noch durch die Marktwirtschaft geschaffen werden, sondern nur über die Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt selbst.

Selbstorganisation und städtische Entwicklung

Die bestehende Problemlösungskapazität von Städten wurde auch auf der Istanbuler Konferenz von UN-Habitat (1996), dem UN-Siedlungsprogramm, deutlich gemacht. In der Abschlussagenda wird darauf hingewiesen, dass Selbstorganisation die Grundlage der Städte ist und deshalb lokale Organisationen gefördert werden sollten. Neben Selbstorganisation bedarf es natürlich auch der Stadtplanung und Bereitstellung einer Grund-Infrastruktur. Selbstorganisation und Eigenplanung setzen voraus, dass städtische Entwicklungsprojekte von den lokalen Bedingungen ausgehen und die lokale Bevölkerung zum Experten wird. Das verlangt einen politischen und sozialen Wandel: Städtische Entwicklung ist danach kein primär technisches Problem, also nicht nur Wasserver- und entsorgung, Wohnungsbau usw., sondern vor allem politisch-soziale Entwicklung durch die der Technik erst der Sinn gegeben wird.

Stadtentwicklung muss die sozialen und politischen Aspekte der Selbstorganisation berücksichtigen. Denn Urbanität ergibt sich nicht allein aus der technischen Infrastruktur oder einer effizienten Planung, sondern muss von den Bürgerinnen und Bürgern ausgehen. Solche partizipativen Ansätze werden zunehmend auch im Rahmen der internationalen Entwicklungszusammenarbeit genutzt. Städtische Entwicklung ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit. Denn wenn künftig ein Großteil der Menschen in Städten leben wird, sind dies die Orte, an denen über Bildung, Gesundheit und nicht zuletzt Umweltschutz entschieden wird.

Dass wir in einem urbanen Zeitalter leben, ist trotz der teils unklaren Datenbasis eindeutig. Dass dadurch neue Probleme auftreten, ist ebenfalls nicht zu übersehen. Doch zugleich bieten die Städte das Potenzial für eine zivilisierte Welt: Es geht heute darum, dieses Potenzial zu realisieren.


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