US-Soldaten in Afghanistan

Freitag


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01.02.2017

"Realpolitik aus Moskau"

https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/realpolitik-aus-moskau

In Syrien stehe der russische Präsident in diesem Jahr "genau dort, wo die Entscheidungen fallen", stellt Lutz Herden fest. Die westliche Diplomatie, die sich "in ideologisch gefärbtem Wunschdenken auf ein Gut-Böse-Klischee festgelegt" habe und erst einmal "vom hohen Ross der Wertebeschwörung" herabsteigen müsse, habe der russischen Realpolitik bisher nichts entgegensetzen können. "Auch wenn es für das Zähmen der Kriegsfurie keine Erfolgsgarantie gibt, so immerhin eine Gunst der Stunde, die im Augenblick fünf Umständen zu verdanken ist: dem Ausmaß der Zerstörung Syriens, die jeden Sieger zum leeren Blick auf leere Hände verurteilt; der nach Aleppo veränderten inneren Kräftebalance; dem Willen zum Kompromiss bei entscheidenden Akteuren; einem Wandel bei den diplomatischen Bündnissen und dem Bewusstsein im Westen, dass eine militärische Intervention zur Konfrontation mit Russland führt. Ohnehin dürfte es nach dem 20. Januar im Weißen Haus mit den antirussischen Affekten vorbei sein – vorübergehend zumindest."

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17.01.2017

"Legal, aber unerträglich"

https://www.freitag.de/autoren/lfb/ungefaehrlich-aber-unertraeglich

Das Bundesverfassungsgericht hat den Antrag der Innenminister der Länder auf ein Verbot der NPD abgewiesen. Für Leander F. Badura ist das Urteil "politisch schwer zu ertragen". Er sieht die größte rechte Gefahr in Deutschland heute allerdings ohnehin anderswo. "Hetze gegen Fremde, rassistisch-völkisches Gerede und Schwärmen von autoritären Regierungsformen ist so weit in der Mitte des Diskurses angekommen, dass es die allzu gestrige NPD nicht mehr braucht. Als sei sie die Keimzelle, in der nazistisches Gedankengut die Jahrzehnte überdauert hat, wird sie nun vom frisch geschlüpften autoritären Charakter in Form von AfD, Pegida und Co. abgeworfen. Für Antifaschisten bleibt viel zu tun."

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05.01.2017

"Mit Material von dpa"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/mit-material-von-dpa

Christoph Kappes kritisiert die deutschen Medien in der Debatte über die diesjährige Silvesternacht in Köln für deren mangelnde Präsenz vor Ort. Anstatt sich ein eigenes Bild von der Situation zu machen, hätten sich viele in ihren Bewertungen auf Polizei- und dpa-Berichte verlassen. "Es wäre ein Leichtes gewesen, durch Nachfragen und Interviews für die Öffentlichkeit zu recherchieren, welche Geschichte die Nordafrikaner erzählen, und sich ein Bild von den Gruppen zu machen. Woher kommen sie? Waren sie schon im Vorjahr da? Wie haben sie sich verabredet? Was führt sie an den Ort? Wie wirken sie? Was ist ihre Intention? Und wie nahmen andere die Situation wahr, etwa Frauen? Racial profiling ist abzulehnen, weil es nach äußerlichen, abstrakten Kriterien erfolgt. Gegen diese gefährliche Verallgemeinerung hilft nur die Aufklärung des Konkreten. Journalisten müssen dabei nicht zum Ermittler werden – aber präzise die Fakten sammeln, mit allen erlaubten Mitteln, bevor andere die Narrative stricken."

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11.12.2016

"Die Guten und die Bösen"

https://www.freitag.de/autoren/daniela-dahn/die-guten-und-die-boesen

Die Journalistin und Schriftstellerin Daniela Dahn widmet sich in diesem Essay der "einseitig ausgerichteten" Berichterstattung über die Schlachten in Aleppo und Mossul. "Als Staffan de Mistura, der UN-Sondergesandte für Syrien, sich überflüssigerweise schockiert zeigte über den rebellischen Beschuss von Wohnvierteln in West-Aleppo mit geächteten Waffen, verfielen wir taktvoll in bombastisches Schweigen. Stattdessen sendete der ARD-Weltspiegel-extra eine Reportage, die mehrfach wiederholt wurde. Darin versichert ein ranghoher Soldat der irakischen Armee, dass alle Angriffsziele erst gründlich untersucht würden – sind Kinder in den Häusern oder Alte? Wenn ja, würde eben nicht bombardiert. So wünscht man sich das, so sehen gerechte Kriege aus, das ist friedensnobelpreisverdächtig. So sauber ausgewählt wird im Häuserkampf der Eineinhalb-Millionen-Stadt Mossul. Deren Bewohner ein Durchschnittsalter von 20 Jahren haben. Da sind sowieso ganz selten Kinder darunter."

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29.11.2016

"Hinter der bürgerlichen Fassade"

https://www.freitag.de/autoren/martina-mescher/hinter-der-buergerlichen-fassade

Mehr als ein Viertel der deutschen Bevölkerung folge Verschwörungstheorien der Neuen Rechten, schreibt Martina Mescher in Bezug auf die Studie "Gespaltene Mitte – Feindselige Zustände" der Friedrich-Ebert-Stiftung. "28 Prozent der Deutschen vertreten neurechte Einstellungen, 40 Prozent aller Befragten meinen, die deutsche Gesellschaft werde vom Islam unterwandert. Bei den Anhängern der AfD sind es 84 Prozent, die ein neurechtes Weltbild haben. In anderen europäischen Ländern ist die Situation noch alarmierender. Wenige Tage vor der deutschen 'Mitte'-Studie veröffentliche das britische Meinungsforschungsinstitut YouGov eine Untersuchung zur Größe der Anhängerschaft autoritärer Populisten in Europa. Schweden, Deutschland, Spanien und Litauen gehören zu den Schlusslichtern, in Polen sind 78 Prozent der Wähler empfänglich für populistische Ideen, in Frankreich 63 Prozent und in den Niederlanden 55 Prozent."

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17.11.2016

"Mein Aufschrei als Muslim"

https://www.freitag.de/autoren/cueneyd-dinc/mein-aufschrei-als-muslim

Der Soziologe Cüneyd Dinc erklärt in einem Blogbeitrag für den Freitag, "warum wir moderaten Muslime in Deutschland entschiedener gegen Salafismus eintreten müssen". "Mit dem dschihadistischen Salafismus können wir nicht reden. Viele dieser Menschen sind schon so radikalisiert, als dass ein einzelner noch etwas machen kann. Sie sind eine Gefahr für dieses Land. Diese Menschen bringen nicht nur jungen Muslimen eine obskure Vorstellung des Islams bei, nein, sie überzeugen sie auch, im Nahen Osten ihr junges Leben zu lassen. Darum befürworte ich als Muslim das Verbot und die Razzien der Polizei gegen die Salafisten der 'Die wahre Religion'-Gruppe um den radikalen Salafistenprediger Abou Nagie. Diesen Menschen muss der Rechtsstaat mit all seinen Mitteln das Handwerk legen und verhindern, dass sie Menschen für den Dschihad rekrutieren, um sie im Nahen Osten zu verheizen."

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16.11.2016

"Mehr als eine Schlacht"

https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/mehr-als-eine-schlacht-in-mossul-lodert-der-irakkrieg-von-neue
m-auf

Der Irakkrieg lodere erneut auf, schreibt Lutz Herden angesichts der Schlacht um Mossul, in der das Kräfteverhältnis der gegnerischen Seiten noch lange nicht klar sei. "Entweder sind die Gefechte schnell vorbei oder dauern länger, als für das Überleben einer Großstadt gut sein kann. Entweder haben die IS-Kommandeure längst den Rückzug befohlen und ließen nur symbolische Einheiten zurück, deren Kämpfer den Tod des Märtyrers suchen. Oder sie haben sich in einer Festung eingegraben, der Wohnviertel als Bastionen dienen. Sicher ist nur, der Irakkrieg lodert nun endgültig wieder auf. Nicht nur Kurden und Araber, auch Amerikaner und Briten treten an, als hätte dieses Land nicht Totengräber genug. Irgendwann werden Sieger von Verlierern zu unterscheiden sein, irgendwann werden die Bewohner von Mossul erfahren und entscheiden, ob sie befreit oder besetzt wurden. Weil das im Irak eine offene Frage ist, hat der IS eine Überlebenschance. Der kommende Tag ist ein Resultat des heutigen."

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13.11.2016

"Wie Soziale Medien die Demokratie gefährden"

https://www.freitag.de/autoren/stefankrabbes/wie-facebook-die-demokratie-gefaehrdet

Das weltweite Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen habe nicht nur politische Gründe, meint Stefan Krabbes. Angesichts einer "weitgehenden Anarchie" im sozialen Raum des Internets sieht er "die Staaten" in der Pflicht, geltendes Recht "online und offline durchzusetzen". "Die Stadt Internet braucht neben Unternehmen, Menschen und Nachrichten endlich auch Institutionen, die das Leben in ihr regeln und auf die sich die Bürgerinnen und Bürger berufen. Noch immer werden Online und Offline als zwei Welten betrachtet, die miteinander nichts zu tun haben. Doch wenn wir nicht ernst nehmen, dass die soziale Digitalisierung politisch begleitet werden muss, dann verzichten wir darauf diese Gesellschaft zu zäumen, die aktuell näher an Thomas Hobbes Naturzustand ist als es uns lieb sein kann. (...) Der Kampf um die Demokratie wird heute online ausgetragen. Wir dürfen nicht zulassen, dass Populisten oder Social Bots den noch zu gestaltenden sozialen Raum vor den Demokraten gestalten."

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07.11.2016

"Ein Einsatz an der Grenze"

https://www.freitag.de/autoren/michael-jaeger/ein-einsatz-an-der-grenze

Michael Jäger über den möglicherweise bevorstehenden Einsatz von AWACS-Aufklärungsflugzeugen mit deutscher Besatzung im Nahen Osten. "Der Beschluss zur Ausweitung der AWACS-Flüge im Nahen Osten wurde vom Bundeskabinett schon gefasst, in der nächsten Woche wird voraussichtlich der Bundestag zustimmen. Es ist ein gefährlicher Eskalationsschritt, mit dem die Bundeswehr noch tiefer im dortigen Kriegssumpf versinkt. (...) Das Auswärtige Amt hatte gegen den Einsatz protestiert, der die NATO zur Kriegspartei macht, gab aber nach und wurde mit einem fadenscheinigen Kompromiss abgespeist. (...) Der NATO-Einsatz war von den USA gefordert worden. In Berlin wurde eingewandt, dass er die Friedensbemühungen im Syrien-Konflikt erschweren könnte. Was wahrlich eine untertriebene Formulierung ist. Man könnte eher davon sprechen, dass die Schwelle zum Krieg mit Russland um ein Weiteres gesenkt wurde."

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27.10.2016

"Im Dschungel der Politik"

https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/im-dschungel-der-politik

Die französische Regierung setze bei der Räumung des "Dschungels von Calais" nicht auf eine langfristige Lösung, schreibt Juliane Löffler im Freitag. "Die Räumung ist vielmehr eine Reaktion auf die anstehenden Parlamentswahlen im November. Flüchtlingspolitik stand nie auf der Prioritätenliste von Präsident François Hollande. Und statt ein linkes Gegenprogramm zu entwerfen, gab er rechten Parolen indirekt nach – indem er auf die Terroranschläge in Paris und Nizza mit Notstandsgesetzen und Ausnahmezustand statt Reformen für eine bessere Integration reagierte. Ohnehin gibt es in Frankreich keine progressive Flüchtlingspolitik. Die Anerkennungsquoten bei Asylverfahren sind niedrig, die Wahlergebnisse des Front National hoch. Ein Großteil der Menschen wird also wieder abgeschoben, es herrscht ein gravierender Mangel an Unterbringungsmöglichkeiten. In Paris schlafen Flüchtende auf der Straße. Dass rund 80.000 Asylanträge wie im Jahr 2015 nicht besser bewältigt wurden, ist auch Zeichen des politischen Unwillens, an der Lage etwas zu ändern."

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21.10.2016

"Die Leute haben Zukunftsängste"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/hokuspokus

Thomas Leif im Gespräch mit dem ehemaligen Sozialrichter und Rentenexperten Dr. Jürgen Borchert über sozialem Abstieg und einer damit verbundenen Affinität zu radikalen Parteien. "Die Menschen haben auf breiter Front Existenzängste. Und Existenzängste führen immer zu Extremismus-Reaktionen. Die Leute radikalisieren sich. Man konnte in den 1930er Jahren wunderbar beobachten, was in Deutschland los war, als die breite Masse Existenzangst kriegte. Da waren Möglichkeiten für radikale Parteien fürs Abfischen gegeben. Und etwas ähnliches erleben wir jetzt – vor allen Dingen mit Nachholeffekt – in Deutschland."

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19.10.2016

"Die Republik erzwingen"

https://www.freitag.de/autoren/wolfgangmichal/die-republik-erzwingen

Muss die Geschichte des Terrorismus neu geschrieben werden? Wolfgang Michal rezensiert das Buch der Gießener Historikerin Carola Dietze, mit dem Titel "Die Erfindung des Terrorismus in Europa, Russland und den USA 1858-1866".

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28.09.2016

"Böse Pläne überall"

https://www.freitag.de/autoren/hhamade/boese-plaene-ueberall

Houssam Hamade über Verschwörungen und Verschwörungstheorien aus sozialpsychologischer Sicht. "Einer der Großmeister der Machtanalyse, Niccolò Machiavelli, bestimmte einmal, dass die Zahl der Mitwisser einer Verschwörung drei oder vier nicht übersteigen dürfte, weil sonst einer von ihnen 'durch Bosheit oder Leichtsinn' das ganze Unternehmen aufdecken könnte. Die Organisation einer riesigen 'Flüchtlingswelle' oder das flächendeckende Durchsetzen von angeblich giftigen Impfungen würden so viele Mitwisser benötigen, dass dazu Mittel aus dem Reich der Science-Fiction nötig wären, etwa die Gedächtnislöscher aus den Men-in-Black-Filmen. Tatsächlich ist es von dort, wo gern von Verschwörungen die Rede ist, oft nicht weit zur Esoterik, zu Spekulationen über Aliens oder 'Echsenmenschen'."

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20.08.2016

"Lasst die Burka in Ruhe!"

https://www.freitag.de/autoren/rotherbaron/lasst-die-burka-in-ruhe?

Freitag-Community-Mitglied Rotherbaron verweist auf Probleme, die seiner Ansicht nach anstelle eines Burkaverbots angegangen werden müssten. "Verbietet die Paschas Das Burkaverbot weist in die falsche Richtung, weil es die Diskriminierung ohnehin schon unterdrückter Frauen noch weiter verstärkt"

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17.08.2016

"Umkehr in letzter Minute"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/umkehr-in-letzter-minute

Der ehemalige CIA-Agent Ray McGovern erläutert wie es zur Entscheidung von US-Präsident Barack Obama kam, trotz scheinbarer eindeutiger Beweise, dass die Assad-Armee 2013 bei Damaskus Giftgas eingesetzt hat, nicht militärisch gegen das Regime vorzugehen. "Außenminister John Kerry, meinte seinerzeit, die Schuld sei klar der Assad-Regierung anzulasten. Dafür gebe es eindeutige Beweise. 'Er hat das 35-mal erklärt, wir haben mitgezählt', sagt McGovern. 'Kerry bediente sich der Social Media, und wir alle wissen, was man damit machen kann, wie nützlich die als Werkzeug der Geheimdienste sind. Wir fragten uns: Cui bono? Es ergab keinen Sinn, dass Assad mit Giftgas schießen lässt, wenn gerade UN-Inspektoren nach Syrien gekommen sind, um Giftgas-Anschläge zu untersuchen. Präsident Obama hatte exakt ein Jahr zuvor erklärt, der Einsatz solcher Waffen sei für ihn die rote Linie. Werde sie überschritten, werde er intervenieren. Dann fanden wir allerdings heraus, dass die Raketen, die angeblich aus einem Gebiet abgefeuert wurden, das unter Kontrolle der Regierung war, nicht von dort kommen konnten. Assads Raketen hatten einfach nicht die nötige Reichweite. Sie mussten aus dem Gebiet der Aufständischen kommen.'"

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14.08.2016

"Im Schnitt 16 Tote täglich"

https://www.freitag.de/autoren/juloeffl/im-schnitt-16-tote-taeglich

"Das Versagen der EU-Außenpolitik ist tödlich", konstatiert Juliane Löffler mit Blick auf die gestiegene Zahl der Flüchtlingsopfer im Mittelmeer. "Für die meisten Menschen ist Flucht keine Option, sie ist ein existenzieller Zwang, es geht ums Überleben. Ist der eine Weg versperrt, nehmen sie einen anderen. Die Frage ist, wie viele Tote das fordert. Immer wieder werden Bilder sichtbar, die etwa Syrer in Aleppo zeigen, eingekesselt, verschüttet, erschossen, verletzt, tot. Oder kürzlich das kenternde Boot auf dem Mittelmeer und der Sea-Watch-Mitarbeiter mit dem toten Baby auf dem Arm. Die Mittelmeerroute ist derzeit so stark frequentiert wie nie, Frontex rechnet mit 300.000 Menschen in diesem Jahr allein aus Libyen. Selbst der Chef der Grenzagentur, Fabrice Leggeri, forderte mehr legale Wege aus den Krisenregionen nach Europa."

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09.08.2016

"Wo ist Widerstand?"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/wo-ist-widerstand

Imran Ayata schreibt, dass Sozialdemokraten, zivilgesellschaftliche Organisationen und weite Teile der Linken in der Türkei der autoritären Wende seit dem Putschversuch nichts entgegensetzen könnten, da sie sich bis heute nicht vom überholten Kemalismus verabschiedet hätten. "Der überholte Kemalismus, eine auf sechs Doktrinen basierende Ideologie, die Staatsgründer Atatürk der jungen Republik mit auf den Weg gab, ist für die türkischen Sozialdemokraten (CHP) und viele Linke vor allem eins: ein Hindernis. Weil die CHP Laizismus ohne Kemalismus nicht denken kann und an Doktrinen wie Nationalismus und Etatismus haftet, entwickelt sie keine neuen programmatischen Antworten auf den anatolischen Neoliberalismus der AKP, auf die Privatisierung des Bildungssektors oder Erdoğans monströse Bauprojekte. (...) Die marginalisierte türkische Linke gibt kaum ein besseres Bild ab. Zersplittert in marxistische Kleingruppen, träumen die einen noch immer von der Revolution, andere brandmarken die kurdische Bewegung, vor allem die PKK, als von imperialen Staaten gelenkt. Die Folgen der Zerschlagung der Linken nach dem Militärputsch 1980 sind bis heute zu spüren."

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07.08.2016

"Falsche Fronten"

https://www.freitag.de/autoren/wolfgang-michal/falsche-fronten

Seit der Veröffentlichung der vertraulichen E-Mails der demokratischen Parteiführung in den USA sehe sich die Enthüllungsplattform WikiLeaks nun auch starker linker Kritik gegenüber, berichtet Wolfgang Michal. Der von feindseligen gegenseitigen Unterstellungen geprägte Konflikt erinnere an die Flügelkämpfe in der Ersten Internationalen im 19. Jahrhundert. "Grundlage des damaligen Konflikts war, dass der Anarchist Bakunin die staatlichen Institutionen radikal bekämpfen wollte, während der Sozialist Marx den Staat lieber in den Dienst der guten Sache stellte. Das ist heute ganz ähnlich. Während der bekennende Anarchist Julian Assange in jeder Geheimhaltungsabsicht eine politische Verschwörung zugunsten der Mächtigen wittert, will Edward Snowden die Geheimhaltung keinesfalls abschaffen, sondern auf das Nötige reduzieren. Während Snowden vor seiner Enthüllungsaktion Staatsdiener war, kämpfte Julian Assange seit frühester Jugend gegen staatliche Bevormundung. (...) Assange ist der Typ, der auch dann weiterkämpft, wenn er auf verlorenem Posten steht. Das macht seine Gefährlichkeit für die Mächtigen aus. Doch sein Anarchismus läuft auch Gefahr, unvermittelt nach rechts zu kippen und aus Enttäuschung intransparent und tyrannisch zu werden, während der Reformer Snowden riskiert, durch allzu viel Vorsicht und Vernunft am Ende gar nichts zu erreichen."

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03.08.2016

"Auf dem Weg zur Fremdenlegion"

https://www.freitag.de/autoren/felix-werdermann/auf-dem-weg-zur-fremdenlegion

EU-Ausländern soll nach den Plänen des Bundesverteidigungsministeriums künftig erlaubt werden, in der Bundeswehr zu dienen. Felix Werdermann schreibt, dass diese Maßnahme bisher vor allem aus konservativer und nicht aus linker bzw. friedenspolitischer Perspektive diskutiert werde. "Wenn die Bundeswehr zur Fremdenlegion wird, könnte das den Personalmangel abschwächen und die Militärwerbung in Deutschland etwas reduzieren. Das wiederum erleichtert die Verbreitung einer militärkritischen Grundhaltung in der Gesellschaft. Zumal es weniger Soldaten in der deutschen Bevölkerung gibt, die sich schon aus eigenem wirtschaftlichem Interesse für eine starke Bundeswehr einsetzen. Andererseits dürfte es mit einer Fremdenlegion leichter werden, die Akzeptanz für Auslandseinsätze zu beschaffen, wenn keine deutschen Bürger ihr Leben verlieren."

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29.07.2016

"Jede Menge Maskeraden"

https://www.freitag.de/autoren/lutz-herden/jede-menge-maskeraden

EU und NATO seien bemüht, die autoritäre Wende des türkischen Präsidenten Erdogan aufgrund der "geostrategischen Exklusivität der Türkei" zu tolerieren, schreibt Lutz Herden. Gegenwärtig sei deshalb ein "Patt der diplomatischen Maskeraden" zu beobachten: "(...) die Türkei Erdoğans tut so, als würde sie weiter den europäischen Anker suchen, will aber nichts weniger als das. Die EU erweckt den Eindruck, als wollte sie den Türken diesen Anker unter strengen Auflagen zuwerfen. Sie hat allerdings nichts dergleichen an Bord, sondern nur höllische Angst, Schiffbruch zu erleiden, würde sie das zugeben. Beide Seiten sind sich einig, vorübergehend getrennte Wege zu gehen, wollen das aber nicht offen sagen – müssen das nicht. Es bestehen Bande der gegenseitigen Abhängigkeit, die derzeit essenzieller, belastbarer und strategischer sind, als sie das mit einer Türkei als Teil einer maroden EU je sein würden."

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21.06.2016

"Weimarer Verhältnisse?"

https://www.freitag.de/autoren/fpeter/weimarer-verhaeltnisse?

Freitag-Community-Mitglied "FPeter" hinterfragt mit Blick auf die neue rechte Bewegung in Deutschland die zunehmenden Vergleiche der Gegenwart mit der Weimarer Zeit. Er zitiert dabei Patrick Wagner, Professor für Zeitgeschichte an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Historische Konstellationen seien sehr komplex und ihre Wiederholung somit relativ unwahrscheinlich. Zwar gebe es sich wiederholende Elemente, diese stünden aber heute in einem anderen Zusammenhang. Dies schränke die Vergleichbarkeit ein. Zudem bestünde die Gefahr, 'das Neue' in der aktuellen Situation im Vergleich zur historischen Situation zu übersehen."

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11.05.2016

"Mutige Positionen"

https://www.freitag.de/autoren/martin-eich/mutige-positionen

"Kritische Blicke auf den Islamismus wagen vor allem die Kleinen", schreibt Martin Eich im Freitag über den Umgang deutscher Theater mit der Thematik. "Dem islamistischen Terror wollen sich viele Großstadtbühnen, sonst Hochaltäre eines offensiven Allzuständigkeitsanspruchs, nicht annehmen. Unlängst diskutierten Theatermacher in Berlin auf Einladung des Deutschlandfunks darüber – und die Kurvenflüge, mit denen jegliche Positionierung vermieden wurde, waren auffällig gewunden. Es blieb dem bislang nicht gerae als Hardliner aufgefallenen Blogger und Kolumnisten Sascha Lobo vorbehalten, an anderer Stelle von 'islamistischem Faschismus' zu sprechen: Bühnenkünstler scheuen, sofern es nicht gegen rechts geht, die Totalitarismus-Keule. Aus Angst, dass die Falschen applaudieren."

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11.05.2016

"Faschisierung"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/faschisierung

Der Freitag dokumentiert Auszüge eines Textes des linken Denkers Alain Badiou aus seinem Buch "Wider den globalen Kapitalismus. Für ein neues Denken in der Politik nach den Morden von Paris".

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27.04.2016

"Die härtere Gangart"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/die-haertere-gangart

Der seit vier Monaten andauernde Ausnahmezustand habe Frankreich in einen "Hochsicherheitstrakt" verwandelt, schreibt Rudolf Walther. Zwischen Regierung und Opposition tobe ein "Überbietungswettstreit", in dem die Konservativen noch mehr Vollmachten für die Polizei forderten. "Außer Menschenrechtsgruppen wie Human Rights Watch und Amnesty International interveniert fast niemand gegen Praktiken, die im Zeichen von 'Protection de la Nation' Gesetz wurden und bis ins Detail einem Patriot Act à la française gleichen. Protest melden nur muslimische Verbände als Hauptbetroffene an."

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14.04.2016

"Fehlgestartete Selbstkontrolle"

https://www.freitag.de/autoren/ulrike-baureithel/fehlgestartete-selbstkontrolle

Seit Anfang dieses Jahres löscht Facebook "volksverhetzende" Kommentare von Deutschland aus. Ulrike Baureithel zieht eine verhaltene Bilanz, da die "freiwillige Selbstkontrolle" nicht wie erhofft funktioniere. "Auf eine gelöschte Hate-Speech wachsen drei neue nach, auch weil die Löschung allein keine abschreckende Wirkung hat. Strafrechtliche Konsequenzen hatten die Verursacher bisher nicht zu fürchten. Heiko Maas wies nun darauf hin, dass Facebook immer noch zu langsam auf rassistische Posts reagiere. Die Plattform sei aber verpflichtet, strafbare Inhalte schnell aus dem Netz zu nehmen, sonst würde das Unternehmen irgendwann 'in Konflikt mit dem Gesetz' kommen. Und er sagte: 'Auch die Justiz muss der Hasskriminalität im Netz etwas entgegensetzen.'"

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12.02.2016

"Oh Hitler-Boy"

https://www.freitag.de/autoren/sarah-khan/oh-hitler-boy-die-mini-webserie-familie-braun

Sarah Khan setzt sich kritisch mit der Komödie als Form der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus auseinander. "Web-Serie 'Familie Braun' Warum weigern sich junge Filmemacher so beharrlich, sich die 'Existenzform Neonazi' realistisch vorzustellen?"

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20.01.2016

"Einer begann, den Hass zu hassen"

https://www.freitag.de/autoren/der-freitag/einer-begann-den-hass-zu-hassen

Tobias Müller porträtiert den Bestsellerautor und Aktivisten Alde’emeh, der sich vom einstigen potentiellen Selbstmordattentäter zum Kämpfer gegen den Extremismus gewandelt hat. "Man kommt um Montasser Alde’emeh in diesen Tagen nicht herum. Sein Buch De Jihadkaravaan ist ein Bestseller. Die beiden tonangebenden flämischen Wochenzeitungen Knack und Humo nahmen ihn zu Weihnachten auf den Titel. Wenn man so will, ist Montasser Alde’emeh der Gegenpol zu Salah Abdeslam, dem flüchtigen, verhinderten Selbstmordattentäter vom 13. November in Paris. Beide kommen aus dem Brüsseler Bezirk Molenbeek, beide sind 26 Jahre alt. Abdeslams blasses Gesicht, wie man es aus den Zeitungen kennt, steht für den Terror, dessen Schatten noch immer über Brüssel liegt. Das Leben von Montasser Alde’emeh lässt hoffen, es könnte noch etwas zu retten sein."

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04.12.2015

"Brief an P."

https://www.freitag.de/autoren/linkerhand/brief-an-p?

"Was ist nach den Anschlägen vom 13.11 aus der Hauptstadt Frankreichs geworden und wie erinnern wir uns an die Zeit davor", fragt die freie Journalistin Romy Strassenbourg in ihrem "Liebesbrief" an Paris. "Du machst mir Angst! Klingt das ein bisschen hart in deinen Ohren? Du machst mir Angst, denn ich schaue auf die Menschen in meinem Alter, die vor dieser Fensterscheibe auf dem Bürgersteig stehen. Ich sehe die vorbeifahrenden Autos und denke ernsthaft (!) darüber nach, was passieren würde, wenn jetzt ein Auto anhält. Wenn jemand aussteigt und da draußen auf die feiernden Menschen zielt, sie einfach so abknallt. Ich frage mich, ob ich in der Lage wäre, mich zu bewegen oder einfach erstarrt dasitzen würde, unfähig nach draußen zu gehen und Ihnen zu helfen."

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19.11.2015

"Werkzeuge des Zorns"

https://www.freitag.de/autoren/jaugstein/werkzeuge-des-zorns

Jakob Augstein sucht nach Antworten auf die konservative Reaktion einer Politik der Härte im Kampf gegen den Terrorismus. "Jetzt ist wieder die Zeit der Rache. Aber würden wir dem Impuls zur Vergeltung widerstehen? Die Frage drängt sich auf. Frankreich wurde verwundet und will jetzt Genugtuung, so wie seinerzeit die USA, als sie sich am 11. September 2001 angegriffen sahen. Die Bomber über den Stellungen des IS, der Flugzeugträger vor der Küste Syriens – das sind Werkzeuge des Zorns, nicht solche der Vernunft. Die Wirkung wird im wahrsten Wortsinne verheerend sein: mehr Gewalt zeugt nur mehr Gegengewalt. Mehr Leid zeugt nur mehr Hass. Die Vorstellung, der französische Militäreinsatz könne irgendeine Auswirkung auf Verlauf und Ergebnis des Kampfes gegen den Islamischen Staat haben – außer die Lage noch schwieriger zu machen – , ist abwegig. Aber auf Vernunft kam es François Hollande auch nicht an, nach den Toten von Paris. Sondern eben auf Rache. Darum noch einmal: Würden wir diesem Impuls widerstehen?"

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