Skyline von Schanghai

8.1.2007 | Von:
Bernd Hansjürgens
Dirk Heinrichs

Mega-Urbanisierung: Chancen und Risiken

Nachhaltige Entwicklung in Megastädten

Risikolebensraum Megacity

Urbanisierung und die sich verschärfenden Umweltprobleme verwandeln vor allem die Megastädte in Entwicklungs- und Schwellenländern zunehmend in einen extremen und für ihre Bewohnerinnen und Bewohner riskanten Lebensraum. Betroffen ist vor allem die arme Bevölkerung – ihr fehlen die Ressourcen, um sich wirksam gegenüber wachsenden umweltbedingten Gefährdungen zu schützen.

Wie die Beispiele zeigen, resultiert die oft katastrophale Umweltsituation aus einem komplexen Zusammenspiel unterschiedlicher Faktoren. In informellen Siedlungen konzentrieren sich die Belastungen durch toxische Stoffe, verschmutztes Trinkwasser und verschmutzte Luft. Hinzukommt die mangelnde sanitäre Versorgung sowie das höhere Risiko für Naturkatastrophen. Kinder, Mütter und ältere Menschen sind am härtesten betroffen. Ein Blick auf die Zahlen zur Kindersterblichkeit zeigt: Die städtischen Armen in den Slums sterben früh. In armen städtischen Haushalten in den Slums von Rio de Janeiro ist die Sterblichkeitsrate dreimal so hoch wie in Familien mit Zugang zu Wasser, Abwasserversorgung und angemessener Beschaffenheit der Gebäude. In Kapstadt ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind vor dem Erreichen des sechsten Lebensjahrs stirbt, sogar fünfmal so hoch wie in Stadtvierteln mit höherem Einkommen.

Diese Zahlen machen die versäumten Investitionen in die Infrastruktur zur Befriedigung von Grundbedürfnissen sehr deutlich. Ebenso offenbar wird das Versagen bei der Unterbindung von Umweltverschmutzung sowie arme Bevölkerungsgruppen mit sicherem Wohnraum zu versorgen. Doch die Umweltrisiken sind längst nicht mehr auf städtische Slums begrenzt. Die fortschreitende Urbanisierung der Armut und die Zunahme der Einkommensungleichheit steigert die Verwundbarkeit der Städte insgesamt: Epidemien, Gewalt und Unregierbarkeit lassen sich nicht auf Stadtviertel begrenzen.

Elemente einer Strategie für nachhaltige urbane Entwicklung
Die Verbesserung der Umweltbedingungen für die städtische Bevölkerung vor allem in informellen Siedlungen und Slums ist eine wichtige Voraussetzung für die Minderung von Risiken und trägt entscheidend zur Nachhaltigkeit der Entwicklung in Megastädten bei. Hierbei geht es um die Reduzierung von Einkommensarmut wie auch die direkte Verbesserung der Gesundheit: Der Zugang zu sauberem und bezahlbarem Trinkwasser, eine sanitäre Infrastruktur sowie sicherer Wohnraum sind entscheidend.

Die Lösung der umweltrelevanten Probleme erfordert eine kompetente kommunale Verwaltung, der eine Reihe von Instrumenten zur Verfügung steht. Auf lokaler Ebene können Aufklärung und die Durchführung von Kampagnen die Menschen für die urbanen Risiken sensibilisieren. Technologische Lösungen müssen jeweils auf die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Bevölkerung und hier insbesondere auf die Bedürfnisse von Frauen zugeschnitten sein, um einen effizienten Einsatz der knappen Mittel zu ermöglichen.

Angesichts der globalen Dimension liegt die Verantwortung aber nicht allein bei den Akteuren in den Megastädten der Entwicklungs- und Schwellenländer. Auch die bereits stark urbanisierten Regionen in den Industrieländern tragen globale Verantwortung: Beispielsweise durch die im Jahr 2002 im Vergleich mit Entwicklungsländern etwa sechsmal höhere Pro-Kopf-Emission von Treibhausgasen. Konventionen auf Ebene der internationalen Staatengemeinschaft wie beispielsweise das "Kyoto-Protokoll" zum Klimaschutz oder die Formulierung der "Millennium Development Goals" zur Nachhaltigkeit stellen wichtige Instrumente dar, um diese Verantwortung einzugehen.


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