Skyline von Schanghai

21.7.2007 | Von:
Nermeen Youssef

Ich liebe diese stressige Stadt

Nermeen Youssef berichtet aus Kairo

"Woher kommt diese schwarze Wolke?" Das wird einem wohl zunächst durch den Kopf jagen, wenn man zum ersten Mal Kairo besucht. Denn Kairo ist nicht nur als sehr chaotische und anstrengende Stadt bekannt, sondern auch als "Nummer Eins" der luftverschmutzten Städte.


Ich lebe seit 1991 in Kairo, nachdem ich gemeinsam mit meiner Familie aus Europa zurückgekehrt bin. Mit jedem Jahr konnte ich miterleben, wie Kairo immer überbevölkerter wurde, die Luftverschmutzung zunahm und doch die Stadt zunehmend interessanter wurde. Die Tatsache, dass 12 Millionen Ägypter aus den unterschiedlichen sozialen Schichten hier zusammenleben, macht Kairo zu einem Fest der Sinne. Im Zuge der Zeit wurde Kairo zu einem Tummelplatz unterschiedlicher Menschen: Kopten und Muslime, Handwerker und Industriemagnaten, Künstler und Wissenschaftler, Bettler und Millionäre, Analphabeten und Nobelpreisträger. Und sie alle haben eins gemeinsam: Sie hassen es, in Kairo zu leben und zugleich sind sie unsterblich in diese Stadt verliebt. Das kann man nur nachvollziehen, wenn man in Kairo lebt. Es ist kein behagliches Leben in Kairo, aber man kann auch nirgendwo anders leben. Kairo ist wahrlich die Hauptstadt der "Mutter der Welt", von Ägypten. So nennen Ägypter ihr Land, "om el donia" auf Arabisch.

Mit dem Segelboot den Nil hinunter
Normalerweise gehe ich um 8.30 Uhr zur Arbeit. Ich arbeite als Assistentin der Fakultät für Pharmazie an der Deutschen Universität in Kairo. Ich mag meinen Beruf sehr. Üblicherweise höre ich zwischen 17 und 18.30 Uhr auf. Danach gibt es zahlreiche Möglichkeiten etwas zu unternehmen. Ich kann ein Konzert in der Kairoer Oper oder im El Sakia Kulturzentrum besuchen, ich kann durch Zamalek spazieren oder zur "Diwan" Buchhandlung gehen, Freunde zum Kaffee treffen, ins Kino gehen oder zu einem Theaterstück. Ich kann auch zu Poesie-Lesungen gehen, zum Fitness-Studio oder in einer klaren Vollmondnacht mit einem kleinen Segelboot, einer "felouka", auf dem Nil fahren. "Feloukas" sind kleine Boote, die man leihen kann – mit einem Steuermann. Ich fotografiere sehr gerne und am Wochenende ziehe ich mit Freunden durch Kairo, um Fotos zu schießen. Dabei kommen wir immer wieder zu uns vollkommen unbekannten Orten.

Auch wenn ich es liebe – und hasse – in Kairo zu leben, würde ich gerne einige Veränderungen sehen. Ich träume von dem Tag, an dem ich aufwache und frische unverschmutzte Luft atme; wenn unsere Schulen bessere Bildung bieten und diese für alle Ägypter erschwinglich ist. Ich hoffe auf den Tag, wenn bekannt gegeben wird, dass Hepatitis C bekämpft wurde und, dass die Rate der Analphabeten auf null Prozent gesunken ist.

Das traditionelle Gericht der ägyptischen Küche ist "Kushari": ein Mix aus Reis, Makkaronis und Linsen unter einer dicken, scharfen Tomatensoße. So sonderbar auch die einzelnen Zutaten scheinen mögen, das Endprodukt ist sehr delikat. Und genauso empfinde ich für mein Zuhause, für Kairo. Wenn ich weg bin, dann sehne ich mich nach seinen Sonderbarkeiten, den Lärm und den Stau in den Straßen. Am meisten mag ich die Menschen, die hier leben und seit Jahrhunderten an ihren Traditionen festhalten und die einen anlächeln ohne besonderen Grund. Ein Lächeln, das einem das sichere Gefühl gibt, dass es ein guter Tag wird – egal wie stressig er werden wird.


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