Skyline von Schanghai

8.5.2007 | Von:
Eckhart Ribbeck

Rasches Wachstum, schwache Planung, städtische Armut

Wer steuert die Stadtentwicklung in Megastädten?

Gibt es einen Masterplan für Megastädte wie Mexiko-Stadt oder Kairo? Und ähneln sich Megastädte in ihrer Stadtplanung? Eckhart Ribbeck zeigt die verschiedenen Formen des Städtebaus, zwischen Global City und Hüttenmetropole. Ebenso Stadtteile, die spontan entstehen: Städte im Selbstbau. Die Gesamtplanung einer Megastadt sei jedoch kaum möglich.

"Megastädte" sind Städte, die eine Bevölkerung von 10 Millionen oder mehr aufweisen – ein quantitatives Kriterium, das wenig über die Qualität der Städte aussagt. Es gibt reiche und arme, gut organisierte und chaotische Megastädte. Auch Paris und London gelten als Megastädte, aber sie sind mit Jakarta oder Lagos kaum zu vergleichen. Reiche Megastädte dehnen sich in der Regel sehr viel weiter aus als arme: Die Siedlungsfläche von Los Angeles mit 14 Millionen Menschen ist etwa viermal so groß wie die von Mumbai mit 18 Millionen. Und die Stadtfläche von Mexiko-Stadt mit ebenso 18 Millionen Menschen ist kaum größer als die von Berlin mit gerade mal 3,5 Millionen. Die Erklärung hierfür ist einfach: Reiche Städte haben einen wesentlich höheren Pro-Kopf-Verbrauch an Wohnfläche, Verkehrs- und Freifläche, Gewerbe- und Industriefläche, ähnlich sieht es beim Wasser- und Energieverbrauch aus. Südmetropolen wie Kairo oder Dhaka sind sicher "Monster-Städte", was ihre Bevölkerungszahl betrifft, räumlich und städtebaulich sind sie aber eher "Sparstädte", die mit geringen Ressourcen Millionen Menschen über Wasser halten. Die Megastädte weltweit umfassen die unterschiedlichsten Städtebauformen: Von der High-Tech bis zur Low-Tech-Stadt. Rasantes Wachstum und städtische Armut prägen dabei ebenso die Stadtentwicklung wie der Kampf der Metropolen innerhalb der globalen Städte-Hierarchie.

Neue Stadtregionen entstehen

Auch im Süden droht zunehmend ein rasches Flächenwachstum. Insbesondere die chinesischen und indischen Metropolen müssen mit einem rasanten Bevölkerungs- und damit auch Flächenwachstum rechnen, weil dort die Landflucht unaufhaltsam anschwillt. Noch dazu wachsen die Städte selbst aufgrund hoher Geburtenraten stetig weiter. Dabei bilden sich neue Ballungsräume heraus wie das chinesische Pearl River Delta, eine riesige und diffuse Verstädterungszone, die sich über 150 Kilometer von Hongkong über Shenzhen bis nach Guangzhou erstreckt. Auch Indonesiens Hauptstadt Jakarta hat sich längst in eine amorphe Stadtregion mit dem Namen Jabotabek verwandelt, ähnlich sieht es in Lagos aus. Einen deutlichen Expansionsschub erfährt derzeit auch Kairo, eine der am dichtesten besiedelten Megastädte der Welt. Kairo expandiert in die Wüste, wobei mit New Cairo eine privilegierte Stadtzone entsteht, wo sich die "gated communities", Privat-Universitäten, Einkaufszentren und Golfplätze ansiedeln.


Die Megastädte in Lateinamerika wachsen seit einigen Jahren weniger schnell, weil der Verstädterungsdruck nachgelassen hat. Rund 75 Prozent der lateinamerikanischen Bevölkerung lebt bereits in großen und kleinen Städten, deshalb spielt die Land-Stadt-Wanderung nur noch eine untergeordnete Rolle. Das Bevölkerungswachstum in Mexiko-Stadt und Sao Paulo stagniert bereits, wobei die Kernstadt an Bevölkerung verliert, während die Peripherie im moderaten Tempo wächst. Mit der räumlichen Expansion rücken auch die Bevölkerungsschichten auseinander, wie man selbst im "kommunistischen" China sieht, wo zahlreiche neue Luxus-Ghettos entstehen. Doch wohin es führt, wenn eine soziale Stadt- und Wohnungspolitik jahrzehntelang fehlt, sieht man in den Megastädten Lateinamerikas, wo die soziale und räumliche Segregation immer wieder zu explosiven Konflikten führt.


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