Skyline von Schanghai

24.9.2008

Sanitäre Einrichtungen

In den Entwicklungs- und Schwellenländern haben rund 30% der städtischen Bevölkerung – fast eine Mrd. Menschen – keinen Zugang zu privaten Toiletten mit ausreichendem hygienischen Standard.

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    Ausreichende sanitäre Einrichtungen – vor allem private Toiletten – sind wichtige Indikatoren für den urbanen Wohn- und Lebensstandard. Schlechte sanitäre Bedingungen wirken sich negativ auf die Gesundheit, Kindersterblichkeit und Lebenserwartung der Bevölkerung aus, deshalb beschäftigen sich mehrere UN-Organisationen mit diesem Thema, wie z.B. UN-HABITAT, UN-DESA und UN-FAO.

    Während in den hoch entwickelten Ländern die städtische und ländliche Bevölkerung 100%ig versorgt und damit das sanitäre Problem flächendeckend gelöst ist, haben in den Entwicklungs- und Schwellenländern rund 30% der städtischen Bevölkerung – fast eine Milliarde Menschen – keinen Zugang zu privaten Toiletten mit ausreichendem hygienischen Standard. Dies deckt sich mit den globalen Zahlen zur städtischen Slumbevölkerung und zeigt, dass einige der dringendsten Probleme der aktuellen Stadtentwicklung zumindest in Afrika und Asien im sanitären Bereich liegen.

    In Nordafrika ist der größte Teil der Bevölkerung (89%) in sanitärer Hinsicht ausreichend versorgt, ähnlich sieht es in den Städten Südostasiens und Westasiens aus. Auch in Lateinamerika haben 84% der Stadtbewohner Zugang zu ausreichenden sanitären Einrichtungen. Schlechter sind die sanitären Bedingungen in Ostasien (mit China) und Südasien (mit Indien), dort haben nur knapp 70% der Stadtbewohner Zugang zu Toiletten ausreichenden Standards, d.h. fast ein Drittel der Stadtbewohner lebt unter prekären hygienischen Bedingungen. Den schlechtesten Standard weist in dieser Hinsicht Afrika (südl. d. Sahara) auf, dort hat nur gut die Hälfte der städtischen Bevölkerung (55%) Zugang zu ausreichenden sanitären Einrichtungen..

    Aufgrund der hohen Siedlungsdichte sind sanitäre Missstände in großen Städten wesentlich kritischer als auf dem Land, wo die Versorgung mit Trinkwasser das größere Problem darstellt. In vielen Südmetropolen stellt der Mangel an sanitären Einrichtungen und die unkontrollierte Abwasserbeseitigung das größte Gesundheitsrisiko dar. Besonders kritisch ist die Situation dort, wo sich die städtische Bevölkerung noch aus lokalen Brunnen mit Trinkwasser versorgt, während gleichzeitig Fäkalien und Abwässer unkontrolliert versickern und das Grundwasser kontaminieren.

    Moderne Abwassersysteme und sanitäre Einrichtungen erfordern große öffentliche und private Investitionen, die sich in armen Ländern weder die Städte noch die Haushalte leisten können. Deshalb hinkt in vielen Städten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas die sanitäre Ausstattung deutlich hinter der Wasserversorgung her. Eine gute Wasserversorgung ohne adäquate Toiletten und Abwassersysteme verschärft jedoch das Problem, weil unkontrolliert oder offen abfließendes Abwasser ein hohes Gesundheitsrisiko darstellt und die Umwelt extrem belastet. Die oft völlig kontaminierten Bäche, Flüsse und Lagunen, die man in vielen Städten Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sieht, zeigen dies mit aller Deutlichkeit.

    Definition

    Anteil (%) der städtischen Bevölkerung mit Zugang zu ausreichenden sanitären Einrichtungen (improved sanitation), d.h. private Toiletten mit Wasserspülung und Anschluss an ein Abwassersystem oder gut installierte "pit latrines". Da die prekären Stadtgebiete meist schlecht dokumentiert sind, handelt es sich bei den Zahlen um Schätzungen, die erhebliche Ungenauigkeiten und Fehler aufweisen können.

    Statistik

    Sanitäre Ausstattung
    Zugang der städtischen Bevölkerung zu sanitären Einrichtungen, 2003

    Region städt. Bevölkerung gesamt (Mio.) ausreichend versorgte Bevölkerung (%) unversorgte Bevölkerung (%)
    Nordafrika 77,9 89 11
    Afrika (südl. d. Sahara) 251,2 55 45
    Lateinamerika
    und Karibik
    417,2 84 16
    Ostasien 564,8 69 31
    Südasien 448,7 67 33
    Südostasien 228,6 80 20
    Westasien 124,3 95 5
     
    Gesamt 1.884,10 70 30


    Quelle
    UN-HABITAT: State of the World's Cities 2006/7, p.86, table 2.4.1
    Urban Indicators Programme Phase III and United Nations, World Urbanization Prospects; The 2003 revision.

    Links

    UN-HABITAT - Access to Improved Water Sources and Improved Sanitation

    UN-HABITAT - Water and Sanitation in the Worlds Cities

    UN-HABITAT - Slums: Inadequate Sanitation & the Silent Tsunami

    Worldbank - Water for the Urban Poor

    Water and Sanitation for the Urban Poor (WSUP)

    Autor: Prof. Dr. Eckhart Ribbeck


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