Skyline von Schanghai

19.10.2006 | Von:

São Paulo

Motor der brasilianischen Wirtschaft

Leben

Soziale Situation
Nach Schätzungen soll es in São Paulo 2.000 bis 2.500 Favelas geben, informelle Siedlungen mit fast ausschließlich armer Bevölkerung. Die meisten liegen am Stadtrand. Fast immer werden diese Stadtviertel von Banden beherrscht, die mafia-ähnlich strukturiert sind. Eine der größten und einflussreichsten Organisationen ist die PCC – Primeiro Comando da Capital ("Erstes Hauptstadtkommando"). Mitte 2006 kam es zu den bislang heftigsten Anschlägen der PCC auf kommunale und staatliche Einrichtungen; dabei weiteten sich die Unruhen auf andere Städte des Landes aus. Rund 170 Menschen starben damals. Laut Amnesty International kam es auch zu Übergriffen auf unbeteiligte Personen durch die Polizei.

Wohnen
2002 waren 99 Prozent aller Haushalte an die Stromversorgung angeschlossen. 98 Prozent der Paulistanos hatten Zugang zu Trinkwasser in höchstens 200 Metern Entfernung von ihrer Wohnung; allerdings ist die Qualität des Trinkwassers oft schlecht. 95 Prozent der Einwohner sind an das städtische Abwassersystem angeschlossen, wobei das Schmutzwasser mitunter ungeklärt in die Flüsse geleitet wird. Ein weiteres Problem ist die Müllentsorgung: Nur etwa ein Prozent des Abfalls wird recycelt, der Rest landet auf gigantischen Mülldeponien.

Religion und Sprache
Nach der letzten Volkszählung aus dem Jahr 2000 sind 68 Prozent der Paulistanos römisch-katholisch, danach folgen Protestanten mit einem Anteil von 16 Prozent. Verbreitet sind auch spiritistische Elemente. Wenngleich sich bloß 2,75 Prozent der Einwohner ausschließlich zum Spiritismus bekennen, sind Teile dieser Lehren auch unter Anhängern der christlichen Religion verbreitet. Wie überall in Brasilien wird in São Paulo Portugiesisch gesprochen.

Verkehr
National wie auch international gilt São Paulo als wichtiger Verkehrsknotenpunkt, unter anderem befinden sich zwei bedeutende Flughäfen auf dem Stadtgebiet; außerdem ist São Paulo sehr gut durch Autobahnen und Eisenbahnlinien angeschlossen. Die innerstädtische Verkehrssituation hingegen ist chaotisch: Etwa 5,2 Millionen Autos sind in São Paulo gemeldet, und 42 Prozent der Paulistanos benutzen den PKW, um zur Arbeit zu gelangen. Die Straßen sind tagtäglich hoffnungslos überfüllt. Rund 37 Prozent der Einwohner benutzen öffentliche Verkehrsmittel. Das Streckennetz der Metro von São Paulo ist insgesamt 57,6 Kilometer lang, allerdings für eine Stadt dieser Größe nur unzureichend ausgebaut: Es gibt nur fünf U-Bahnlinien; und vor allem ist man außerhalb des Zentrums beim öffentlichen Personennahverkehr auf Busse angewiesen, die im täglichen Verkehrsstau stecken bleiben. 40 Minuten brauchen die Paulistanos im Durchschnitt, um zu ihrer Arbeitsstelle zu gelangen – und noch mal 40 Minuten für den Weg zurück.

Diejenigen, die es sich leisten können, nutzen immer häufiger den Hubschrauber, um so dem Verkehrskollaps zu umgehen. Offiziell gibt es derzeit etwa 450 Helikopter in der Stadt – viele Hochhäuser besitzen einen Landeplatz. Doch der hohe Luftverkehr bringt auch eine erhebliche Lärmbelästigung mit sich. Nach offiziellen Angaben der Stadtverwaltung liegt São Paulo beim Hubschrauberverkehr weltweit auf Platz zwei.

Links

Cidade de São Paulo (portugiesisch)

Portal do Governo do Estado de São Paulo (Bundesstaat São Paulo, Infos auf englisch)


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