Getreidesorten auf einem Markt in Asien

Sinah Grotefels am 19.06.2015

"Der Teller für einen Tag" - Ein Blick hinter die Kulissen

Das Thema Welternährung ist komplex und abstrakt. Wie kann man die vielschichtige Materie greifbar machen und den Einzelnen in seiner Lebenswelt ansprechen? Das Tool „Der Teller für einen Tag“ macht genau das: Der Nutzer lernt etwas über Ernährung in der Welt – in Relation zu sich selbst. Das Tool ist in Zusammenarbeit mit der Ernährungswissenschaftlerin Anja Tanas entstanden. Ihr haben wir Fragen zu seinen Hintergründen gestellt.

Tool "Der Teller für einen Tag" aus dem Dossier WelternährungDurch das Tool "Der Teller für einen Tag" wird Welternährung alltagsnah erklärt.


Was kann das Tool und wo stößt es an seine Grenzen?

Alles in allem soll es vor allem um eins gehen: Wir wollten den Gegensatz Hunger versus Überfluss in der Welt deutlich machen. Wie viele Kilokalorien isst man durchschnittlich in Nordkorea? Und womit muss man in Somalia auskommen? Ganz wichtig dabei ist: Es soll kein Diät- oder Abnehmtool sein, denn als Orientierung für eine gesunde Ernährung eignet es sich nicht.

Warum nicht?

Bei der Entwicklung des Tools stand für uns von Anfang an vor allem die Kalorienmenge im Mittelpunkt. Ob die Lebensmittel wichtige Vitalstoffe wie z.B. Vitamine enthalten, bildet das Tool gar nicht ab. Wenn ich aus den vorgegeben Lebensmitteln ein Tagesmenü zusammenstelle und dabei genau auf die Portionsgrößen achte, dann sehe ich: Wie viel Kilokalorien, wie viel Eiweiß und Fett enthält mein Essen. Das kann ich mit dem durchschnittlichen Verbrauch eines Erwachsenen in Deutschland oder z.B. in Mexiko vergleichen – aber nur in Bezug auf diese drei Punkte. Damit kann das Tool auch nicht den sogenannten "versteckten Hunger", also den folgenschweren Mangel an Vitalstoffen wie Mikronährstoffen, widerspiegeln.

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Zur Person

Anja TanasAnja Tanas
Anja Tanas ist Diplom-Oecotrophologin, Autorin und Lehrbeauftragte an einer Fachhochschule. Seit 1996 arbeitet sie als freiberufliche Journalistin und schreibt vor allem über Themen der Ernährung und Gesundheit. Unter anderem ist sie als Coach und Expertin vor der Kamera für verschiedene Formate des WDR tätig.


Im Tool kann man sich zwischen 28 Lebensmitteln entscheiden – Warum haben Sie gerade diese ausgewählt?

Wir haben recherchiert, was die Menschen in den verschiedenen Ländern überhaupt essen, und dabei haben wir auf die Daten zurückgegriffen, die die FAO dazu gesammelt hat. Das ist eine Organisation der Vereinten Nationen, die sich mit Fragen befasst, wie: Welche Lebensmittel stehen wo zur Verfügung? Und was davon ist für den menschlichen Konsum vorhanden, was zum Beispiel für die Landwirtschaft? Dazu werden Statistiken veröffentlicht, die „food balance sheets“, also Nahrungsmittelbilanzen. Wir haben herausgefiltert, welche Nahrungsmittelgruppen den Menschen weltweit durchschnittlich die meisten Kilokalorien liefern. Daraus haben sich Lebensmittelgruppen ergeben, die eine Vergleichbarkeit der „deutschen Teller“ mit denen anderer Länder überhaupt möglich gemacht hat.

Heißt das, Sie haben die Lebensmittel rein nach statistischen Kriterien ausgewählt?

Nein, die Auswahl der beispielhaften Lebensmittel für jede Gruppe ist nicht ausschließlich statistisch erfolgt. Wir haben auch gängige und besonders beliebte Produkte ausgewählt. Äpfel und Bananen sind die beliebtesten Obstsorten der Deutschen, Tomaten und Möhren die beliebtesten Gemüsesorten. Forelle und Lachs zählen hierzulande zu den am meisten verzehrten Fischen. Joghurt, Eier, Käse sowie pflanzliche Öle gehören zur ausgewogenen Mischkost ebenfalls dazu. Ein ganz normales, ausgewogenes Tagesmenü eines Durchschnittsessers sollte mit den Zutaten erstellt werden können. Und natürlich durften auch Süßigkeiten nicht fehlen, weil die einfach Teil unserer Lebensrealität sind.

Im Tool können keine Getränke ausgewählt werden. Warum nicht?

Das hat praktische Gründe. Einmal merkt man sich nicht so gut, was und wie viel man getrunken hat. Aber vor allem lag es daran, dass uns dafür keine vergleichbaren Zahlen zur Verfügung standen. In den „food balance sheets“ der FAO werden der durchschnittliche Kilokalorienverbrauch sowie Fett- und Eiweißverbrauch der Menschen eines Landes aufgelistet. Diese Zahlen berücksichtigen aber keine Getränke. Aus Gründen der Vergleichbarkeit haben wir daher im Tool auf die Getränke verzichtet. Dass Getränke aber auch einen Einfluss auf die Kilokalorienzufuhr haben, z.B. wenn man häufig oder sogar nur Säfte oder Limonade trinkt, kann im Tool daher nicht gezeigt werden.


Hier geht es direkt zum Tool Der Teller für einen Tag.



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