Skyline von Schanghai

17.9.2008

Metropolisierung und städtische Konzentration

Insgesamt lebt rund 20% der Weltbevölkerung in Städten, die mehr als 1 Mio. Einwohner haben, davon in den ärmsten Ländern 12%, in den Schwellenländern 20% und in den hoch entwickelten Ländern 18%.

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    Die Daten zur Verstädterung zeigen, dass in der Regel die hoch entwickelten Länder einen höheren Verstädterungsgrad aufweisen (74%) als die Entwicklungs- und Schwellenländer (43%), mit der Ausnahme Lateinamerika, wo schon ein größerer Anteil der Bevölkerung (77%) in Städten lebt als in Europa (72%). Generell kann man aber sagen, dass für die meisten hoch entwickelten Länder auch ein hoher Verstädterungsgrad charakteristisch ist.

    Um die Verstädterung näher zu charakterisieren, sind insbesondere zwei Indikatoren wichtig: der "Metropolisierungsgrad", d.h. der Anteil der Gesamtbevölkerung, der in Städten mit mehr als 1 Mio. Einwohnern lebt, und die "städtische Konzentration", d.h. der Anteil der städtischen Bevölkerung, der sich in der größten Stadt des Landes konzentriert.

    Insgesamt lebt rund 20% der Weltbevölkerung in Städten, die mehr als 1 Mio. Einwohner haben, davon in den ärmsten Ländern 12%, in den Schwellenländern 20% und in den hoch entwickelten Ländern 18%. In vielen Schwellenländern ist die Metropolisierung also ausgeprägter als Europa. Dies trifft vor allem für Lateinamerika zu, wo 34% der Gesamtbevölkerung in Millionen-Städten lebt. Im Gegensatz dazu beträgt die Metropolisierung in Südasien (mit Indien) nur 12%. Für Afrika und Ostasien liegen in dieser Statistik keine Zahlen vor.

    Ähnliches gilt für die städtische Konzentration. Im globalen Durchschnitt leben 16% der Stadtbewohner in der jeweils größten Stadt des Landes, davon in den reichen Ländern 19% und in den armen Ländern 18%. In Ostasien konzentrieren sich 8% der städtischen Bevölkerung in der größten Stadt des Landes, in Südasien 11%, in Lateinamerika 22% und in Afrika (südl. d. Sahara) 26%. Afrika weist also, trotz niedrigem Verstädterungsgrad (38%) und niedrigem Pro-Kopf-Einkommen, weltweit die höchste städtische Konzentration auf. Dies zeigt, dass sich gerade in armen Ländern oft ein überproportionaler Anteil der städtischen Bevölkerung in der größten Stadt des Landes konzentriert.

    In China und Indien ist die städtische Konzentration gering, nur 3 bzw. 6% der städtischen Bevölkerung lebt in Shanghai oder Mumbai. Wegen der Größe und riesigen Bevölkerung beider Länder werden beide Metropolen auch in Zukunft nicht 15 oder 20 % der städtischen Bevölkerung aufnehmen wie die Hauptstädte vieler kleinen Länder, sondern der Verstädterungsdruck wird sich auf mehrere Megastädte und zahlreiche Millionenstädte verteilen. Kleinere asiatische Länder weisen dagegen oft eine hohe städtische Konzentration auf, z.B. Kambodscha, wo fast die Hälfte der städtischen Bevölkerung (49%) in der Hauptstadt Phnom Penh lebt, oder Bangladesh, wo sich 35% der städtischen Bevölkerung in Dhaka konzentriert. Sehr hoch ist die städtische Konzentration auch in Japan: dort leben 42% der Stadtbevölkerung im Ballungsraum Tokio. Asiatische Länder mit einer relativ niedrigen städtischen Konzentration sind u.a. Indonesien (Jakarta, 12%) und Malaysia (Kuala Lumpur, 8%).

    In Lateinamerika leben im Durchschnitt 22% der städtischen Bevölkerung in der größten Stadt des Landes. In Chile (Santiago d. Ch., 40%), Peru (Lima, 35%) und Mexiko (Mexiko-Stadt, 25%) ist die städtischen Konzentration hoch, in Brasilien (Sao Paulo, 12%) relativ niedrig. Für Brasilien gilt das Gleiche wie für China und Indien: das Land ist zu groß und zu bevölkerungsreich, um die Verstädterung auf ein einziges großes Zentrum zu konzentrieren.

    Es mag überraschen, dass in Afrika die städtische Konzentration oft noch größer ist als in Lateinamerika, obwohl der Verstädterungsgrad viel niedriger ist. Die städtische Konzentration ist in Libyen (Tripolis, 42%) in Kenia (Nairobi, 39%) und in Ägypten (Kairo, 35%) sehr hoch, in Äthiopien (Adis Abeba, 25%), Ghana (Akkra 19%) und in Nigeria (Lagos, 17%) relativ niedrig. In Afrika führt nicht nur die ländliche Armut, sondern auch die Unsicherheit in vielen Regionen dazu, dass die Menschen in großer Zahl in die Hauptstadt flüchten.

    In Europa weist Griechenland eine extreme städtische Konzentration auf, dort lebt fast die Hälfte aller Stadtbewohner (49%) in der Hauptstadt (Athen). In Frankreich (Paris, 21%), Großbritannien (London, 16%), Italien (Rom, 8%) und in Deutschland (Berlin, 5%) ist die städtische Konzentration wesentlich niedriger, insbesondere in Deutschland, was auf das historisch gewachsene und dezentrale Städtesystem zurückzuführen ist. Auch in den USA lebt nur ein kleiner Teil der Stadtbewohner (8%) in der größten Stadt des Landes (New York), in Australien (Sydney) dagegen viele (24%).

    In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern lebt also ein deutlich höherer Anteil der Stadtbewohner in Millionen-Städten und in der größten Stadt des Landes als in Europa oder Nordamerika. Gleichzeitig nimmt in vielen Ländern der Metropolisierungsgrad zu und die städtische Konzentration ab, d.h. immer mehr Menschen leben in den "nachwachsenden" Millionen-Städten außerhalb der Hauptstadt, was den Druck auf die größte Stadt des Landes mindert, die Probleme der Metropolisierung aber im ganzen Land verteilt. Dies gilt insbesondere für die großen Schwellenländer wie China, Indien und Brasilien, wo die regionalen Zentren oft schneller wachsen als die Metropole oder Hauptstadt.

    Definition

    Metropolisierungsgrad (%): Bevölkerungsanteil, der in Millionen-Städten lebt. Städtische Konzentration (%): Anteil der städtischen Bevölkerung, der in der größten Stadt des Landes lebt. Gelegentlich wird auch gemessen, welcher Anteil der Gesamtbevölkerung in der größten Stadt des Landes lebt.

    Statistik

    Metropolisierungsgrad und Städtische Konzentration, 2005
    Anteil der Bevölkerung in Städten über 1 Mio. EW. (%) und
    Anteil der städtischen Bevölkerung in der größten Stadt des Landes (%)

      Metropolisierungsgrad Städtische Konzentration
    hoch entwickelte Länder
    (hohes Einkommen)
    18 19
    Schwellenländer
    (mittleres Einkommen)
    20 14
    Entwicklungsländer
    (niedriges Einkommen)
    12 18
       
    Ostasien und Pazifik - 8
    Südasien 12 11
    Lateinamerika u. Karibik 34 22
    Mittlerer Osten und Nordafrika 20 25
    Afrika (südl. Sahara) 12 26
    Europa EMU 18 15


    Quelle
    World Bank, 2007 World Development Indicators
    siteresources.worldbank.org/
    www.un.org/esa/

    Links

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    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck


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