Skyline von Schanghai

8.1.2007 | Von:
Bernd Hansjürgens
Dirk Heinrichs

Mega-Urbanisierung: Chancen und Risiken

Nachhaltige Entwicklung in Megastädten

Vor allem Städte bieten die Möglichkeit für eine nachhaltige Entwicklung. Doch bislang sind viele Metropolregionen eher als "Risikolebensraum" zu beschreiben: hohe Luftverschmutzung, mangelnde sanitäre Versorgung, stinkende Müllberge. Wo liegen die Probleme des städtischen Wachstums? Und wie kann eine Strategie für eine nachhaltige urbane Entwicklung aussehen, um Städte zum zukunftsfähigen Lebensraum zu machen?

Die beiden Autoren gehören dem Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH - UFZ an. Das UFZ wurde 1991 gegründet und beschäftigt sich als erste und einzige Forschungseinrichtung der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren ausschließlich mit Umweltforschung. Zur Helmholtz-Gemeinschaft gehören insgesamt 15 Zentren mit rund 24.000 Beschäftigten.

Die Zahl der Menschen in Megastädten wächst rapide. In den zwanzig größten Metropolen leben derzeit etwa 280 Millionen Menschen. Tendenz steigend. Vor allem die Megastädte in den Entwicklungs- und Schwellenländern verkraften das Bevölkerungswachstum immer weniger: Knapper Wohnraum, überlastete Straßen und die unzureichende Versorgung mit Wasser oder Strom sind die Folgen. Zugleich beeinflusst das Wachstum die natürlichen Ökosysteme und damit die Lebensgrundlage der Bevölkerung.


Mega-Urbansierung geht mit Chancen und Risiken einher. Sie bietet Möglichkeiten zur Verbesserung der menschlichen Lebensbedingungen. Viele Megastädte sind Wachstumsmotoren und Zentren der Produktivität. Nach Berechnungen der OECD erwirtschaften zum Beispiel Mexiko Stadt und Sao Paulo rund 50 Prozent des landesweiten Einkommens. Bangkok trägt mehr als 40 Prozent zum nationalen Bruttosozialprodukt bei, obwohl dort nur zehn Prozent der Bevölkerung des Landes leben. In diesen Städten konzentrieren sich Personal und Kapital. Hinzukommen die sozialen Ressourcen wie gemeinnützige Einrichtungen und lokale Organisationen. Die Konzentration der Bevölkerung in Megastädten bietet die Möglichkeit, einer effizienten Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen mit vergleichsweise geringen Pro-Kopf-Kosten: So zum Beispiel die Versorgung mit sowie die Wiederaufbereitung von Trinkwasser oder die Abfallentsorgung. Städte bieten ein großes Potential zur Begrenzung des Individualverkehrs und die Bereitstellung öffentlicher Verkehrssysteme.


Allerdings hat die ansteigende Produktivität die massiven Probleme von Umweltzerstörung, Armut und Ungleichheit bislang nicht lösen können. Im Gegenteil: Die großen Agglomerationen verschmutzen stark die Umwelt, reduzieren die Biodiversität, die Vielfalt der Lebewesen, und erschöpfen die natürlichen Ressourcen. Gleichzeitig verschärft sich in ihnen das Ausmaß von Armut. Nirgends ist der Kontrast zwischen Arm und Reich augenfälliger als in den Megastädten der Entwicklungs- und Schwellenländer: Armut wird urban. Dabei konzentriert sich die Armut zunehmend auf bestimmte Stadtviertel, die zum Lebensraum der Benachteiligten werden. So ist in den Metropolen Lateinamerikas und der Karibik die Not in den Städten schon jetzt größer als auf dem Land.


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