Das Bistro Zum Kaiser in der namibischen Stadt Swapokmund: Zeugnis der deutschen Kolonialvergangenheit in "Deutsch-Südwest-Afrika", die im Juli 1915 mit der Kapitulation vor den Truppen der südafrikanischen Union endete.
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Afrikanische Zuwanderung nach Deutschland zwischen 1884 und 1945


30.7.2004
Wie haben die Menschen afrikanischer Herkunft bis 1945 in Deutschland gelebt? Wer waren sie und unter welchen Bedingungen meisterten sie das Leben in einer Gesellschaft, die sie als 'das Fremde' betrachtete? Eine Analyse von Originaldokumenten und Fotografien.

Einführung



Wie haben die Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland gelebt? Wer waren sie und unter welchen Bedingungen meisterten sie das Leben in einer Gesellschaft, die sie als 'das Fremde' betrachtete?

Ich wusste aus meinem eigenen Leben als Afro-Deutsche, Jahrgang 1959, wie es sich anfühlte als Schwarze Deutsche in Deutschland aufzuwachsen, sich als Inländerin zu fühlen und doch auch immer wieder als das Symbol des Anderen wahrgenommen zu werden. Ich fragte mich, wie die Situation für Afrikaner und Afro-Deutsche 100 oder 50 Jahre vor meiner Geburt gewesen sein mag.

Martin Dibobe als Zugführer am U-Bahnhof Schlesisches Tor, ca. 1908.Martin Dibobe als Zugführer am U-Bahnhof Schlesisches Tor, ca. 1908. (© Archiv der BVG Berlin)
Es gab keine Literatur oder Dokumente, die mir diese Fragen beantworten konnten. Die Afrikanerinnen und Afrikaner, die sich in der Metropole aufhielten, waren bis dahin nie Gegenstand der historischen Forschung gewesen. Die Frage nach ihrer Anwesenheit in Deutschland und ihrem Beitrag für die Gesellschaft hatte sich für meine Historikerkolleginnen und –kollegen nicht gestellt. Der Grund hierfür war eine Reihe von unbelegten Vermutungen, die sich in der Folge im Wesentlichen als unrichtig und begrenzt erwiesen haben:

Die in Deutschland lebenden Afrikaner seien eine sehr kleine Minderheit und daher sei ihre Präsenz ohne Einfluss und Relevanz für die hiesige Gesellschaft gewesen.
Die deutsche Gesellschaft sei im Ganzen so fremdenfeindlich gewesen, dass ein normales Leben für Afrikaner hier nicht möglich gewesen wäre.
Die Menschen schwarzer Hautfarbe seien einzig auf die Rolle als exotisches Objekt beschränkt gewesen.

Im Rahmen meiner Abschlussarbeit an der Universität begab ich mich 1987 auf die Suche nach den Zeugnissen des Lebens Schwarzer Menschen in Deutschland. Es gelang mir eine Skizze der afrikanischen Zuwanderung sowie der Lebensbedingungen der Afrikaner und Afro-Deutschen in Deutschland über drei historische Perioden zwischen der Errichtung deutscher Kolonien 1884 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges zu entwerfen. Nachdem ein Anfang gemacht war und einige mögliche Quellenfundstellen aufgezeigt waren, zeigte sich, dass die Forschung zur Präsenz Schwarzer Menschen in Deutschland ein überaus vielfältiges und facettenreiches Gebiet darstellte.

Den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den verschiedensten Fachrichtungen, die sich heute diesem Themengebiet zuwenden und zu den verschiedensten Aspekten arbeiten, erleben, dass ihnen die Quellen in ihrer Fülle gar explodieren. Ich freue mich über die Vielfalt der Forschung und über jede neue Veröffentlichung, die dazu beiträgt, das Puzzle zu vervollständigen. Viele Fragen wurden mittlerweile beantwortet, doch viele neue sind entstanden und so ist dieses Forschungsgebiet weiterhin sehr aufregend und bietet die Möglichkeit neuer Entdeckungen. Vor allem seien die Spuren der Afrikanerinnen und Afrikaner in der deutschen Geschichte so gering, dass es keine ausreichende Menge von Originalquellen gäbe, die sich wissenschaftlich auswerten ließen.

Kaiserzeit und Kolonialherrschaft



Die Epoche des deutschen Kolonialismus fiel in die Zeit des deutschen Kaiserreichs. Durch die Einigung der deutschen Nation war die Zersplitterung der Kleinstaaterei überwunden und es schien nur folgerichtig, dass Deutschland seinen Anspruch zu den europäischen Großmächten zu zählen, nun auch mit dem Erwerb eigener Kolonialgebiete nach außen deutlich machte. Auf der von Otto von Bismarck 1884 einberufenen Berliner Kongo-Konferenz, an der alle zur damaligen Zeit wichtigen Nationen teilnahmen, wurde Afrika sozusagen am grünen Tisch unter den europäischen Mächten aufgeteilt. Mit dieser Absicherung im Hintergrund übernahm die deutsche Regierung – auf Drängen der interessierten Kolonial- und Wirtschaftskreise in Deutschland – die Schutzherrschaft in verschiedenen Gebieten Afrikas.

Kolonial-Briefmarke "Deutsch-Ostafrika"Deutsche Kolonial-Briefmarke. (© Public Domain, Deutsche Reichspost)
Die Errichtung der deutschen Kolonien bildete die Voraussetzung für die nun erstmals in größerer Zahl stattfindenden Einreisen von Afrikanern nach Deutschland. Deutsche Kaufleute, Missionare und Reisende waren bereits vor dem staatlichen Engagement Deutschlands in Afrika anwesend. Es gab einen regen Reiseverkehr und Handelsaustausch zwischen Afrika und Deutschland. Die Schifffahrtsverbindungen wurden nun regelmäßiger und die berühmte 'Woermann Linie' fuhr mit höherer Taktfrequenz nach Duala (Kamerun), Lome (Togo), zur Walfischbucht (Deutsch-Südwest-Afrika) oder nach Daressalam (Deutsch-Ost-Afrika).

Der Ausbau der deutschen Kolonien ging einher mit einem steigenden Bedarf an einheimischen Fachkräften für die Kolonialverwaltung und -wirtschaft. So kamen viele junge Afrikanerinnen und Afrikaner zum Zweck der Ausbildung nach Deutschland. An deutschen Schulen und Universitäten erhielten einige von ihnen eine höhere Schulbildung. Die Mehrzahl der Neuankömmlinge wurde jedoch an Missions- und Kolonialschulen als Handwerker, zu einheimischen Missionslehrern, als Handwerker oder Facharbeiter für die Tätigkeit in den Kolonien ausgebildet. Wieder andere reisten auf Schiffen der deutschen Afrikalinien als Koch, Stewards oder Heizer nach Deutschland ein. Häufig wurden die Afrikaner als Sprachgehilfen für afrikanische Sprachen bei den deutschen Afrikaforschern eingesetzt oder sie kamen als ehemalige Angehörige der deutschen Schutztruppen, den Askari, nach Deutschland. Außerdem gab es noch die große Gruppe derjenigen meist jugendlichen Afrikanern und Afrikanerinnen, die von deutschen Kaufleuten oder Reisenden von deren Afrikareisen, sei es als Hilfen für Haushalt und Geschäft oder als sentimentales 'Mitbringsel', mit nach Deutschland zurückgebracht wurden.

Viele dieser Afrikaner, die als junge Männer oder Jugendliche nach Deutschland gekommen waren, blieben für den Rest ihres Lebens in Deutschland, gründeten Familien und arbeiteten hier. Einige von ihnen brachten sich auch auf politischer Ebene in die deutsche Gesellschaft ein.



 

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