Skyline von Schanghai
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Global Cities – Urbane Zentren der Weltwirtschaft

Globalisierung und Verstädterung


24.8.2006
In Megastädten werden die globalen Ströme von Kapital, Gütern, Informationen und auch Migranten gelenkt. Doch nicht jede Megastadt nimmt tatsächlich derart Einfluss auf die internationalen Märkte. Wie wird eine Stadt zur Global City?

Einleitung



Mit den Prozessen der Globalisierung, die wir seit den 1980er Jahren beobachten, haben sich auch unsere Vorstellungen von der Geographie der Weltwirtschaft verändert. Sahen wir für eine lange Zeit eine Ansammlung von mehr oder weniger selbständigen und mächtigen Staaten in der Verantwortung für die globale Entwicklung. So wird uns nun immer mehr die Bedeutung bewusst, die (große) Städte im Norden wie im Süden für das Zustandekommen und die Steuerung der weltweiten Flüsse von Kapital, Waren, Dienstleistungen, aber auch von Migrantinnen und Migranten haben. Doch welcher Zusammenhang besteht zwischen Globalisierung und Verstädterung?

Die zwei wesentlichsten weltwirtschaftlichen Veränderungen der letzten drei Jahrzehnte sind einerseits die Verlagerung vieler Industrien in Länder der "Dritten Welt" – das Entstehen des "globalen Fließbands". Andererseits eine enorme Ausweitung der Transaktionen, die auf den internationalen Finanzmärkten abgewickelt werden. Zudem sind diese Umschlagplätze mehr und mehr ineinander verwoben worden, so dass heute tatsächlich ein globaler Finanzmarkt existiert. Diese Entwicklungen haben die Komplexität der Steuerungs- und Managementaufgaben für die globale Wirtschaft erhöht, wovon der Bedeutungsgewinn der so genannten Produktionsdienste (wie z.B. Finanz-, Versicherungs-, Immobilien- und Rechtsdienste, aber auch Marketing oder Unternehmensberatung) Zeugnis ablegt.

Die Globalisierung wird nur an wenigen Orten "gemacht"



Drei entscheidende Punkte lassen sich nennen, um den Zusammenhang zwischen Verstädterung und Globalisierung aufzuzeigen. Da ist zum ersten die Tatsache, dass die genannten Produktionsdienste räumlich stark konzentriert sind, nämlich auf weltweit gesehen nur wenige Städte – die so genannten Global Cities. Als solche bezeichnet die Stadtsoziologin Saskia Sassen Städte, in denen Firmen konzentriert sind, die jene Produktionsdienste erbringen, die für die Integration der weltweit verstreuten Standorte der Produktion agrarischer sowie industrieller Güter erforderlich sind. Global Cities sind Städte, in denen sich Firmen niederlassen, die Kommando-, Kontroll- und Managementaufgaben für die Weltwirtschaft ausüben. Von dort verknüpfen sie regionale, nationale und internationale Ökonomien zu einer Weltwirtschaft. Global Cities sind also, in einem Wort, diejenigen Orte, an denen Globalisierung "gemacht" wird.

Stellt man sich die Weltwirtschaft als eine Vielzahl einander überlappender Warenketten oder Produktionsnetze vor, so sind die Global Cities die Knotenpunkte, durch welche die globalen Flüsse von Kapital, Gütern, Informationen, Dienstleistungen sowie Migrantinnen und Migranten fließen, und an denen sie gesteuert, gemanagt und kontrolliert werden.

World City NetworkWorld City Network - Global Players und ihre Hierarchie (© GaWC, University Loughborough)
Für diese umfangreichen Aufgaben braucht es mehr als eine oder auch nur eine Hand voll Global Cities. Die "Globalization and World Cities - Study Group & Network" (GaWC) an der britischen Universität Loughborough zählt weltweit 55 Städte zu den Global bzw. World Cities. Eine Konzentration auf Nord-Amerika, West-Europa und den asiatisch-pazifischen Raum ist jedoch unbestreitbar. Erwartungsgemäß zählen Tokio und New York zu den Global Cities, aber auch Atlanta, Istanbul und Kuala Lumpur. Aus dem Umstand, dass Global Cities die Knotenpunkte der weltweiten Produktionsnetze bilden, ergibt sich, dass diese zugleich untereinander verbunden sind. Sie bilden ein "world city network", so Peter Taylor, Co-Direktor des GaWC, das einerseits innerhalb der jeweiligen Nationalstaaten verankert ist, sich andererseits aber auch über deren Grenzen hinwegsetzt.



 
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