Deutschland 1945-1949
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Kriegsziele der Alliierten


13.7.2005
Im Sommer 1945 kamen die Regierungschefs der drei Großmächte, USA, Sowjetunion und Großbritannien, zu ihrer letzten Kriegskonferenz zusammen, um im so genannten "Potsdamer Abkommen" festzulegen, wie Deutschland in Zukunft zu behandeln sei.

Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren.Nach Abschluss der Konferenz von Jalta im Februar 1945 lassen sich die alliierten Staatschefs Winston Churchill (Großbritannien), Franklin D. Roosevelt (USA) und Josef Stalin (UdSSR) fotografieren. (© Wikimedia)

Einleitung



Mit dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg. Säkulares Ausmaß erreichte er mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 und der Kriegserklärung an die USA im Dezember 1941. Es war ein Krieg der Ideologien und ein Vernichtungskrieg ohne Parallele in der Geschichte. Auf 33 Millionen wird die Zahl der Opfer nichtdeutscher Nationalität geschätzt, zwischen vier und fünf Millionen Deutsche fanden den Tod. Beispiellos war der Zweite Weltkrieg auch wegen der Verbrechen, denen er als Hintergrund gedient hatte: der Völkermord an den europäischen Juden, an Sinti und Roma, die Ermordung von Kriegsgefangenen, die Ermordung von Behinderten und die Versklavung der polnischen und russischen Zwangsarbeiter. Dem Vernichtungsfeldzug im Zeichen der nationalsozialistischen Ideologie des deutschen "Herrenmenschentums" und des Weltherrschaftsstrebens wurde im Verständnis der westalliierten Demokratien ein Kreuzzug zur Befreiung der Welt vom Nationalsozialismus entgegengesetzt. Die Sowjetunion strebte nach Befreiung von Besatzung und Bedrohung und dann, im Zeichen ihrer expansiven Ideologie, nach Erweiterung und Befriedung ihres Einflussgebiets. Dieser Krieg endete mit der vollkommenen Niederlage des Aggressors, der Eliminierung seiner Ideologie und der Bestrafung eines Großteils seiner Exponenten durch öffentliche Gerichtsverfahren.

Konferenz von Jalta



Über die Behandlung Deutschlands nach seiner Niederlage hatten sich die Alliierten auf mehreren Konferenzen verständigt. Vom 4. bis 11. Februar 1945 trafen sich in Jalta auf der Halbinsel Krim die "Großen Drei", US-Präsident Franklin Delano Roosevelt, der britische Premierminister Winston Churchill und der sowjetische Diktator Josef Stalin.

Stalin ging es in Jalta vor allem darum, Ost- und Südosteuropa weitgehend als Interessensphäre der Sowjetunion anerkannt zu erhalten. In Ansehung der Widerstände Churchills wollte er doch wenigstens auslegungsfähige Formeln hinsichtlich Polens (Anerkennung der verschobenen Ostgrenze zur Sowjetunion und der Oder-Neiße-Linie als Westgrenze zu Deutschland) erzielen und die sowjetische Rolle gegenüber den Balkanstaaten festschreiben lassen. Ferner war Stalin an der Festlegung der Reparationssumme interessiert, die Deutschland auferlegt werden müsste und am Anteil, den die UdSSR davon erhalten sollte. Stalin schlug 20 Milliarden US-Dollar als Gesamtsumme vor, davon verlangte er 10 Milliarden Dollar. Diese Forderung war in Jalta noch theoretisch zu erörtern, ein halbes Jahr später in Potsdam trug sie erheblich zur Verschlechterung der Beziehungen zu den Westmächten bei.

Das Anliegen des amerikanischen Präsidenten Roosevelt bei der Jalta-Konferenz bestand vor allem darin, von Stalin die Zusage zum Kriegseintritt gegen Japan (nach der Niederlage Deutschlands) zu erlangen, und er wollte sich der Kooperation der Sowjetunion bei der Errichtung der Vereinten Nationen versichern. Die Gründung einer dauerhaften Friedensorganisation war seit der Atlantik-Charta von 1941 das feierlich deklarierte wichtigste Kriegsziel der USA. Drittens wollte Roosevelt, ebenso wie Churchill, den Expansionsdrang der Sowjets in Ost- und Südosteuropa nicht ganz außer Kontrolle geraten lassen.

Die Verhandlungen in Jalta waren ziemlich chaotisch, weil die westlichen Verbündeten dem östlichen Partner misstrauten, weil so viele Wechsel auf eine ungewisse Zukunft ausgestellt werden mussten und weil die Interessen der Beteiligten so differierten. Die Tragweite einiger Verabredungen sollte sich deshalb erst viel später herausstellen. Etwa die verhängnisvollen Konsequenzen für Hunderttausende von Sowjetbürgerinnen und -bürgern, die im Gefolge der deutschen Wehrmacht - freiwillig oder unfreiwillig - ihre Heimat verlassen hatten. Sie wurden nach dem 8. Mai 1945 durch Repatriierungskommissionen, ob sie wollten oder nicht, in die Sowjetunion zurückgebracht, wo auf die meisten eine düstere Zukunft wartete.

Wichtig für Deutschland war der Beschluss der Großen Drei, die vollständige Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands sicherzustellen und dem besiegten Gegner hohe Reparationen aufzuerlegen. Und von erheblicher Bedeutung war auch das Übereinkommen, Frankreich (das hieß, dessen provisorische Regierung unter Charles de Gaulle) als vierte Macht zur Teilnahme an der alliierten Kontrolle Deutschlands einzuladen und den Franzosen eine eigene Besatzungszone einzuräumen. Die französische Besatzungszone wurde im Südwesten aus den bereits festgelegten amerikanischen und britischen Okkupationsgebieten herausgeschnitten, die sowjetische Zone sollte unverändert bleiben. Und an der gemeinsamen Verwaltung der Hauptstadt Berlin sollte Frankreich ebenfalls beteiligt sein. Die ursprünglich vorgesehene Einteilung Berlins in drei Sektoren wurde korrigiert, Frankreich erhielt einen eigenen Sektor zugewiesen.

Ebenso wie zum Gipfeltreffen in Jalta im Februar wurde de Gaulle aber auch nicht zur letzten Kriegskonferenz nach Potsdam vom 17. Juli bis 2. August 1945 eingeladen. Das Bewusstsein, nur als Größe zweiten Ranges betrachtet und behandelt zu werden, kränkte in Paris ungemein. Für die französische Deutschlandpolitik der nächsten Jahre hatte dies Folgen, weil Frankreich, um seine eigenen Ziele durchzusetzen, zunächst alle gemeinsamen Beschlüsse über Deutschland blockierte.

Pläne zur Aufteilung Deutschlands

Die Pläne und Überlegungen zur Aufteilung und Zerstückelung Deutschlands erwiesen sich in der Endphase des Krieges ziemlich rasch als überholt. Ein britischer Planungsstab war schon im Herbst 1944 zu dem Ergebnis gekommen, dass eine politische Zergliederung Deutschlands dessen Wirtschaftskraft so schwächen würde, dass mit ernsten Problemen zu rechnen sei: Es drohe die Abhängigkeit der neuen Staatsgebilde von anderen Ländern, das Absinken des Lebensstandards, wodurch die Unabhängigkeit der neuen Staaten in Gefahr geriete und die Reduzierung der deutschen Leistungsfähigkeit im Hinblick auf die zu zahlenden Reparationen. Zu den wichtigsten Argumenten der britischen Experten gehörte die Überlegung, dass eine Zerstückelung die Verarmung Deutschlands zur Folge haben, die Erholung der ganzen Welt von den Kriegsschäden verlangsamen und somit auf lange Sicht auch den britischen Wirtschaftsinteressen schaden würde. Ebenso war der legendäre "Morgenthau-Plan", mit dem der amerikanische Finanzminister Henry Morgenthau Deutschland zum Agrarland ohne Industrie machen wollte, schon Ende 1944 wieder vom Tisch.

Der britische Schatzkanzler John Anderson hatte sich Anfang März 1945 gegen Pläne zur Aufteilung Deutschlands gewandt. Auch er führte ökonomische Gründe an, als er in einem Memorandum schrieb, nach seiner Auffassung könne Großbritannien entweder eine Reparations- oder eine Zerstückelungspolitik verfolgen, aber bestimmt nicht beides auf einmal.

Die Absicht, Deutschland zu zergliedern, wie sie auf der Teheraner Gipfelkonferenz der Anti-Hitler-Koalition im November 1943 propagiert, auf der Krimkonferenz im Februar 1945 scheinbar bekräftigt und durch die Einsetzung einer entsprechenden Kommission institutionalisiert worden war, wurde tatsächlich schon im Februar 1945 begraben. Die ökonomisch denkenden Politiker in Washington und London wollten sich nicht selber Schaden zufügen: Eine kontrollierte deutsche Industrie würde bei gleichzeitiger Entwaffnung und Entmilitarisierung Deutschlands sowohl Sicherheit garantieren als auch den britischen Wirtschaftsinteressen entsprechen.

Davon versuchte der britische Außenminister Robert Anthony Eden die Politiker zu überzeugen, die nur an die Niederhaltung Deutschlands dachten: Eine Handvoll deutscher Kleinstaaten würde für die Sieger des Weltkrieges ökonomisch ein Ballast und politisch ein Unruheherd sein. Beides zusammen würde für die erhoffte neue Ordnung Europas eine schwer erträgliche Hypothek bilden.

Die antikommunistischen Schlagworte der nationalsozialistischen Propaganda haben die Vorstellungswelt der Deutschen weit über das Jahr 1945 hinaus beeinflusst. Ein Teil dieser Parolen war, weil er im Westen auch in der Zeit des Kalten Krieges verwendet wurde, besonders wirksam und dauerhaft, und diente auch als Trost in der Niederlage. Die antikommunistischen Parolen erleichterten dem Westen Deutschlands die Unterwerfung unter die Sieger, weil man diese bald als Schutzmächte vor der stalinistischen Sowjetunion begreifen lernte.