Deutschland 1945-1949
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Berlin - auf dem Weg zur geteilten Stadt


13.7.2005
Berlin wurde nach dem Krieg von den Siegermächten in vier Sektoren geteilt. Um die seit Anfang 1948 auftretenden Störungen auf den Verbindungswegen nach Berlin zu umgehen, beschlossen die Amerikaner, Berlin aus der Luft zu versorgen.

Schwarz-Weiß-Foto (undatiert!): Mehrere Berliner Kinder sitzen 1948 auf dem Zaun des Berliner Flughafens Tempelhof, während ein so genannter 'Rosinenbomber' der US-Luftstreitkräfte über ihnen zur Landung ansetzt.Berliner Kinder warten am Zaun des Flughafens Tempelhof auf "Rosinenbomber" der "Luftbrücke". (© AP)

Einleitung



Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches, war eine der größten Industriestädte Europas gewesen und zählte 1939 4,3 Millionen Einwohner. In den Trümmern, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hatte, lebten 1948 noch 3,2 Millionen. Nach den alliierten Absprachen von 1944 wurde Berlin von den Siegermächten gemeinsam regiert, das heißt, die Stadt war in vier Sektoren geteilt, in denen jeweils ein Stadtkommandant namens der Sowjetunion, Großbritanniens, der USA und Frankreichs die Machtbefugnisse ausübte. Unter deren Hoheit arbeiteten deutsche Bezirksbürgermeister, der gesamtberliner Magistrat und der Bürgermeister mit seinen Stellvertretern.

Nachdem die Rote Armee Ende April 1945 Berlin erobert hatte, waren Anfang Juli vereinbarungsgemäß amerikanische und britische Truppen eingerückt und hatten von ihren Sektoren Besitz ergriffen. Die Franzosen folgten am 12. August. Die Garnisonen der drei Westmächte bestanden insgesamt aus etwa 6500 Soldaten. Im sowjetischen Sektor waren 18 000 Rotarmisten stationiert. An Konflikt und Konfrontation unter den Siegern dachte man nicht, als der Alliierte Kontrollrat, die Regierungsinstanz für ganz Deutschland, in Berlin etabliert wurde, als die alliierte Kommandantur, das Gremium der vier Stadtkommandanten, zusammentrat und als die obersten Instanzen der vier Militärregierungen für Deutschland in Berlin ihre Arbeit aufnahmen. Auch über die Regelung der Zugangsrechte und Zugangswege für die westlichen Alliierten nach Berlin, das ringsum von sowjetischem Besatzungsgebiet umschlossen war, hatte nach der Kapitulation Deutschlands niemand nachgedacht. Die Präsenz der Westmächte war jafest vereinbart, und Absprachen und Beschlüsse wollten die Sieger des Zweiten Weltkriegs über Deutschland ebenso gemeinsam treffen wie über seine Hauptstadt. Lediglich die Luftverbindungen nach Berlin durch drei "Korridore" von Hamburg, Bückeburg (Hannover) und Frankfurt am Main aus waren im November 1945 durch ein Viermächteabkommen geregelt worden.

Blockade



Seit Anfang 1948 traten auf den Verbindungswegen nach Berlin zu Lande und zu Wasser "technische Störungen" auf, erstmals am 24. Januar, als der Nachtzug von Berlin nach Bielefeld in der sowjetischen Zone aufgehalten wurde. 120 deutsche Passagiere wurden nach Berlin zurückgeschickt, die übrigen, Angehörige der britischen Besatzungsmacht, durften nach elf Stunden Wartezeit weiterfahren. Im Februar wurde ein unter amerikanischer Regie fahrender Eisenbahnzug behindert, weitere Schikanen der sowjetischen Besatzungsbehörden trafen auch die Binnenschifffahrt. Meist ging es um Formalitäten. Der schwerste Zwischenfall ereignete sich im April, als ein sowjetisches Jagdflugzeug mit einer britischen Transportmaschine kollidierte, die zur Landung auf dem Flugplatz Gatow im britischen Sektor Berlins angesetzt hatte. Vierzehn Briten und der sowjetische Pilot kamen ums Leben.

Am 2. April 1948 befahl General Clay, der amerikanische Militärgouverneur, dass Transporte nach Berlin mit Flugzeugen erfolgen sollten, weil er den Behinderungen der Eisenbahn und des Straßenverkehrs entgehen wollte. Die dreitägige Aktion war, obwohl noch niemand wusste, was sich später daraus entwickeln sollte, ein Probelauf, der unter dem Namen "Kleine Luftbrücke" bekannt wurde.

Am 16. Juni verließ der sowjetische Vertreter unter einem Vorwand die Kommandantur und lähmte damit das interalliierte Gremium als Viermächte-Kontrollorgan für ganz Berlin. Die Inszenierung des sowjetischen Auszugs aus der alliierten Stadtregierung folgte dem Muster, nach dem am 20. März 1948 der sowjetische Militärgouverneur den Alliierten Kontrollrat für Deutschland gesprengt hatte.

Der Hintergrund der Berlinkrise wurde sichtbar, als am Abend des 18. Juni in den Westzonen die für Sonntag, den 20. Juni, bevorstehende Währungsreform angekündigt wurde. Berlin sollte nach sowjetischer Auffassung von der westlichen Währungsreform ausgenommen bleiben. Dies zwang den sowjetischen Militärgouverneur Marschall Sokolowski zum Handeln, denn die Weitergeltung des alten Geldes in Berlin hätte bedeutet, dass die Sowjetzone mit der in den Westzonen wertlos gewordenen Reichsmark überschwemmt worden wäre. Er bezog Gesamtberlin in die ostzonale Währungsreform ein, die als Reaktion auf das westliche Vorgehen am 23. Juni 1948 in Kraft trat. In den drei westlichen Sektoren Berlins sollte also die D-Mark verboten sein.

Eine Sondersitzung der Berliner Stadtverordneten beschäftigte sich am 23. Juni mit dem Problem. Tumulte und Demonstrationen im und um das im Ostsektor liegende Stadthaus störten die Beratungen. Sie waren von der SED angezettelt worden, um das Stadtparlament unter Druck zu setzen. Trotzdem wurde der Beschluss gefasst, dass in den Westteilen Berlins das westliche Geld gültig sein würde. Die Reaktion der sowjetischen Seite erfolgte unmittelbar. Kurz vor Mitternacht des 23. Juni gingen in West-Berlin die Lichter aus. Die Elektrizitätsversorgung war vom Osten aus eingestellt worden. Sie funktionierte in den folgenden Monaten nur sporadisch, ganz nach der Willkür der sowjetischen Instanzen, in deren Machtbereich die Kraftwerke, die Berlin versorgten, lagen. Am folgenden Tag, um sechs Uhr morgens, kam auch der gesamte Eisenbahnverkehr nach Berlin zum Stillstand, dann wurde die Binnenschifffahrt unterbunden. Berlin war Insel geworden, dem Westen gegenüber vollständig blockiert von der sowjetischen Besatzungsmacht. Als einziger Zugang blieben die drei Luftkorridore.